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Lange Tradition im ältesten Handwerk

Perleberg Lange Tradition im ältesten Handwerk

In der dritten Familiengeneration begeht Steinmetz Jörg Fliege in diesem Jahr das 120. Bestehen seines Betriebs. Eine spannende Geschichte verbirgt sich hinter dem Perleberger Betrieb. Der Steinmetz ist ein Beruf zwischen körperlicher Anstrengung und filigraner Handarbeit. Jörg Fliege beherrscht dies nahezu in Perfektion.

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Zusammen mit seiner Frau Marion führt Jörg Fliege den Steinmetzbetrieb in der dritten Familiengeneration.

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Perleberg. Bis in die Urzeit und Antike zurück reichen die Belege der Steinhauer und Steinmetze. Sie gehören zu den ältesten handwerklichen Berufen. Die Geschichte des Betriebes von Steinmetzmeister Jörg Fliege in Perleberg kann bis in das Jahr 1898 nachverfolgt werden. Es ist belegt, dass der Betrieb zu diesem Zeitpunkt unter der Leitung von Steinmetz Wilhelm Mühlpfort existierte, der allerdings nicht zur Familie Fliege gehörte.

„Den genauen Gründungstag des Handwerksbetriebes kennen wir nicht. Nur das Jahr ist uns bekannt“, sagt Jörg Fliege, der in seinem Beruf voll und ganz aufgeht sowie mit Herz und Seele dabei ist. In diesem Jahr begeht der Steinmetzbetrieb seinen 120. Geburtstag. „Nur ein Foto des Firmengebäudes zeigt die eingravierte Jahreszahl“, so der Steinmetz. Es sei durchaus möglich, dass die Firmengeschichte noch weiter zurück reicht.

Eine große Ausstellung in seinem Geschäft in der Wilsnacker Straße in Perleberg zeigt die Möglichkeiten und das Können von Steinmetz Jörg Fliege

Eine große Ausstellung in seinem Geschäft in der Wilsnacker Straße in Perleberg zeigt die Möglichkeiten und das Können von Steinmetz Jörg Fliege.

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Um die Jahrhundertwende übernahm Steinmetzmeister Oskar Fliege, der Großvater von Jörg Fliege, bis zum Stadtmühlenbrand in Perleberg im Jahr 1926 erfolgreich den Betrieb. „Er war Feuerwehrmann und verletzte sich damals bei den Löscharbeiten am Arm, als Mehlsäcke explodierten. Wenig später verunglückte er bei einem Motorradunfall bei Groß Werzin tödlich“, berichtet Jörg Fliege. Der Bruder seines Großvaters, Alfred Fliege, der bis dahin den Steinmetzbetrieb in Meyenburg führte, siedelte nach Perleberg um und führte den Betrieb seines Bruders weiter.

Eine Tafel aus Naturstein erinnert an die Familientradition

Eine Tafel aus Naturstein erinnert an die Familientradition.

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

In den 1950er Jahren übernahmen die Kinder Gerhard und Erika Fliege gemeinsam den Betrieb. 1968 trennten sich die Geschwister als gemeinsame Geschäftsführer und Erika übernahm ein eigenes Steinmetzgeschäft in Boizenburg. Von nun an führte Gerhard Fliege, der Vater von Jörg Fliege, gemeinsam mit seiner Frau Ilse das Geschäft und baute den Leistungsumfang aus. Sie erarbeiteten sich in Perleberg und weiten Teilen der Prignitz durch fachliche Kompetenz und eine freundliche Kundenbetreuung einen guten Ruf.

Jörg Fliege arbeitet seit 1975 im Betrieb. „Nach meiner Lehre und Gesellenprüfung legte ich 1981 die Prüfung zum Steinmetzmeister erfolgreich ab“, so der Inhaber des Steinmetzbetriebes. Die Geschäftsübergabe folgte Anfang 1983. Er führt damit zusammen mit seiner Frau Marion eine lange Familientradition fort. Seine Kinder haben allerdings eine andere berufliche Richtung eingeschlagen. „Wir wollten dem nicht entgegenstehen“, so Marion Fliege. Um eine Nachfolge werden sie sich trotzdem sorgen, aber bis dahin ist noch viel Zeit.

Die bisherigen Arbeiten können sich wirklich sehen lassen: Unzählige Denkschriften an Denkmälern oder Hinweise an Brücken stammen aus der Hand von Jörg Fliege. So auch das Stadtwappen im Stadtpark von Perleberg, die Wetterfee auf der Turmspitze des Rathauses und die Freimaurerloge am Freizeitzentrum „Effi“, um nur einige Beispiele zu nennen. „Außerdem war mein Vater bei der Versetzung des Rolands beteiligt, so dass genügend Platz für den Fahrzeugverkehr über den Großen Markt geschaffen werden konnte“, so Jörg Fliege.

Grabmäler, Neubau und die Restaurationen

Allgemein gliedert sich der Beruf des Steinmetzes in drei Bereiche: Grabmäler, Neubau und die Restaurationen an vorhandener Bausub­stanz. Zwar entwickelte sich über die vielen Jahre die Technik immer weiter, trotzdem werden viele Arbeiten immer noch per Hand ausgeführt. So bleibt die Handarbeit in diesem Beruf das A und O. „Zum einen ist es eine körperlich schwere Arbeit und zum anderen muss man sehr filigran arbeiten“, sagt Jörg Fliege. „Dreimal durchatmen und dann die ruhige Hand bewahren.“ Fähigkeiten und Fertigkeiten sollte man für diesen Beruf durchaus mitbringen. Gute Zeichenkünste und viel Vorstellungskraft sollten vorhanden sein, schließlich muss man sich das Ergebnis schon lange vorher vor Augen führen.

„Zu DDR-Zeiten hatten wir bis zu sechs Mitarbeiter. Heute haben wir noch einen Gesellen“, berichtet Jörg Fliege. Der Bedarf sei da, aber den richtigen Talentierten dafür zu finden, sei in der Region schwierig. Wobei der Beruf durchaus zukunftsträchtig sei: Naturstein werde es weiterhin geben, auch wenn dem immer mehr alternative Materialien entgegen stehen.

Von Marcus J. Pfeiffer

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