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Prignitz Kyritzer „Sterntaler“ fürs Obdachlosenquartier
Lokales Prignitz Kyritzer „Sterntaler“ fürs Obdachlosenquartier
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00:18 30.12.2017
Mit brauchbaren Möbeln konnte das Obdachlosenquartier in Groß Pankow dank Spenden bereits ausgestattet werden. Doch es fehlt noch an anderen Dingen. Quelle: Alexander Beckmann
Groß Pankow

Viel los sei ja im Dorf nicht gerade, merkt einer der Bewohner des Hauses am Rande von Groß Pankow an. „Wenn um sechs der Dorfladen zumacht, klappen sie hier die Gehwege hoch.“ Aber er fühle sich wohl hier.

Große Sprünge sind für ihn und seine Hausgenossen sowieso nicht drin. Die ehemalige Tischlerei dient seit Jahren als Obdachlosenquartier. Für den Betrieb hat sich die Mehrzahl der Kommunen des Landkreises Prignitz (darunter die Gemeinde Gumtow) zusammengetan. Auch die Stadt Kyritz ist mit von der Partie. „Die Unterbringung von Obdachlosen ist eine kommunale Pflichtaufgabe“, erklärt Dietra Schwarz von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Prignitz, die das Quartier im Auftrag der Kommunen managt.

Einfach, aber nicht mehr uralt

Das einstige Wohnhaus in Groß Pankow macht grundsätzlich einen soliden Eindruck, auch wenn seine besten Jahre schon ein bisschen her sind. „Die Unterkunft ist wirklich aufs Minimum ausgerichtet“, sagt die Obdachlosenbetreuerin. „Jeder hat ein Bett, einen Stuhl und einen Kleiderschrank.“ Immerhin handle es sich dabei inzwischen nicht mehr um altes Inventar der DDR-Volksarmee. Im vergangenen Jahr finanzierte die „Aktion Mensch“ neue Möbel. „Das war wirklich ein Segen.“ Küche und Bad werden gemeinschaftlich genutzt. Die meisten Zimmer sind mit zwei Betten ausgestattet. Das größte hat vier davon.

Das Obdachlosenquartier der AWO Prignitz in Groß Pankow wird von vielen Kommunenn des Landkreises Prignitz sowie von der Stadt Kyritz genutzt. Quelle: Alexander Beckmann

„Wir haben 13 Plätze“, berichtet Dietra Schwarz. „Davon sind momentan acht belegt.“ Auch über die Feiertage. Weihnachten war im Obdachlosenquartier eine ruhige Angelegenheit. Gespendete Beutel mit ein paar Leckereien sorgten für etwas festliche Stimmung.

Der Schuldenberg und die Sucht

Jeder ihrer Klienten habe seine ganz eigene Geschichte, sagt Dietra Schwarz. „Wir haben einen jungen Mann da, der schon ein Jahr lang ohne Wohnung gelebt hat und von Hilfsangeboten gar nichts wusste. Wir hatten Menschen, die aus dem Gefängnis kamen oder nach einer Trennung keine Bleibe mehr hatten.“ Andere verloren ihre Wohnung wegen Mietschulden. „Wir hatten in der Region 30 Wohnungsräumungen in diesem Jahr.“

Schulden seien so etwas wie ein gemeinsames Merkmal der Bewohner. „Die verfolgen die Leute, wohin sie auch gehen.“ Deshalb beschränke sich die Awo auch nicht auf die bloße Unterbringung der Menschen. Stets sei das von dem Versuch begleitet, sie mit der Schuldnerberatung in Kontakt zu bringen, aber auch mit dem sozialpsychiatrischen Dienst und medizinischer Betreuung. Denn Suchterkrankungen mit all ihren Folgen sind – von Ausnahmen abgesehen – eine weitere Gemeinsamkeit der Bewohner. Erfolge auf diesem Gebiet seien schwierig, weiß die Betreuerin. „Wir hatten einen Mann aus dem Kyritzer Bereich hier, der jetzt wirklich eine Entwöhnungsbehandlung in Angriff genommen hat.“

Teils jahrelanger Aufenthalt

Ziel sei es, die Bewohner wieder zu einem selbstständigen Leben hinzuführen oder sie in andere Wohnformen zu vermitteln. Das Obdachlosenquartier ist nur eine vorübergehende Lösung – die sich aber ganz schön hinziehen kann. „Du hast junge Leute hier, die nur sechs bis acht Wochen bleiben. Aber die Regel sind doch ein bis anderthalb Jahre – manchmal auch deutlich mehr“, berichtet Dietra Schwarz.

Und es sollen eben möglichst keine gänzlich verlorenen Jahre sein. Zwar verwalte das Betreuerteam auf Wunsch die bescheidenen Mittel der Bewohner, die es gar nicht schaffen, ihr Geld zusammenzuhalten, doch fürs Essen, fürs Waschen und die Hausarbeit seien sie selbst verantwortlich. „Wir müssen ja auch dahin kommen, dass sie so etwas selbstständig machen“, betont die Betreuerin.

Enge Grenzen – vor allem finanziell

Die Pflege des Grundstücks und die Gestaltung des Gartens könnten weitere Betätigungsfelder sein. Doch die Möglichkeiten sind eng begrenzt – vor allem finanziell. „Wir sind beim Rechnen immer am Minimum“, erklärt Dietra Schwarz. „Schön wäre ein neuer Rasenmäher oder wenn wir eine Sitzecke im Garten hätten.“ Drinnen fehle es oft am Platz, um sich mal ungestört zusammenzusetzen. Auch ordentliche Lampen in den Zimmern fehlen. Doch Anschaffungen seien schwierig. „Nicht verbrauchte Gelder gehen an die Kommunen zurück.“

Die Kyritzer Spendenaktion „Sterntaler“, die vor dem Weihnachtsfest für Bedürftige in der Region gesammelt hat, will nun Abhilfe schaffen. Gartenwerkzeug inklusive Rasenmäher und vielleicht auch neue Lampen für das Obdachlosenquartier sollten dank der Spendenbereitschaft aus dem Altkreis Kyritz noch machbar sein.

Von Alexander Beckmann

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