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Prignitz Laien präsentieren Don-Quichotte-Aufführung
Lokales Prignitz Laien präsentieren Don-Quichotte-Aufführung
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00:17 20.07.2016
Don Quichotte (Benjamin Schaup) zieht ins Gefecht. Doch Don Pedro (Michael Rapke) überlebt wie auch alle anderen. Quelle: Michael Beeskow
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Klein Leppin, Syrische Flüchtlinge musizieren mit

Am Ende des Abends hatte das Ensemble das Publikum schwindelig gespielt. Die 100 Akteure hatten in gut drei Stunden aus dem Vollem ihres Könnens geschöpft, so dass es schwer fiel, noch den Überblick zu wahren, über all die wunderbaren Erlebnisse und künstlerischen Genüsse eines herrlichen Musikfestspiels.

Auf der Spur eines Idealisten

Dieser Don Quichotte de la Mancha ist schon ein zweifelhafter Bursche. Allein dieser lächerliche Kampf gegen Windmühlen. Noch bevor die Besucher im Klein Leppiner Festspielhaus den Merkwürdigen zu Gesicht bekommen, wissen sie schon alles über ihn. Er ist ein Ärgernis. Ja, man sollte ihn doch lieber aus dem Verkehr ziehen. Als die Rufer und Mahner mal eine Pause einlegen, erscheint der Verfemte. Natürlich nicht wie ein normaler Mensch in der Tür, sondern wie ein Wurm windet er sich durch eine Dachluke im Schweinestall und durch die dicht besetzen Zuschauerränge.

Beim Puppenspiel: Dämonen verfolgen die Liebenden. Quelle: Besko

Aber alsbald zieht das Premierenpublikum, und mit ihm prominente Gäste wie Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und Landrat Torsten Uhe, hinaus ins Freie, um dem Abenteurer Don Quichotte und seines getreuen Sancho Panza auf der Spur zu bleiben. Ein Jeder kann sich ein Bild machen von den skurrilen Siegen dieses Edelmannes etwa über eine Picknickgruppe. Groß tönend spricht er von seinem Schild, das der große Mambrin einst führte, das aber doch nur eine offenbar gestohlene Radkappe ist. Da ist einer schon ziemlich schräg drauf.

Unaufhörlich dreht sich das Karussell der wechselnden Bilder, Szenen und Spielorte. Kinder führen ein Puppenspiel auf, dazu musiziert frisch und souverän ein Kinderorchester. Don Quichotte greift in das Bühnengeschehen ein, als Ungeheuer die sich glücklich gefundenen Liebenden verderben wollen. Don Quichotte meint es ernst, wenn es um die Liebe geht, sie darf nicht verdorben werden.

Blindekuhspiel mit Don Quichotte (Jacob Ahles). Quelle: Beeskow

Darauf zieht die Besuchergesellschaft über die abendliche Wiese zu einem kleinen Wäldchen mit weiß eingedeckten Tischen. Sie folgen dem Gesang des bunten, voran schreitenden Chores.

Syrische Flüchtlinge, die im nahen Glöwen seit einigen Monaten wohnen, bewirten die Gäste wie auch Don Quichotte und seinen Knappen. Sie haben auch geholfen, das Festspiel vorzubreiten. Die verschiedenen Bühnen für das diesjährige Musiktheater in Klein Leppin haben sie hergestellt. Die Besucher erleben nun an diesem Rastplatz eine andere Kultur, essen das syrische Nationalgericht Humus und hören alte syrische Lieder. Bassam Bader, der jetzt in Wittenberge wohnt, singt. Azmat Lubbad spielt Qud (arabische Laute), begleitet von Drummer Saif Dihla. Beide kamen aus Malmö nach Klein Leppin.

Bassan Bader sang ein syrisches Lied über den Verlust der Heimat. Begleitet wurde er von Oud-Spieler Azmat Lubbad (l.) und Drummer Saif Dihla Quelle: Beeskow

Nach der Pause kehrt die Festspielgesellschaft mit ihren 100 Akteuren in den Saal, in den Schweinestall zurück. Das Schauspiel ist vorbei, es folgt Don Quichotte als Oper. Und es geht weiter mit der Fülle der schönen Bilder und Szenen. Herrlich der Einzug der Paare – ein buntes, frohes Volk. Benommen vom Lied der Freiheit lösen die Paare die zarten roten Bänder, die sie aneinander binden und lassen die Blicke nach neuen Partnern im Umkreis schweifen. In den Wallungen der Liebesgefühle narren die Akteure einander, oder werden zu Narren wie Don Quichotte. Beinahe erschütternd die Szene, als Sophia Körber als robuste Putze, mit einer Empörung alle Avancen Don Quizottes abschmettert. In dem Lachen über diese kalte Abfuhr steckt aber auch ein Funken Entsetzen über die absolute Gefühlsresistenz der Angesprochenen. Don Quichotte geht aber seinen Weg. Dem schönsten Liebreiz irdischer Verführungen widersteht er. Mehr als die Tatsächlichkeit der Liebe zählt für ihn die Sehnsucht überhaupt. Er bleibt seiner nie gesehenen Dulcinea von Toboso auf ewig treu. Und in diesem Sinne bleibt Don Quichotte dann doch Sieger.

Zauber des ehemaligen Schweinestalls

Mit tosendem Applaus bedankte sich das Publikum für diesen ungewöhnlichen Abend und für außergewöhnliche künstlerische Leistungen. Erwähnt seien nur die Schauspieler Benjamin Schaup (Don Quichotte) und David Jonathan Ford (Sancho Panza) sowie die Sänger Jakob Ahles (Don Quichotte), Gerald Beatty (Sancho Panza), Johanna Knauth (Altisidora), Birgit Bockler (Marcella) und Sophia Körber (Bauernmädchen).

Bewunderung verdienen Steffen Tast für die Musikalische Leitung wie auch Mira Ebert für eine so einfallsreiche, anschauliche Inszenierung. Am Erstaunlichsten war aber wohl die gesangliche und darstellerische Qualität des Chores. Besucher wie Darsteller agierten gleichsam im Zauber des zum Festspielort gewordenen Schweinestalles.

Von Michael Beeskow

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