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Kreuze gegen Massentierhaltung

Umstrittene Aktion in Lübzow bei Perleberg Kreuze gegen Massentierhaltung

Eine Bürgerinitiative in dem Perleberger Ortsteil Lübzow hat rosafarbene Kreuze gegen Massentierhaltung aufgestellt. Ein Plakat vor der Kirche wurde wieder abgebaut, weil es die Gemüter zu sehr erregt hatte.

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Am Mittwochabend wurde das Plakat vor der Kirche wieder abgebaut.

Quelle: Foto: Michael Beeskow

Lübzow. Vor der Kirche in Lübzow hatten sich am Mittwochabend mehrere Einwohner versammelt, während der Gemeindekirchenrat im Gotteshaus über ein aufwühlendes Thema diskutierte: Darf das Plakat mit der Aufschrift „Keine weitere Tierfabrik in der Lübzower Schweiz“ weiter vor dem Gebäude stehen oder muss es abgebaut werden. Für die Gruppe, die sich versammelte, konnte es nur einen Weg geben: „Das muss weg.“

Seit einem Jahr wehrt sich die Bürgerinitiative „Keine weitere Tierfabrik in den Lübzower Schweiz“ gegen die Errichtung neuer Ställe auf dem Landwirtschaftsbetrieb der Familie Bernd Cord-Kruse. Rund 4600 Schweine sollen hinzukommen, insgesamt wären es dann über 10 000 Tiere.

Doch das ist nicht das Thema, über das sich die Gemüter in der Gruppe erhitzen. Alle sind sich in der Runde einig, hier wird eine Familie angegriffen und das Dorf von der BI gespalten. Bernd Cord-Kruse spricht selbst davon: „Das geht zu weit. Hier wird meine Familie angegriffen.“ Seine Frau wehrt sich gegen die Bezeichnung Tierfabrik. „Wir sind ein Familienbetrieb. Unsere Kinder trauen sich kaum noch ins Dorf.“ Dabei weist sie auf das Plakat vor der Kirche. Mit dem Thema Massentierhaltung hat die Runde kein Problem. „Wenn ich sieben Hühner auf engsten Raum halte, dann ist das auch Massentierhaltung“, erklärt eine Frau. Die Schweine bei Cord-Kruse hätten es gut, und durch die neuen Ställe werde es ihnen noch besser gehen.

Am Abend, als sich schon alle zerstreut hatten, wurde dann doch das umstrittene Plakat abgebaut. Pfarrer Hans-Dieter Harnack sagte dazu gestern auf Nachfrage: „Der Gemeindekirchenrat hat über die Aufstellung des Plakats beraten. Mehrheitlich wurde beschlossen, es wieder abzubauen, weil es die Gemüter zu sehr erregt.“ Das Plakat sei aber keineswegs illegal dorthin gekommen, merkte Hans-Dieter Harnack an. Mehr gebe es dazu nicht zu sagen.

Seit dem Wochenende war in Lübzow nicht nur das umstrittene Plakat zu sehen; auf einem Dutzend Grundstücke stehen rosafarbene Kreuze als Zeichen gegen Massentierhaltung, ähnlich den gelben Kreuzen der Atomkraftgegner. Frank Edenharter von der BI erklärt die Aktion mit dem Volksbegehren gegen „Massentierhaltung“ in Brandenburg. „Wir wollen mit unserer Aktion auf das Volksbegehren aufmerksam machen und es unterstützen.“ Die BI ruft auf, sich in die in den Ordnungsämtern ausliegenden Listen einzutragen oder sich den Unterschriftenbogen nach Hause schicken zu lassen.

Den Vorwurf, mit der Aktion werde Mobbing gegen eine Familie im Dorf betrieben, betrachtet die BI als an den Haaren herbeigezogen und weist ihn entschieden zurück. Die etwas mehr als zehn Mitglieder der BI finden es immer wieder ärgerlich, wenn ihnen unterstellt wird, sie seien generell gegen Tierhaltung und gegen Schweinemast. In Lübzow habe es schon immer Schweinezucht gegeben und damit haben sie auch leben können. Aber mit einer Tierfabrik von über 10 000 Schweinen wollen sie nicht leben.

Dem Landwirt Bernd Cord-Kruse werfen sie vor, die Auswirkungen auf die Umwelt schönzureden. Sie fürchten sich vor MSRA-Keimen, den anfallenden Güllemengen und Schäden für die Natur. Die Zufahrt für die zunehmenden Transportfahrten sei nicht geklärt. „Jetzt schicken sie ihre Kinder vor,“ meinte ein BI-Mitglied. „Aber sie denken nicht an die Zukunft aller Kinder im Dorf.“

Noch ist nicht entschieden, ob die neuen Ställe überhaupt gebaut werden dürfen. Das Genehmigungsverfahren läuft. Der Landwirtschaftsexperte Eckehard Niemann vom bundesweiten Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ zweifelt die Flächenangaben von Bernd Cord-Kruse ganz entschieden an. Damit der Landwirt ohne Bauleitplanung seine Ställe errichten darf, benötigt er die Einstufung als gewerblich privilegierter Betrieb. Voraussetzung für die Privilegierung ist, dass der Landwirtschaftsbetrieb 50 Prozent des für seine Tiere benötigten Futters selbst anbauen kann. Eckehard Niemann sieht hier einen generellen Klärungsbedarf. Die Genehmigungsbehörden – das Landesumweltamt – gehe mit den Flächenangaben recht lax um. Oft werden die Flächen gleich für verschiedene Privilegierungen herangezogen. Der Landwirt habe auch eine Biogasanlage und weitere Ställe in Hohenvier. Eckehard Niemann geht davon aus, dass letztlich vor Gericht die Flächenberechnung für eine Privilegierung geklärt werden muss. Die Entscheidung hätte dann bundesweite Bedeutung.

Von Michael Beeskow

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