Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Kritik am Windkraftausbau bleibt

Meyenburg/Gerdshagen Kritik am Windkraftausbau bleibt

Auch mit dem zweiten Entwurf für den Regionalplan „Freiraum und Windenergie“ sind die Meyenburger nicht glücklich. Zwar fällt das Eignungsgebiet Nummer 2 im Norden weg, dafür kommt das Gebiet 43 Richtung Frehne neu hinzu. Bei Schmolde werde gar ein Kranichbrutplatz tangiert. Auch Gerdshagen diskutierte den Entwurf.

Voriger Artikel
Forstbetriebsgemeinschaft feiert ihr 25-Jähriges
Nächster Artikel
Nach Unfall droht der Bus umzukippen

Um die 200 Meter hoch sind moderne Windkraftanlagen.

Quelle: DPA

Meyenburg/Gerdshagen. So richtig glücklich sind die Meyenburger auch mit dem 2. Entwurf für den Regionalplan „Freiraum und Windenergie“ nicht. Die Unterlagen liegen derzeit in den Kreisverwaltungen aus (die MAZ berichtete). Nach den Änderungen sind für Meyenburg noch zwei Eignungsgebiete ausgewiesen: Nummer 6 „Halenbeck-Schmolde-Warnsdorf“ und Nummer 43 „Bergsoll-Frehne“. Während die Fläche nahe dem Meyenburger Ortsteil Schmolde gegenüber dem ersten Planentwurf verkleinert wurde, ist das Gebiet Nummer 43 neu. Allerdings fällt dafür die heftig diskutierte Fläche Nummer 2 im Norden der Stadt weg. Grundsätzlich gab es aber dennoch Kritik im städtischen Bauausschuss.

Das Eignungsgebiet Nummer 2 war laut Bauamtsleiterin Uta Nebert von den Beteiligten abgelehnt worden, „weil ein Großteil der Fläche im Waldgebiet lag“. Daran, dass Windräder auch im Wald aufgestellt werden dürfen, habe sich grundsätzlich nichts geändert. „Hier gab es aber so viele naturschutzrechtliche Bedenken, dass die Fläche herausgenommen wurde“, erklärte Nebert. Unter anderem sei das ein Rastgebiet des seltenen Goldregenpfeifers.

Kranichbrutplatz wird überlagert

Das 443 Hektar große Gebiet Nummer 6 verteilt sich auf die Gemarkungen der Gemeinde Halenbeck-Rohlsdorf und eben Schmolde. Chris Krassowski (UWG/FDP/SPD) monierte, dass das neue Gebiet einen Kranichbrutplatz überlagert. „Ursprünglich waren dort 500 Meter Abstand vorgesehen, jetzt sagt man, man will Ersatz schaffen“, erklärte Nebert. Wobei sie und die Bauausschussmitglieder sich einig waren, dass man erst einmal abwarten müsse, ob die Kraniche den Ausweichplatz überhaupt annehmen.

Als Abstand zur Wohnbebauung sind 1000 Meter zu Schmolde, Halenbeck und Freyenstein ausgewiesen. 750 Meter werden bei bestehenden Anlagen für Halenbeck, Warnsdorf und Einzelgebäude toleriert. „Wobei die Anlagen bei unter 1000 Metern Abstand höchstens 150 Meter hoch sein dürfen“, so Nebert. Moderne Anlagen sind heute oft 200 Meter hoch. Diese Höhenbegrenzung können Kommunen über ein Planverfahren auch ändern.

Für das Eignungsgebiet Nummer 43, das in den Gemarkungen Meyenburgs und der Gemeinde Marienfließ liegt, decken sich laut Nebert die Flächen mit denen, die die Stadt im Flächennutzungsplan ausgewiesen hat. „Das ist von Vorteil, da sich sonst die Kommunen der höherrangigen Planung unterordnen müssen.“ Die neue Ausweisung ist mit 280 Hektar um 120 Hektar kleiner als die ursprüngliche. Kritikpunkt der Meyenburger war im ersten Entwurf auch, dass die Abstandsregelungen nicht auf bestehenden Anlagen angewandt wurden. „Das ist nun geändert worden“, sagte Bauamtsleiterin Nebert.

Gerdshagen ist „wahrnehmbar vorbelastet“

Generell monieren die Meyenburger, dass die Strompreise in der Erzeugerregion höher sind als in Gebieten, in denen weniger Windstrom produziert wird. Jörg Stephan (Meyenburger Wählergemeinschaft) verwies auf einen Zeitungsartikel, wonach überflüssiger Ökostrom die Brandenburger 34 Millionen Euro im Jahr koste (MAZ vom 14. Juni). Der Ausschussvorsitzende Jens Seidenkranz (MWG) plädiert eher für Repowering als für neue Windräder. Und Anke Nickold (MWG) verwies darauf, dass sich viele Bürger gegen einen weiteren Ausbau der Windenergie seien: „Dem sollte wir in unserer Stellungnahme entsprechen.“ Diese Empfehlung geht an die Stadtverordneten, die am 28. Juni tagen.

Auch die Gemeindevertretung Gerdshagen befasste sich vergangene Woche mit dem Regionalplanentwurf „Freiraum Windenergie“. Weil die Kommune keinen Flächennutzungsplan hat, haben in den vergangenen Jahren Investoren rings um Gerdshagen fleißig gebaut. Die Fläche ist „wahrnehmbar vorbelastet“, wie es in der Bewertung heißt. 24 Anlagen stehen bereits im und am 210 Hektar großen Gebiet Nummer 5 „Falkenhagen-Gerdshagen-Rapshagen“, teilweise mit nur 750 Metern Abstand zu Wohnhäusern in Gerdshagen, Giesenhagen, Rapsagen und Falkenhagen (Pritzwalk). Dem Gelände wird ein sehr gutes Windpotenzial bescheinigt.

Windkraftanlagen zwischen Gerdshagen und Rapshagen

Windkraftanlagen zwischen Gerdshagen und Rapshagen.

Quelle: Beate Vogel

Nun wurde das Gebiet verkleinert. Viel Platz für Neues ist da nicht. Südöstlich liegt das neue Gebiet Nummer 45 „Falkenhagen-Rapshagen“ Auch dort stehen bereits zwölf Anlagen. Es liegt in nur 1,2 Kilometern Entfernung zum Gebiet 5, obwohl zwischen den Parks 5 Kilometer Abstand gefordert sind. Möglich wäre hier der Neubau nur entlang der A 24 Richtung Kuckuck.

Mit dem aktuellen Entwurf erfülle die Regionale Planungsgemeinschaft nicht die Vorgaben der Energiestrategie 2030, so die Bauamtsleiterin. So liegen die ausgewiesenen Windeignungsflächen bei 1,5 Prozent der Gesamtfläche. Im ersten Entwurf waren es 1,8 Prozent. Gefordert sind jedoch 2 Prozent. „Wobei die Mitglieder der Planungsgemeinschaft klar gesagt haben, dass in ihrem Gebiet etliche Flächen gar nicht erst zur Verfügung stehen, weil es naturschutzrechtliche Bedenken gibt, zum Beispiel die Lenzener Elbtalaue oder eine große Fläche im Landkreis Oberhavel.“

Bis zum 31. Juli können die Kommunen sich zum neuen Entwurf äußern. Infos und Details gibt es unter anderem über www.prignitz-oberhavel.de, Stichwort Regionalplan „Freiraum und Windenergie“.

Von Beate Vogel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg