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Kritik an der Pflegeausbildung

Pritzwalk Kritik an der Pflegeausbildung

Deutliche Kritik äußerten am Mittwoch die Leiterin der KMG-Altenpflegeschule in Pritzwalk, Karina Sturm, und einige Lehrlinge an den Ausbildungsbedingungen für Pflegeberufe. Oft würden die Azubis wie Vollkräfte eingesetzt – aus Personalmangel. Sie wünschen sich mehr Praxisanleiter. Dennoch sind sie von ihrer Berufswahl überzeugt.

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Trotzdem gute Stimmung: Almuth Hartwig-Tiedt (M.) und Karina Sturm (5.v.r.) in der Altenpflegeschule.

Quelle: Beate Vogel

Pritzwalk. Eines sei vorweg gesagt: Die Schüler der Altenpflegeschule der Klinik Management Gesellschaft (KMG) in Pritzwalk lieben, was sie tun. Sonst würden sie die fordernden Berufe in der Alten- und Krankenpflege nicht erlernen. Dennoch sprachen sie am Montag mehr als deutlich Probleme an, die es in der Branche und speziell in der Ausbildung gibt. Zu Gast war Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt, die im Rahmen der Pflegepolitischen Tour des Ministeriums für Arbeit Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie drei Stationen im Landkreis Prignitz besuchte. Begleitet wurde sie von Landrat Torsten Uhe.

Grundproblem ist der Personalmangel, führten Schulleiterin Karina Sturm und die Auszubildenden aus. Das beginne bei den Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz: „In den 1980er Jahren hatten wir rund 500 Bewerber für einen Jahrgang, heute sind es 150“, sagte Sturm. „Ein großer Teil von ihnen bringt leider die Vorausstetzungen nicht mit.“ Die Kapazität der Schule liegt bei 100 Plätzen. Zum Glück gebe es ältere, engagierte Bewerber, die eine Ausbildung über den zweiten Bildungsweg beginnen. Sturm kritisierte, dass es keine klare Zuordnung bei der Ausbildung gebe: „Es gibt mehrere Zuständigkeiten.“ So sitze ein Landesamt in Cottbus, ein anderes in Wünsdorf. Das Studium für die Lehrerausbildung werde in Senftenberg vermittelt. Unterschiede in den Prüfungsmodalitäten bei Alten- oder Krankenpflege führten aus ihrer Sicht zu Ungerechtigkeiten.

Mehr Praxistage für Lehrlinge gefordert

Seiteneinsteiger Michael Knop wollte eigentlich nicht unbedingt in die Altenpflege – wegen des schlechten Rufes, den der Beruf habe. Der 31-Jährige ist jetzt im zweiten Lehrjahr, die Vorurteile haben sich für ihn nicht bestätigt: „Der Umgang mit den Menschen macht mir Spaß.“ Er würde sich allerdings mehr Praxisanleitung wünschen, die aber wegen des Personalmangels auf den Stationen kaum möglich sei.

Das bestätigte auch Svenja Schlabach, angehende Krankenschwester im dritten Ausbildungsjahr: „Wir laufen fast in jeder Schicht als Vollkraft mit.“ Dabei fühlten sich die Lehrlinge noch nicht sicher genug. Auch sie wünscht sich mehr Praxistage. Die würden in ihrem Bereich leider oft von heute auf morgen abgesagt, weil die betreffenden Anleiter kurzfristig Dienste übernehmen müssen. „Die Azubis gehen mit hohen Ansprüchen an ihre Aufgaben heran, die sie dann aber kaum erfüllen können“, sagt Sturm. Das sei für die Lernenden unbefriedigend. Die Schulleiterin fordert unter anderem, dass extra Praxisanleiter über die Krankenkassen finanziert werden – und dass nicht wie jetzt Stationsschwestern oder Heimleiterinnen diese Aufgabe zusätzlich zu ihrer Arbeit übernehmen.

„Sie werden dringend gebraucht“, versicherte Staatssekretärin Hartwig-Tiedt den Lehrlingen. Sie nahm die Anregungen mit, um sie bei den nächsten Beratungen anzubringen. Die Staatssekretärin besuchte am Mittwoch außerdem den privaten Pflegedienst Förster in Hoppenrade und später das DRK-Bürgerhaus in Meyenburg.

Von Beate Vogel

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