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Krähen stören Beerdigungen auf Friedhof

Vogeldreck in Pritzwalk Krähen stören Beerdigungen auf Friedhof

Auf dem Pritzwalker Friedhof befindet sich eine der größten Saatkrähenkolonien der Prignitz. Besonders jetzt, wo die Krähen mit dem Brutgeschäft begonnen haben, fallen sie durch Lärm und Dreck auf. Mitunter müssen auch die Trauergäste mit Belästigungen rechnen. Doch tun kann man aus einem Grund kaum etwas.

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Nest an Nest hängt in den Kronen der Bäume auf dem Pritzwalker Friedhof. Hier brüten alljährlich bis zu 700 Krähenpaare, was nicht ohne Konflikte bleibt.

Quelle: Beate Vogel

Pritzwalk. Äußerst unangenehm sind dem Pritzwalker Uwe Kiefner die Krähen auf dem Friedhof in der Perleberger Straße aufgefallen. Es ist laut, es stinkt und es ist schmutzig unter den Bäumen. „Sie müssten mal sehen, wie das bei Beerdigungen ist – wie eine Invasion“, schilderte er am MAZ-Lesertelefon. Die Gäste fühlten sich laut Kiefner extrem gestört durch die schwarzen Vögel. Der eine oder andere Besucher sei sogar vollgemacht worden. „Die verschmutzen alles – Autos, Häuser und den Weg.“ Nach Auskunft der Landkreisverwaltung befindet sich am Pritzwalker Friedhof eine der größten Saatkrähenkolonien der Prignitz. Jedes Jahr brüten dort etwa 600 bis 700 Paare.

Uwe Kiefner habe selbst 20 Jahre lang in der direkten Nachbarschaft gewohnt: Wie bei Alfred Hitchcock sei das, habe ihm damals regelmäßig sein Besuch erzählt. Der Pritz­walker glaubt, dass die Vögel einst im so genannten Krähenwald in Richtung des Ortsteils Schönhagen gelebt haben. Irgendwann seien sie aber in die Stadt gezogen. „Kann man nicht zum Beispiel durch Baumkürzungen verhindern, dass die Krähen dort ihre Nester bauen?“, will er wissen.

Krähen gehören zu den geschützten Arten

Die Krähenkolonie am Friedhof sorgt seit Jahren immer wieder für Unmut bei den Bürgern, weiß Karin Schrödter, Fachgebietsleiterin Allgemeine Sicherheit, Ordnung und Bürgerservice bei der Stadt. „Die Krähen gehören zu den geschützten Arten“, erklärt sie. Der Landkreis prüfe jedes Jahr die Populationen, zähle also die Anzahl der Horste im Stadtgebiet von Pritzwalk. Es stimme schon, dass es immer mehr Vögel geworden sind. Laut Schrödter habe es in Wittenberge Versuche gegeben, die Krähen zu vergrämen. „Aber das führte dazu, dass sie sich über die halbe Stadt verteilt haben.“ Viel tun könne man nicht, da die Krähen eben geschützt sind.

Saatkrähenkolonien in der Prignitz

Die größten Kolonien der Saatkrähen in der Prignitz befinden sich in Wittenberge (etwa 800 Brutpaare) und Pritzwalk (rund 700 Brutpaare), informierte der Landkreis. Weitere, deutlich kleinere Kolonien sind seit einigen Jahren auch in Perleberg (120 Paare), Bad Wilsnack (etwa 50 Paare) und Glövzin (80 Paare) entstanden.

Im Umfeld der großen und stabilen Hauptkolonien beziehungsweise Populationen Wittenberge und Pritz­walk tauchten immer mal wieder kleinere Kolonien der Saatkrähe auf und verschwanden nach einigen Jahren wieder.

Das bestätigt Marcus Pankow vom Sachbereich Natur- und Gewässerschutz beim Landkreis in einer schriftlichen Stellungnahme: „Die Verbote im Bundesnaturschutzgesetz finden Anwendung, das heißt, es ist unter anderem verboten, die Tiere zu fangen, zu verletzten, zu töten, ihnen nachzustellen, ihre Entwicklungsformen () der Natur zu entnehmen, die Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören.“ Nur im begründeten Einzelfall könne von Seiten der Unteren Naturschutzbehörde eine Ausnahme zugelassen werden. „Die Brutzeit der Saatkrähen beginnt bereits Ende Februar, so dass die Tiere längst mit ihrem Brutgeschäft begonnen haben. Vor diesem Hintergrund wären Vergrämungsmaßnahmen derzeit ohnehin nicht mehr möglich und zulässig“, führt Pankow aus.

Störungen der Kolonien bringen nichts

Vergrämungsmaßnahmen von Saatkrähen seien sehr aufwendig und erfahrungsgemäß oft eher kontraproduktiv. „Das beste Beispiel aus der Prignitz ist der Versuch einer Vergrämung am Awo-Seniorenheim in Wittenberge.“ Ein Erfolg stellte sich laut Pankow nur kurzfristig ein, bis sich die Saatkrähen auf die neuen Umstände eingestellt hatten. „Der Brutbestand war mit 200 Paaren nach zwei Jahren wieder auf dem gleichen Stand wie zuvor und nahm danach sogar deutlich zu“, führt der Mitarbeiter der Kreisverwaltung aus. Als Nebeneffekt haben sich innerhalb von Wittenberge und Umgebung viele neue Teilkolonien gebildet, sogar in Perleberg und in Bad Wilsnack.

„Saatkrähen reagieren auf Störungen mit einer gesteigerten Reproduktionsrate und der Bildung neuer Teilkolonien.“ Aus Sicht der Behörde sollten Vergrämungsmaßnahmen daher besser unterlassen werden, vor allem aber im Bereich des Friedhofs Pritzwalk. Zu 95 Prozent befindet sich der Brutbestand im Friedhofspark, der Rest mit vielen Einzelnestern verteilt sich auf dem Friedhof. „Eine Umsiedlung von Saatkrähen ist praktisch kaum möglich.“ Es bestünde die Gefahr, dass sich über die Stadt verteilt und darüber hinaus viele neue Teilkolonien bilden, wie in Wittenberge.

Von Beate Vogel

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