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Kyritzer amüsieren sich up Platt

Plattdeutsch-Treffen in Strohdehne Kyritzer amüsieren sich up Platt

Das Plattdeutsche wird in der Prignitz noch heute gepflegt. Vielfach wird es auch zu Hause gesprochen. Die Plattdeutsch-Treffen der Traditionsvereine sind oft für alle Beteiligten ein großes Fest. So auch jetzt in Strodehne, hier mit großer Abordnung aus Kyritz.

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Da staunten zwei nicht schlecht: Renate Schwuchow (76) und Justin (10) haben das gleiche Bilderbuch - allerdings aus ganz verschiedenen Jahrgängen.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Strodehne/Kyritz. Nich vejäten: Platt räden!“ Die Aufforderung stammt von Christa Grähn. Als sie vor einem Jahr 92-jährig starb, hinterließ die Mitbegründerin des Mundartzirkels in Großderschau ein Vermächtnis. Das zu erfüllen, ist auch ihre Nachfolgerin Helga Klein angetreten. Sie wird nicht müde, das Plattdeutsche im Gespräch zu halten und Gleichgesinnte aus der näheren Umgebung des Dorfes zusammen zu führen.

Dazu haben sich Treffen auf dem Kolonistenhof und auch die Winterfeste bestens bewährt. Letztere führten über viele Jahre Freunde der niederdeutschen Sprache nach Lindenberg, 2017 aber erstmals nach Holzhausen und am vergangenen Donnerstagnachmittag nun nach Strodehne. In der Gaststätte Heinrich fanden sich etwa 70 Frünn ein, um zu zeigen, dass die Mundart von Fritz Reuter und aus der Zeit der Hanse immer noch lebendig ist - und zwar generationsübergreifend.

Das ist nur ein Teil der Abordnung aus der Knatterstadt

Das ist nur ein Teil der Abordnung aus der Knatterstadt. Alle hatten an diesem Nachmittag ihren Spaß.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Die Jüngsten im Saal des altehrwürdigen Gasthauses sind gerade erst zur Schule gekommen, die Ältesten haben die 80 schon überschritten. Renate Schwuchow (76) aus Strodehne staunte nicht schlecht, als sie das von ihrer Großmutter stammende „Plattdüütsch Billerbauk“ von 1908 in gleicher Ausführung beim zehnjährigen Justin sah, ein Reprint des Hinsdorff-Verlages von 1981, das mittlerweile mehrere Nachauflagen erfahren hat. Im Nu kamen Jung und Alt ins Gespräch über „Dit und dat, för jeden wat“, was auch noch zum Buchtitel gehört.

Nach einem gemeinsamen Essen, das immer zu den Zusammenkünften im Winter gehört, folgten Lieder, Gedichte, Sketche und andere Vertellers. Mitgebracht hatten sie auch eine starke Abordnung aus Kyritz, angeführt von der Vorsitzenden des Freundeskreises der Plattdüütschen Gabriele Ellfeldt. Ebenfalls mit ins Haveldorf gekommen war Annemarie Ostermeier. Wenn sich eine der plattdeutschen Mundart verschrieben hat, dann ist sie das. Ihre Redebeiträge sind zumeist selbst ausgedacht - und immer originell.

Annemarie Ostermeier aus Kyritz überraschte mit einer Büttenrede, in der sie die Großmütter hochleben ließ

Annemarie Ostermeier aus Kyritz überraschte mit einer Büttenrede, in der sie die Großmütter hochleben ließ. Natürlich up Platt.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Hatte einer daran gedacht, dass Donnerstag Weiberfastnacht war und damit die närrische Saison begann? Sie ja. Also stieg die treue Seele des Freundeskreises in die Bütt (die man sich denken musste) und trug gekonnt ein Loblied auf alle Großmütter vor. Die von Versmaß, Wortwahl und Witz her perfekt sitzende Büttenrede endete in jeder Strophe mit der Feststellung „... mal ganz ehrlich: ist eine Oma unentbehrlich“, was die Runde blitzschnell als Chor aufnahm. Selbstverfasstes gab es ansonsten nur noch vom Geschwisterpaar Jasmin und Julian Jahns aus Putlitz, was zeigte: Platt kann auch Jugendliche begeistern.

An guter Stimmung fehlte es jedenfalls nicht. Es wurde geschunkelt, wenn die plattdeutsche Gruppe aus Havelberg sang, herzlich gelacht bei den Sketchen der Putlitzer um Ulla Berndt, mitgesungen bei Darbietungen der Kyritzer Sängerinnen und Sänger. Und natürlich bekamen André (7) und sein Bruder Justin (10) nach ihren Gedichten donnernden Applaus.

Für die unermüdliche Organisatorin Helga Klein aus Großderschau ist klar, dass die Tradition der Treffen weiter geht und es im kommenden Winter wieder ein solches Fest gibt. Bis dahin hat Gültigkeit, was sie von Christa Grähn übernommen, zu einem Aufsteller verarbeitet und bei jeder passenden Gelegenheit dabei hat: „Nich vejäten: Platt räden.“

Von Wolfgang Hörmann

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