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Prignitz Das Konzert der Kraniche im Moor
Lokales Prignitz Das Konzert der Kraniche im Moor
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00:30 15.03.2018
Kraniche im Flug. Quelle: Anke Hofmeister (BUND)
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Rambow

Es sind nur ein paar Schritte den Hügel hinunter, und hinter dem malerischen Prignitz-Dörfchen Rambow öffnet sich der Blick in eine weite Ebene. Eine kilometerlange Senke, in deren Mitte man Schilf und flache Gewässer erahnt. Der BUND hat am frühen Freitagabend zur Kranichbeobachtung eingeladen und eine Gruppe von 15 Personen zieht plaudernd die kurze Strecke vom Dorf in die Tiefebene des Moores hinab.

„Diesen Weg können wir links runtergehen“, leitet der BUND-Mitarbeiter Heiko Bölk die Gruppe die letzten Meter zu einem Aussichtsplatz in der Niederung. Die Gespräche werden abrupt leiser, Ferngläser werden scharf gestellt, Fotoapparate gezückt. Die Blicke der naturinteressierten Besucher durchstreifen die Weite, doch bislang sind nur wenige Vögel in großer Distanz auszumachen. „Durch das schöne Wetter ist es heute länger hell“, bemerkt der BUND-Führer Bölk, „die Kraniche kommen erst später zu ihrem Rastplatz“.

Die Kranichbeobachter brauchen Geduld, die scheuen Tiere kommen größtenteils erst nach Sonnenuntergang Quelle: Fariba Nilchian

Die eleganten Vögel faszinieren die Menschen seit jeher, nicht nur durch ihre Schönheit und ihre erstaunlichen Formationsflüge, ihre Rufe läuten im Herbst den Beginn des Winters ein und verkünden im zeitigen Frühjahr sein baldiges Ende. Die lauten Vogelschwärme lenken den Blick unvermittelt in den Himmel – eine Atempause für die Wahrnehmung der Natur.

Von Februar bis April kehren die Kraniche aus den Winterquartieren in Spanien und Frankreich nach Nordeuropa an ihre Brutplätze zurück. Das Rambower Moor bietet ihnen gute Bedingungen für die Rast und auch für die Brut. In den flachen Gewässern finden sie Schutz vor Feinden, und der Tisch ist reich gedeckt für die grauen Allesfresser. Zwischen Maiskorn und Kleinsäuger sind sie nicht besonders wählerisch.

Heiko Bölk leitete die Kranichbeobachtung des BUND im Rambower Moor. Quelle: Fariba Nilchian

In der Zugphase reisen die Vögel in Gruppen von bis zu 50 Tieren, die sich an den nächtlichen Schlaf­plätzen dann wiederum mit anderen Verbänden zusammenschließen. Während der Rast bietet die Gruppe den Vögeln Schutz vor Feinden – je größer desto besser.

In der Brutphase suchen sie das genaue Gegenteil. Einzelne Paare verteidigen dann ihre oftmals über zehn Hektar großen Reviere. Im Rambower Moor kommen im März bis zu 1500 Kraniche zur nächtlichen Rast zusammen. Zur Brut verteilen sich wenig später nur noch etwa zehn Vogelpaare auf das 450 Hektar große Areal.

Einbruchsenke zwischen Rambow und Lenzen

Das Rambower Moor ist eine landschaftliche Besonderheit in der Prignitz. Durch eiszeitliche Auswaschungen ist die sogenannte Gorleben-Rambower Salzstruktur mit unterirdischen Hohlräumen entstanden. Eine geologische Formation, die sich von der Prignitz bis ins benachbarte Wendland zieht, wo ihre Salzstöcke als Endlager für Atommüll dienen sollten. Auf der nördlichen Seite der Elbe hat sich eine zehn Kilometer lange Einbruchsenke zwischen Rambow und Lenzen gebildet, die bis zu einem Kilometer breit ist. Die Randhänge sind bewaldet, die Talrinne ist zu einem großen Teil vermoort und es haben sich einzelne Seen gebildet.

