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Kunst erklärt im Zwiegespräch

Pritzwalk Kunst erklärt im Zwiegespräch

Teil zwei der Doppelausstellung „Dorfstecher Holz – Fischer Stoff“ in der Galerie der Kunstfreunde Pritzwalk läuft. Die Schau ist genauso sehenswert wie Teil eins. Wer bei der Vernissage dabei war, erhielt auf ziemlich ungewohnte und höchst unterhaltsame Art und Weise nähere Erläuterungen zur Stoffkunst des Berliners Ulrich Fischer.

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Ulrich Fischer (l.) und Thomas Thiessen im Zwiegespräch.

Quelle: Atzenroth

Pritzwalk. Es war eine neue Form, wie den Kunstinteressierten in Pritz­walk am vergangenen Freitag eine Ausstellung nahegebracht wurde. Im Zwiegespräch entlockte Kunstexperte Thomas Thiessen in der Galerie der Kunstfreunde Pritzwalk dem Berliner Künstler Ulrich Fischer viel über seine Bilder, aber auch über seinen Werdegang. Es war ein wirklicher Dialog, mit durchaus kritischen Nachfragen, aber vor allem erhellend, was die künstlerische Intention von Ulrich Fischer angeht. „Ich finde es einfach total abgefahren, was der Ulrich Fischer macht“, sagte Thomas Thiessen schließlich und verdeutlichte auch, dass diese Einschätzung kein Selbstgänger für ihn war.

Kommunikation mit dem Werkstoff

Es ist ja, wie bereits vielfach beschrieben, Teil zwei einer Doppelausstellung, die Ulrich Fischer gemeinsam mit der Holzkünstler Andreas Dorfstecher aus Rosenwinkel gestaltet. Ganz naheliegend schien das Thomas Thiessen auf den ersten Blick nicht zu finden. Und in der Tat: Wer zuvor den ersten Teil der Ausstellung, den der Holzkünstler Andreas Dorfstecher hauptsächlich gestaltet hat, mit dem zweiten Teil vergleicht, wird oberflächlich betrachtet nur die schiere Größe der Kunstwerke als auffällige Parallele wahrnehmen.

Dort ist tatsächlich mehr. Die Künstler treffen sich genau in diesem Punkt: Was hat mein Werkstoff zu erzählen, wie kann ich seine Oberflächenstruktur nutzen? Es war, wie Andreas Dorfstecher an diesem Abend noch einmal bestätigte, „der Grund warum Horst Kontak uns zusammengebracht hat“. Horst Kontak, der Vorsitzende der Kunstfreunde Pritzwalk, hat sich bemüht, die Vernissage für Teil zwei der Schau auch möglichst genauso zu gestalten wie für Teil eins. Wieder machte Peter Jekal Musik, und auch beim ersten Mal war Thomas Thiessen dabei.

Textilien aus aller Welt

Während Dorfstecher dem Alterungsprozess des Holzes selbst sein künstlerisches Interesse widmet, interessiert sich Ulrich Fischer für die gelebte Geschichte seiner Stoffe. Flecken, durchschimmernde Bilder, in diesem Falle überwiegend Kriegssituationen – zwei Monate hat Ulrich Fischer zum Beispiel an einem Kunstwerk gearbeitet, das nunmehr in der Galerie zu sehen ist. Fischer ist an der Geschichte interessiert, die ein Stoff transportiert, an seiner Patina, seinen Verletzungen. Diese benutzt er für seine Kunst. „Es muss etwas erzählen. Und wenn es das tut und es trifft mich, dann muss das in das Kunstwerk rein.“ Und so wirkt nicht nur die im Material vermittelte vergangene Zeit, sondern die aktuell erlebte Zeit bei der künstlerischen Umsetzung.

Ulrich Fischer verwendet Textilien aus aller Welt, insbesondere aber aus Ostasien. Dafür gibt es einen sehr praktischen Grund: „Japaner haben ein anders Verhältnis zum Stoff, sie bewahren mehr auf.“ Vier japanische Flaggen aus dem Zweiten Weltkrieg verwendete Fischer für eins seiner Bilder. Über einer dieser Flaggen liegt ein Tuch, das einmal zum Saftpressen genutzt worden war.

Erwartungen hochgeschraubt

Die Stoffe sind bis zu 160 Jahre alt. „Bügeln muss ich auch manchmal. Die ganzen Arbeiten werden gespannt und dann genäht.“ Das Spannen von Stoff wirke so, als wenn dieser geliftet werde. Die Spannung legt Strukturen frei, die sonst nicht ohne weiteres sichtbar sind. Ein künstlerisches Konzept, das auch Thiessen dann wohl überzeugend fand. Und ein Ausstellungskonzept, das mit seinem Anspruch die Erwartung für Künftiges hochschraubt: „Du hast die Messlatte ganz schön hoch gelegt mit dieser Ausstellung“, sagte Thiessen zu Horst Kontak. Dem ist aber mittlerweile zuzutrauen, dieses Niveau auch bei künftigen Projekten halten zu können – für Pritzwalk und die Prignitz kann das nur gut sein.

Service: Die Ausstellung ist bis zum 29. Oktober donnerstags bis sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr zu besichtigen.

Von Bernd Atzenroth

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