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Kreisstadt seit 200 Jahren

Perleberg Kreisstadt seit 200 Jahren

Perleberg ist seit 200 Jahren Kreisstadt – das ist dieses Jahr bereits gefeiert worden und wird auch im Regionalmuseum immer wieder thematisiert. Anlässlich des Museumstages hielt der frühere Museumsleiter Günther Seier einen Vortrag zum Kreis Perleberg, wie er nach der politischen Wende von 1989 entstand.

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Günther Seier erinnerte in einem Vortrag an die Wendezeit.

Quelle: Jens Wegner

Perleberg. Anlässlich des 40. Internationalen Museumstags luden am Sonntag deutschlandweit Museen zu Veranstaltungen ein, so auch das Stadt- und Regionalmuseum Perleberg. Im Fokus stand Perleberg als Kreisstadt – vor 200 Jahren bekam die Rolandstadt den Status erstmals verliehen.

Am Vormittag gab es dazu eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem Zeitzeugen Günther Seier. Perlebergs Vizebürgermeisterin Ute Brüggemann begrüßte zunächst die Gäste. „Jedes Museum hat heute die Möglichkeit, die Vielfältigkeit seiner Arbeit zu zeigen”, sagte sie. Am 1. April sei das Jubiläum 200 Jahre Kreisstadt Perleberg mit einem Festakt gefeiert worden. „Wir dachten uns, das ist heute ein sehr guter Anlass, dies fortzuführen”, sagte Museumsleiter Frank Riedel und stellte den Referenten vor: Günther Seier wurde 1950 geboren. Er studierte Museologie. 1980 kam er nach Perleberg. Lange leitete er das Museum und hinterließ Spuren. Seit 2012 ist er im Ruhestand.

Spannungen zur Wendezeit

Seier war von 1990 bis 1993 der erste Kreistagspräsident des Kreises Perleberg nach der politischen Wende im Jahr 1989. Als Zeitzeuge berichtete er von den Geschehnissen dieser Zeit. Zunächst gewährte er den Besuchern einen Einblick in für ihn wichtige persönliche Erinnerungen. 1984 war Stefan Hermlin zu Gast im Museum, erinnerte er sich. „Er galt als Edel-Kommunist, der seine eigene Meinung hatte und sich auch mal gegen die Oberen äußerte. Wir hatten an dem Tag 135 Besucher.” Während Hermlin redete, habe man viele flüstern hören: „Unerhört!” und „Darf der das sagen?” Ein Jahr vor der Wende durfte Seier nach Westdeutschland reisen: „Mit dem Zug habe ich die Grenze überquert. Als die Kontrolleure durch den Zug gingen, kam ich mir vor wie eine Junge in der Schule, der sich möglichst unauffällig verhält, weil er etwas zu verbergen hat.

Diese Situation war eine wichtige Erfahrung. Ich konnte ermessen, was Freiheit bedeutet.” Seier berichtete aus der Zeit von 1990, nach den ersten freien Wahlen in der DDR. In einer Beamer-Präsentation zeigte er Dokumente wie das Protokoll der ersten Tagung des neu gewählten Kreistags. Rainer Neumann wurde als erster Landrat des Kreises Perleberg gewählt. Er berichtete vom „Runden Tisch”, der damals sehr wichtig war und zeigte einen Überblick über die Ämter, die besetzt werden mussten.

Alleingelassener Landstrich

Zeitungsberichte aus dieser Zeit verdeutlichten, dass es in der Gesellschaft nicht mehr rund lief. „Ganz entscheidend war damals die Neugliederung der Ländergrenzen. Eine Bürgerumfrage ergab ein eindeutiges Votum der Perleberger, für das Land Brandenburg”, sagte er. „Die Lenzener Ecke gehörte zum Kreis Ludwigslust und somit zu Schwerin und Mecklenburg-Vorpommern. Den Potsdamern mussten wir mächtig auf die Füße treten. Sie haben sich nicht um uns gekümmert. Unser Ziel war die Herstellung des alten Landkreises Westprignitz, zu dem auch Havelberg gehörte”, sagte er. Der Name Westprignitz habe aber beim Kreistag keinen Anklang gefunden. So blieb es beim Kreis Perleberg. Besonders in Erinnerung sei ihm der Festakt der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 im Hotel Stadt Berlin geblieben. „Das Singen der Nationalhymne war für mich das Bewegendste in dieser Zeit”, konstatierte er.

Am Sonntagnachmittag führte dann Museumsleiter Frank Riedel durch die von der Berliner Kuratorin Syliva Müller-Pfeifruck konzipierte Wanderausstellung über den Totenkronenbrauch in Brandenburg, ergänzt um herausragende Exponate aus dem Bestand des Stadt- und Regionalmuseums Perleberg, aus altmärkischen und Prignitzer Kirchen.

Der vom Internationalen Museumsrat (ICOM) jährlich im Mai weltweit ausgerufene Tag macht auf die Bedeutung und Vielfalt der Museumslandschaft aufmerksam. In Deutschland wird dieser Tag maßgeblich von den Sparkassen und ihren Stiftungen unterstützt.

Von Jens Wegner

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