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Künstliche DNS schreckt Einbrecher ab

37 Einbrüche in einem Wittenberger Gartenverein Künstliche DNS schreckt Einbrecher ab

Während in anderen Wittenberger Gartenvereinen 37 und 15 Mal an einem Wochenende eingebrochen wurde, haben die Kleingärtner im Verein Nord damit keine Probleme. Seit sie Sicherheitspartner der Polizei sind und ihr Eigentum mit künstlicher DNS sichern, bleiben die Langfinger fern. Der Kreisverband der Gartenfreunde möchte das Modell auf andere Vereine übertragen.

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Sicherheitspartner der Polizei: Kurt Kaiser (l.) und Klaus Kollhoff.

Quelle: Andreas König

Wittenberge. Es ist ein kleines Röhrchen mit einer milchig-trüben Flüssigkeit. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich dunkle Partikel, die metallischen Mohnkörnern ähneln. Das ist der Stoff, aus dem des Einbrechers Alpträume sind: Künstliche DNS, der Erbinformation nachempfundene Eiweißstrukturen, die sich eindeutig nachweisen, zuordnen und nachverfolgen lassen.

Klaus Kollhoff, der Vorsitzende des Wittenberger Kleingartenvereins Nord, schwört auf die Substanz. „Wir hatten im Jahr 2013 in einer Nacht 15 Einbrüche“, erzählt der Wittenberger. Zuvor schon war die Anlage, die sich in einem Dreieck zwischen Bentwischer Weg, Pappelweg und B 189 erstreckt, angegriffen worden. „Wir haben reagiert und eine Ordnungspartnerschaf mit der Polizei geschlossen“, sagt Jörg Swierczinski, Vorsitzender des Kreisverbandes der Gartenfreunde Prignitz. Gemeinsam mit den Kleingärtnern des Vereins Nord entschied man sich dafür, die künstliche DNS (oft auch nach der englischen Lesart DNA genannt) anzuschaffen. „Das Starterkit war zwar mit rund 300 Euro nicht gerade billig, aber wenn man es pro Mitglied rechnet, sind es gerade mal neun Euro“, sagt Klaus Kollhoff. Die Wirkung ist vor allen Dingen eine abschreckende. Schilder mit Fingerabdrucksymbol weisen daraufhin, dass der Nachweisstoff angebracht ist und sich Diebstahl nicht lohnt.

Die schon etwas fest gewordene Lösung mit künstlicher DNS

Die schon etwas fest gewordene Lösung mit künstlicher DNS. Unter UV-Licht leuchten die Mikrodots.

Quelle: Andreas König

Wie gut investiert dieses Geld gewesen wäre, mussten in letzter Zeit Kleingärtner in anderen Wittenberger Vereinen schmerzlich erfahren. Im Verein „Kiefernhain“ wurden 15 Lauben aufgebrochen, im Krahenstückenweg waren es gar 37 Einbrüche. „Wir verzeichnen immer gegen Ende der Gartensaison einen Anstieg bei den Laubeneinbrüchen“, sagt Toralf Reinhardt, Pressesprecher der Polizeidirektion Nord in Neuruppin. Auch wenn er einräumt, dass die Häufung in Wittenberge in den vergangenen Wochen auffällig ist, sieht die Polizei jedoch insgesamt einen Rückgang bei derartigen Delikten. Im Gebiet der Polizeiinspektion gab es von Januar bis Ende Oktober 2014 noch insgesamt 171 Diebstähle aus Gartenlauben. Im gleichen Zeitraum dieses Jahres waren es 72“, erklärt Toralf Reinhardt. Und auch im traditionell stark betroffenen Wittenberge zeichne sich dieser Trend ab. Die Zahl der angezeigten Laubeneinbrüche und Gartendiebstähle hat sich von 88 Fällen im Jahr 2014 nun knapp halbiert. In diesem Jahr wurden bisher 47 Fälle festgestellt.

„Aber es könnte noch mehr vorgebeugt werden“, sagt Polizeihauptkommissar Gerald Symossek. Er koordiniert die Präventionsabteilung in der Polizeidirektion Prignitz in Perleberg.

Polizeihauptkommissar Gerald Symossek koordiniert die Präventionsabteilung in der Polizeidirektion Prignitz in Perleberg

Polizeihauptkommissar Gerald Symossek koordiniert die Präventionsabteilung in der Polizeidirektion Prignitz in Perleberg.

Quelle: Andreas König

Die Aufklärungsquote bei Straften schwankt um die 57 Prozent, bei Garteneinbrüchen hingegen seien es nur zehn Prozent der Fälle, die aufgeklärt werden können. Seiner Einschätzung nach bietet die Kombination aus Sicherheitspartnerschaften und technischen Vorkehrungen wie der künstlichen DNS den besten Schutz. „Wir wollen auch weitere Vereine davon überzeugen“, sagt Gerald Symossek. Ein Kandidat dafür wäre der Pritz­walker Verein Bullenkamp. Gespräche dazu laufen bereits.

„Wir überlegen auch, wie wir unsere Mitgliedsvereine stärker für Sicherheitspartnerschaften und den Einsatz künstlicher DNS motivieren können“, sagt Kreis-Gartenfreunde-Chef Jörg Swierczinski. Zehn Sicherheitspartnerschaften gebe es derzeit zwischen Polizei und Kleingartenvereinen. Die Sicherheitspartner selbst müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, werden dann ernannt und mit Taschenlampe und Mobiltelefon ausgestattet. „Wenn wir unserer Streifentätigkeit beginnen, melden wir uns im Polizeirevier an und nachher wieder ab“, sagt Kurt Kaiser. Bisher verliefen die Streifen im Kleingartenverein meist ohne besondere Vorkommnisse. Einmal stand ein verdächtig anmutendes Fahrzeug auf dem Weg, doch es gehörte einem Gartenfreund des Nachbarvereins.

Nirgends lässt sich der Unterschied zwischen geschützten und ungeschützten Gärten besser beobachten als in Wittenberge Nord. Während die gleichnamige Anlage praktisch unbehelligt bleibt, wurde im Verein gegenüber mehrfach eingebrochen.

Von Andreas König

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