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Kontakte für den Kosovo

Wirtschaftsdelegation besuchte Unternehmen in der Prignitz / Zahnradwerk auf Konsolidierungskurs Kontakte für den Kosovo

Kontakte zu anderen Firmen zu knüpfen ‒ so beschrieben die Mitglieder der Wirtschaftsdelegation aus der Republik Kosovo den Zweck ihres Besuchs in der Prignitz: Einerseits wollten die Kosovaren die Möglichkeiten für Kooperationen sondieren, andererseits auch anbieten, Auftragsarbeiten für deutsche Firmen zu übernehmen: Die Löhne in der nach wie vor nicht ganz sattelfesten Republik liegen bei einem Fünftel jener in Deutschland.

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Die Teilnehmer der Delegation waren zu einer Werksführung eingeladen, was sie gerne in Anspruch nahmen

Quelle: Bihler

Pritzwalk. Zudem sollten deutsche Unternehmen Zugangsmöglichkeiten zum kosovarischen Markt eröffnet werden.

Zum Besuch eingeladen hatte die Potsdamer Industrie- und Handelskammer, organisiert hatte ihn Gerd Grabow von der Wirtschaftsfördergesellschaft Prignitz. Erster Stopp war das Pritzwalker Zahnradwerk, denn die Delegation setzte sich vor allem aus Wirtschaftsvertretern des Energiesektors und der Metallverarbeitung zusammen ‒ wie etwa dem Stahlbauer Eurometal. Kontakte ‒ insbesondere nach Osteuropa ‒ seien auch für ihn wichtig, sagte Heiner van de Loo, Inhaber des Zahnradwerks, wenn er auch gleich klarstellte: "Eine Verlagerung von Produktionsschritten auf den Balkan ist für uns kein Thema."

"Es geht nicht alleine um Produktionsverlagerung", sagte auch Manushaque Dalipi, die die Kosovarisch-deutsche Wirtschaftsvereinigung vertritt, eine Kammer ähnlich der deutschen IHK, "sondern um Knowhow ebenso wie um generelle Zusammenarbeit." Dass die Firmen gerade in der eher dünn besiedelten Prignitz gelandet sind, liege daran, dass hier auf engem Raum eine Fülle von Metall verarbeitenden Betrieben angesiedelt sind. Und: "Wir wollen vor allem auch Kontakte zum Mittelstand, nicht zu ganz großen Unternehmen."

Heftige Bürgerproteste gegen die Privatisierung von Staatsunternehmen, eine Arbeitslosenquote von rund 35 Prozent, ein gigantisches Außenhandelsdefizit und ein Dasein am Tropf der Geberländer: Die wirtschaftliche Situation der Republik Kosovo ist für deutsche Verhältnisse auch 14 Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges desaströs. Vor allem auch die Energieversorgung steht auf wackligen Füßen. Inzwischen hat der Kosovo mit der Unterstützung der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit eine Machbarkeitsstudie zur Windenergie erstellt. "Mit positivem Ergebnis", sagte Thomas Huebner von der Investment Promotion Agency of Kosovo. Lulzim Syla, Marketingdirektor des Energie-Dienstleisters "Elen", interessierte sich demzufolge vor allem auch für die neue Energiestrategie des Zahnradwerks mit eigenem Blockheizkraftwerk. "Unsere Infrastruktur im Energie-Bereich bleibt ein Problem, wir suchen Knowhow." Das beschränke sich nicht auf technische Aspekte. Interessant seien auch Kontakte zu Firmen, die kostengünstige Lösungen für die alternative Energie-Versorgung anböten. Bisher beschränke sich der Einsatz regenerativer Energien neben der kleinen Wasserkraft im Kosovo auf kaum nennenswerte Ausnahmen, belebt werden soll insbesondere die Wind- und Solarenergie.

Dass aber auch bei den Erneuerbaren nicht alles nur positiv läuft, stellte Heiner van de Loo dar: Nach dem Boom in 2007, 2008, als die Windkraft für markante Umsätze im Zahnradwerk sorgte, ist die Zahl der Aufträge aus der Branche inzwischen auf den letzten Platz abgesackt.

NACH DURCHSCHREITEN DER TALSOHLE IST IM ZAHNRADWERK KONSOLIDIERUNG ANGESAGT

Nachdem beim Zahnradwerk in der ersten Jahreshälfte teilweise Kurzarbeit galt, ist heute wieder Vollbeschäftigung angesagt, sagt Zahnradwerksinhaber Heiner van de Loo. Derzeit arbeiten – inklusive der Auszubildenden – rund 290 Mitarbeiter im Werk.

Beim Personalabbau von ehemals rund 340 Mitarbeitern habe man vor allem befristete Verträge nicht verlängert. Stellen, die aus Altersgründen frei wurden, wurden nicht wieder besetzt.

Nach den Umsatzspitzen der Windkraft-Boomjahre denkt van de Loo, dass sich das Zahnradwerk auf einem Umsatz- und Personalstand konsolidieren werde, der gegen Jahresende erreicht sei.

Nach dem Einbruch im Bereich der Windenergie und der allgemeinen Wirtschaftskrise hatte das Zahnradwerk eine Talsohle durchschritten und das vergangene Jahr sogar mit einem Defizit abgeschlossen.

Vor allem aufgrund einer guten Nachfrage aus dem Eisenbahnsektor – darunter insbesondere von Siemens und Bombardier – hat sich der Umsatz inzwischen stabilisiert und das Geschäftsjahr werde voraussichtlich mit einer schwarzen Null enden, meinte van de Loo.
Die Eigenkapitalquote des Unternehmens liegt weiter bei einem stabilen Drittel.

Gleichzeitig wurde im Werk investiert: Zum einen in eine werkseigene Energieversorgung mit einem Blockheizkraftwerk, zum anderen in den Maschinenpark. cb

Von Claudia Bihler

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