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Landkreis mit den meisten Diabetikern

Prignitz Landkreis mit den meisten Diabetikern

Jeder siebte Prignitzer leidet an Diabetes mellitus. Zu diesem Ergebnis kommt der Versorgungsatlas, den das Zentralinstitut der Kassenärztlichen Vereinigungen herausgibt. Als Ursache nennt der Prignitzer Amtsarzt Jörg Marr den niedrigen sozioökonomischen Status der Bevölkerung.

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Der Leiter der Diabetes-Selbsthilfegruppe Pritzwalk, Adolf Oberländer.

Quelle: Andreas König

Pritzwalk/ Perleberg. Wenn es stimmt, dass Diabetes mellitus, eine Wohlstandskrankheit ist, dürfte sie in der Prignitz nicht so häufig auftreten. Denn die Region ist – statistisch gesehen – eine der ärmsten in der Bundesrepublik Deutschland. Dennoch ist im Landkreis der Anteil zuckerkranker Menschen an der Gesamtbevölkerung so hoch wie nirgends sonst. 14,1 Prozent der in der Prignitz lebenden Menschen sind zuckerkrank. Das geht aus dem Versorgungsatlas hervor, der vom Zen­tralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland herausgegeben wird. Die Zahl ist alarmierend, bedeutet sie doch, dass jeder siebte Bewohner an der als unheilbar geltenden Stoffwechselerkrankung leidet.

Man kann mit Diabetes leben und sogar recht lange ohne Verlust der Lebensqualität, wenn man regelmäßig medizinisch betreut wird und die notwendigen Schritte zur Therapie geht. Das setzt jedoch Wissen voraus.

Geringerer Wohlstand ist eine Ursache für Diabetes

Dieses Wissen vermitteln nicht nur Ärzte, sondern auch Selbsthilfegruppen wie die von Adolf Oberländer aus Pritzwalk geleitete. Leider schrumpft die Zahl der Mitglieder seit Jahren. Zu Spitzenzeiten waren es 20 bis 22 Mitglieder, davon sei man jetzt weit entfernt, bedauert der Rentner. Zudem bewegte sich der Altersdurchschnitt jenseits der 70 Jahre. „Es gibt genügend junge Leute, die an Diabetes leiden und Hilfe zur Selbsthilfe benötigen würden, aber die haben meist keine Zeit, wenn wir uns jeden letzten Mittwoch im Monat um 14 Uhr bei der Awo treffen“, bedauert Adolf Oberländer.

Doch warum ist die Diabeteshäufigkeit in der Prignitz so hoch? „Eine genau Erklärung haben wir dafür nicht“, sagt der Amtsarzt des Landkreises Prignitz, Jörg Marr. „In der Prignitz kommen eine Reihe von negativen Faktoren zusammen.“ So sei der sozioökonomische Status, also eine Reihe von Lebensumständen, die im allgemeinen für materiellen und kulturellen Wohlstand stehen, in der Prignitz ausgesprochen niedrig. „Zudem ist auch die Adipositas (Fettleibigkeit) als einer der Risikofaktoren für die Entstehung von Diabetes mellitus sehr weit verbreitet. „80 Prozent der Diabetiker leiden an Adipositas“, sagt der Amtsarzt. Er möchte das Phänomen nicht nur auf die Armut der Region zurückführen. „Auch geringe Bildung, wenige kulturelle Angebote und sicher das Fehlen von Fachhochschulen oder anderen akademischen Bildungseinrichtungen spielen eine Rolle“, sagt Jörg Marr. Zudem sei die ärztliche Versorgung mit lediglich zwei diabetologischen Schwerpunktpraxen bei der Zahl an Diabetikern nicht ausreichend.

32,6 Prozent der Menschen nahe der Armutsgrenze

„Neben den diabetologischen Schwerpunktpraxen übernehmen Hausärzte wichtige Versorgungsaufgaben und strukturieren im Sinne eines Koordinators die Behandlungsabläufe“, sagt Christian Wehry, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. Im Rahmen des Krankheits-Management-Programms Diabetes mellitus Typ 2 verfügen 47 Vertragsärzte im Bereich Prignitz über eine Genehmigung als koordinierender Vertragsarzt.“

Dass die Prignitz trotz mancher erfreulicher Entwicklungen noch immer bei den Lebensumständen hinterherhinkt, wird unter anderem im regionalen Sozialbericht deutlich, den das Landesamt für Statistik zuletzt für 2015 vorgelegt hat: „In der Prignitz ist die Quote der Einwohner, die mit ihrem bedarfsgewichteten Einkommen nahe dem Armutsrisiko liegen oder armutsgefährdet sind, bundesweit am höchsten, nämlich bei einem Drittel (32,6 Prozent), gefolgt von der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder) mit 32,1 Prozent“, heißt es darin.

Doch es liegt nicht nur am Geld, das den Bewohnern zur Verfügung steht oder den sozialen Verhältnisse. „Bis vor fünf, sechs Jahren gab es beim Landkreis noch einen Betreuungsdienst für chronisch Kranke“, sagt Adolf Oberländer. „Dann wurde der aber abgeschafft, aus Kostengründen, wie es hieß.“ Seitdem hängen Selbsthilfegruppen wie die Pritz­walker für Diabetiker am Topf der Krankenkassen. „Die Mittel reichen gerade so, dass wir unsere Vorträge anbieten können“, sagt der 79-jährige. Ähnlich ist es bei der Versorgung. Oberländer muss zwar Insulin spritzen, aber die Kosten der Teststreifen übernimmt die Kasse für ihn nicht.

Von Andreas König

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