Die ehemals trockengelegten fruchtbaren Böden wurden Anfang der 2000er Jahre aufwendig wiedervernässt und renaturiert. Ein ganz besonderer Lebensraum, an dem sich seltene Tier- und Pflanzenarten angesiedelt haben.

In Skandinavien nimmt die Fluchtdistanz der Vögel ab

Die Besuchergruppe hat sich im Sichtschutz einer Birkenreihe mit ihren Ferngläsern positioniert. Die Fluchtdistanz der scheuen Tiere hängt stark von ihrem Aufenthaltsort ab. „In den Ebenen der spanischen Extremadura fliegen sie schon auf, wenn Beobachter sich auf tausend Meter nähern“, erklärt der Vogelführer Heiko Bölk, „in Skandinavien geht die Fluchtdistanz bis auf hundert Meter runter“. „Die mögen wohl kein Spanisch“, wirft einer der Zuhörer ganz leise ein, obwohl die Stille nun schon immer öfter vom Trompeten einziehender Kraniche durchbrochen wird.

Als die Sonne an dem milden Abend hinter dem Rambower Moor verschwindet, schwellen die einzelnen Vogelrufe innerhalb weniger Minuten zu einem gigantischen Konzert an. Ein tausendstimmiger Chor, der aus allen Richtungen in verschiedenen Lautstärken und Stimmen erklingt. Die Vogelbeobachter scheinen kaum noch zu wissen, wohin sie ihre Ferngläser und Fotoapparate zuerst richten sollen. „Das ist eine ganz magische Stimmung“, beschreibt Ursula Suherman den Moment, „ein wunderbares Naturschauspiel“. Und prompt schwillt das Konzert mit einer neuen Stimme an. Eine große Gruppe Wildgänse verkündet trötend ihren Einflug ins Moor.

Naturspektakel der Glücksboten der Lüfte

Die Dunkelheit legt sich über die große Senke des Rambower Moores und verstärkt die akustischen ­Eindrücke. Allmählich lassen sich die Vögel zur Nachtruhe nieder, „aber so richtig ruhig wird es hier auch nachts nicht“, weiß Heiko Bölk zu berichten, „da hat immer noch einer was zu erzählen“. Und so wird es vermutlich auch den Besuchern ergangen sein, die erst im Schein einer Taschenlampe die tönende Senke des Moores wieder verließen.

Fröstelnd aber erfüllt kehrten sie zum Dorf zurück, erfüllt von dem einzigartigen Naturspektakel der Glücksboten der Lüfte.

Der Graukranich - nicht mehr vom Aussterben bedroht

Grus Grus (lateinisch), der in Europa beheimatete Graukranich, hat eine Spannweite von 220 Zentimetern, diese wird in unseren Breitengraden sonst nur von Seeadlern oder Schwänen erreicht. Die charakteristischen Trompetenrufe der Vögel kündigen das Kommen der Schwärme oft schon an, bevor sie zu sehen sind.

Der Bestand der majestätischen Vögel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen gut erholt – nicht immer zur Freude der Landwirte.

85 Prozent des deutschen Bestandes brüten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Seit einigen Jahren werden immer mehr Kraniche beobachtet, die auch den Winter in Deutschland verbringen. In Groß Mohrdorf (Mecklenburg-Vorpommern) betreibt der Nabu ein Kranichzentrum und eine Beobachtungsstation.

Nach dem Winter kündigt das Erscheinen des Kranichs das Ende der kalten Jahreszeit an. Aus diesem Grund soll der Vogel in Schweden seinen Namen „Vogel des Glücks“ bekommen haben. In China gilt er als göttlicher Bote, und schon die alten Ägypter haben ihn auf Grabplatten verewigt.

Von Fariba Nilchian

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