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„Korndieb“ von Preddöhl ist gefasst, aber...

Und plötzlich war das Getreide weg „Korndieb“ von Preddöhl ist gefasst, aber...

Die Landbesitzer haben nicht schlecht gestaunt, als sie zur Ernte ihres Getreidefeldes zwischen Preddöhl und Buckow fuhren und das Weizen längst abgemäht war. Ein Weizendieb! Doch ganz so einfach, wie noch am Mittwoch angenommen, ist es auch wieder nicht. Inzwischen ist der „Mähdrescher“ nämlich gefasst und hat eine andere Erklärung.

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Noch läuft die Ernte auf Hochtouren, auch hier, auf einem anderen Acker in der Nähe von Preddöhl.

Quelle: Bernd Atzenroth

Preddöhl. So was gibt es nicht oft. Laut einer Polizeimeldung soll ein ganzer Acker irgendwo in der Gemeinde Kümmernitztal zwischen Preddöhl und Buckow um das vergangene Wochenende herum von einem Unbekannten unberechtigt abgemäht worden sein. Das betroffene Unternehmen, die Königsberger Agrarservice GmbH hatte Anzeige erstattet. Der Schaden wurde von der Polizei mit 27 000 Euro beziffert, abgeerntet wurde ein Areal, das etwa so groß ist wie 30 Fußballfelder. Laut Unternehmensgeschäftsführer Michael Schuran hatte man nur noch ein Stoppelfeld vorgefunden.

Offenbar im Verborgenen geerntet

Der mysteriöse Fall ist den anderen Landwirten, die derzeit im selben Sprengel ihre Felder abernten, zunächst verborgen geblieben, trotz der Größe der abgeernteten Fläche. Eine MAZ-Nachfrage vom Dienstag ergab, dass weder die sonstigen Flächenbesitzer von dem Vorfall etwas mitbekommen hatten noch Kümmernitztals Bürgermeister Steffen Sadowski aus Preddöhl und die Buckower Ortsvorsteherin Manuela März.

Lothar Pawlowski, Vorstandsvorsitzender des Kreisbauernverbandes Prignitz, hatte aus den Medien von dem Erntediebstahl erfahren. Dieser sei seinem Verband nicht mitgeteilt worden.

Kein Wunder: Die Königsberger Agrarservice gehört dem KBV gar nicht an - Königsberg gehört zu Heiligengrabe und damit schon zum Nachbarkreis Ostprignitz-Ruppin.

„Ich kann mich an keinen derartigen Fall erinnern“, sagt Dörte Röhrs von der Polizeidirektion Nord in Neuruppin. Und die Polizeisprecherin ist immerhin bereits seit einem Jahrzehnt mit dem Geschehen in der Prignitz und in Ostprignitz-Ruppin befasst. Ob es davor vorgekommen ist, vermochte sie nicht zu sagen, auch nicht, ob eventuell solche Vorfälle zwar passiert, aber nicht zur Anzeige gebracht worden sind. „Ob es sich um vorsätzlichen Diebstahl oder aber eine Verwechslung handelt, das müssen die Ermittlungen der Kriminalpolizei erst ergeben“, sagte Dörte Röhrs noch am Mittwochvormittag. Der Landbetrieb aber ging von einem Diebstahl aus.

Polizei kennt den „Mähdrescher“

Mittlerweile stellt sich der Sachverhalt aber auch schon ein wenig anders dar. Denn die Polizei hat herausgefunden, wer das Feld abgeerntet hat. „Nach dem bisherigen Kenntnisstand soll zwischen beiden eine Vereinbarung existiert haben“, teilte Dörte Röhrs auf MAZ-Nachfrage mit. Jedoch laufen die Ermittlungen noch, um zu klären ob und inwieweit diese Vereinbarung wirklich gültig ist. Und: Die Königsberger Agrarservice GmbH bestreitet kategorisch, dass es eine solche Vereinbarung gibt.

Lothar Pawlowski, Vorstandsvorsitzender des Kreisbauernverbandes Prignitz (KBV), geht dennoch davon aus, dass das Unternehmen die Anzeige wieder zurückzieht. Denn nach seinen Angaben könnte auf dem betreffenden Feld ein Früchtepfand gelegen haben. Das bedeutet: Das landwirtschaftliche Unternehmen hatte die Ernte schon im Vorab an Landhändler verkauft – eine durchaus übliche Praxis, wenn man Geld benötigt oder mit festen Summen rechnen will. Aus den Polizeiangaben geht bislang nicht hervor, ob es sich bei der angeblichen Vereinbarung um ein solches Früchtepfand handelt.

Strohballen prägen im Moment überall das Landschaftsbild

Strohballen prägen im Moment überall das Landschaftsbild

Quelle: Atzenroth

Pawlowski würde sich aber wundern, wenn hier tatsächlich in großem Stil Diebe am Werk gewesen wären: „Wenn bei uns etwas gestohlen wird, dann Mähdrescher oder Traktoren. Aber ein ganzes Feld, das abgeerntet wird, das klingt abenteuerlich. Das macht nicht so eine kleine Räuberbande.“ Der KBV-Vorsitzende kann sich aber auch nicht vorstellen, dass hier einfach ein Lohnunternehmen auf einen falschen Acker gefahren ist. „Dann ist der Bauer eigentlich immer dabei, und dann kann so etwas nicht passieren“, weiß Pawlowski.

Von Bernd Atzenroth

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