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Prignitz Landesdenkmalpfleger staunten über Tuchfabrik
Lokales Prignitz Landesdenkmalpfleger staunten über Tuchfabrik
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00:17 02.07.2016
Turnhalle und Multifunktionsraum finden sich inzwischen hinter großen Scheiben im Zwischenbau. Quelle: Beate Vogel
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Pritzwalk

Als Zukunftsmodell bezeichnete am Mittwoch Thomas Drachenberg, Landeskonservator des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums in Zossen, die Pritzwalker Tuchfabrik: „Es ist ein Gebäude, das viele alte Geschichten erzählen kann und nun neue Geschichte erlebt.“ Drachenberg besuchte mit Franz Schopper, dem Direktor und Landesarchäologen des Landesamtes, die Prignitz. Gemeinsam mit dem Prignitzer Landrat Torsten Uhe, der Geschäftsbereichsleiterin Edelgard Schimko und Ortrud Effenberger vom kreislichen Denkmalamt ließen sie sich von den Pritz­walkern die Baustelle zeigen.

Wolfram Kreklow, stellvertretender Geschäftsführer der Gemeinnützigen Bildungsgesellschaft Pritz­walk (GBG), begleitete die kleine Delegation zunächst durch den Bildungsteil, zeigte die fertigen Schulungsräume, Büros und den Werkstattbereich. Im Juli wollen die Mitarbeiter einziehen. „Das ist eine gelungene Sache“, meinte er mit Blick auf die Bildergalerie im Flur der ersten Etage, die den Zustand des Gebäudes in der Vergangenheit zeigt.

Lösungen für knifflige Probleme gefunden

Nicht nur der Projektleiter Dietmar Sachs von der Stadtverwaltung Pritzwalk, auch die Denkmalschützerin Ortrud Effenberger kann sich noch gut daran erinnern, wie katastrophal der Zustand der ehemaligen Tuchfabrik war. „Teils mussten Etagenhöhen geändert werden, es gab auch Probleme mit dem Mauerwerk.“ Heute seien alle froh darüber, wie sich der älteste Teil des Komplexes inzwischen darstellt. Denkmalschutz und Stadt haben oft zusammengesessen, um für knifflige Probleme Lösungen zu finden: „Das war immer sehr zielorientiert“, so Effenberger.

Im Foyer des Bildungsteils erklärte Wolfram Kreklow den Besuchern alte und neue Elemente des Gebäudes. Quelle: Beate Vogel

Beispiel: In der oberen Etage, im Verwaltungsbereich der GBG, musste der Fußboden angehoben werden, was zur Folge hatte, dass die originalen Fensteröffnungen in Kniehöhe beginnen – viel zu tief. Die Lösung ist so einfach wie genial: Eine dicke Glasscheibe vor den Fensteröffnungen schützt vor dem Herausfallen und ist von außen kaum zu sehen. Die Fassade behält ihren Charakter.

Gekauft hatte die Stadt das Industriedenkmal für 180 000 Euro von der GBG, erinnerte sich Sachs. Inzwischen sind im so genannten Kopfbau 30 Wohnungen mit 60 bis 100 Quadratmetern Wohnfläche entstanden. „Es gibt so viele Bewerber dafür, wir fühlen uns fast wie in Zeiten der Wohnungspolitik der DDR“, witzelt Dietmar Sachs.

Familie Quandt half mit einem Zuschuss

Nicht nur staatliche Fördermittel, auch private Zuwendungen machten das riesige Projekt möglich: Die gesamte Bausumme soll sich, wenn alles fertig ist, auf 8,5 bis 9 Millionen Euro belaufen, sagt Sachs. Geld kam über das Städtebauförderungsprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke“. „Den Antrag haben wir gemeinsam mit Wittstock eingereicht.“ Für den Wohnraum gab es Mittel von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), für den Museumsbereich aus der Städtebauförderung. Und ohne den Zuschuss der Familie Quandt in Höhe von 1,5 Millionen Euro und das zinslose Darlehen hätte der 3. Bauabschnitt so nicht gestemmt werden können, so Sachs. Die beiden obersten Denkmalschützer zeigten sich jedenfalls fasziniert von dem Projekt: „Das ist wunderbar, dass ein Denkmal so umgebaut wird, dass die Identität erhalten bleibt und gleichzeitig eine neue Identität entsteht“, meinte Drachenberg.

Von Beate Vogel

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