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Lastwagen fahren mitten durch Grundstück

Sadenbeck Lastwagen fahren mitten durch Grundstück

Seit Jahren kämpfen die Familien Thieß und Schnitger darum, dass die prekäre Verkehrslage vor ihrer Haustür verbessert wird. Die Kreisstraße 7019 führt mitten durch ihr Grundstück. An Tempolimits oder Tonnagebegrenzungen für die kleine Brücke vor dem Haus halten sich nicht immer alle. Der Kreis kennt das Problem.

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Links das Wohnhaus, rechts die Garage und die Nebengebäude: Mitten drin fahren Laster hindurch, manchmal auch 40-Tonner.

Quelle: fotos: Beate Vogel

Sadenbeck. Mitten durch das Grundstück der Familie Thieß und Schnitger führt die Kreisstraße 7019. Wenn Jane und Oliver Schnitger oder der Schwiegervater Ronald Thieß aus der Haustür treten, stehen sie praktisch im fließenden Verkehr. Die K 7019 macht gleich hinter der kleinen Brücke einen scharfen Knick nach rechts, danach geht es wieder nach links. Die Straße ist extrem schmal und unübersichtlich. An das Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde hält sich kaum einer der Autofahrer. Auch nicht an die Tonnagebegrenzung vor der kleinen Brücke, die eine Höchstbelastung von 16 Tonnen ausweist. Immer wieder fahren dicke Brummis über die Brücke und durch das Grundstück. Die Familie wohnt in der Rossmannsmühle, die zum Pritz­walker Ortsteil Sadenbeck gehört. Und sie kämpft seit Jahren um eine Änderung des Zustandes. Doch die ist nicht in Sicht.

„Immer zu den Hauptstoßzeiten, also morgens und abends, wollen alle schnell zur Arbeit oder nach Hause“, erzählt Ronald Thieß. Viele nähmen die Strecke als Abkürzung. Wenn im Hof jemand steht, ist deutlich zu hören, dass die Autofahrer bremsen. „Aber sonst hält sich hier kaum jemand an die 30“, sagt er. Das führt mitunter zu recht brenzligen Situationen, wenn den Autofahrern hinter der Kurve plötzlich jemand entgegen kommt. Die Verkehrsverstöße bestätigt seine Tochter Jane Schnitger: „Wir hatten hier auch schon Schwertransporte, als die Windräder gebaut wurden.“ Die 16-Tonnen-Begrenzung müssen die Fahrer wohl übersehen haben, wundert sie sich. Die Mutter ärgert sich besonders, weil ihre beiden kleinen Kinder auch im Hof spielen. „Dass noch nichts passiert ist, ist wirklich ein Wunder“, sagt ihr Mann Oliver Schnitger. Zwar gab es immer mal Unfälle, aber die seien auch nie in der Zeitung erschienen.

Oliver Schnitger (l) und seine Frau Jane sowie Ronald Thieß wollen, dass der Durchgangsverkehr an ihrem Haus ein Ende hat

Oliver Schnitger (l.) und seine Frau Jane sowie Ronald Thieß wollen, dass der Durchgangsverkehr an ihrem Haus ein Ende hat.

Quelle: Beate Vogel

Vor Jahren war eine Umgehung angedacht. Die Pläne hat Thieß noch. Sie zeigen zwei Varianten: In einer sollte die Familie umgesiedelt und die Mühle teilweise abgerissen werden, so dass die neue Straße begradigt werden kann. Das lehnte die Familie ab. In der anderen läge nördlich der alten Straße eine neue Umgehung. Doch die ist vom Tisch. Ein Waldbesitzer hatte bei der Auslegung der Pläne Einwände erhoben und forderte damals eine Trassenverschiebung. Die war abgelehnt worden. Dabei ist aus Sicht der Familie die alte Straße recht marode.

Die Schnitgers leben seit 2007, Ronald Thieß seit 1999 in der Mühle. „Wir wollen auch hier bleiben“, sagt Familienvater Schnitger. 2012 hat die Familie das alte Mühlengebäude sanieren lassen – und auch da nur den Kopf geschüttelt: „Die Lasterfahrer haben die Baustellenabgrenzung einfach beiseite geschoben, um durchzukommen.“ Inzwischen rütteln die Brummis die Gefache wieder aus den Außenwänden, so stark sind die Vibrationen.

An der Mühle drücken die Vibrationen die Gefache aus der Wand

An der Mühle drücken die Vibrationen die Gefache aus der Wand.

Quelle: Beate Vogel

Der Landkreis Prignitz stimmt darin überein, dass die Straßenführung an dieser Stelle „nicht optimal“ ist. „Vor Jahren schon gab es Überlegungen, die Mühle zu umgehen oder zu umfahren“, bestätigte der Pressesprecher Frank Stubenrauch nach Rücksprache mit der Kreisstraßenmeisterei. Das sei aber am Grunderwerb gescheitert: „Ein Eigentümer hatte sich geweigert, sein Grundstück zur Verfügung zu stellen.“ Daraufhin sei vom Kreis ein Planfeststellungsverfahren angestrebt worden, um den Eigentümer zu enteignen. Die Planfeststellungsbehörde in Potsdam habe mit Blick auf das Unfallgeschehen und den Verkehrsschwerpunkt allerdings keine ausreichende Begründung gefunden, die ein Verlegen der Straße gerechtfertigt hätte. „In der Abwägung wurde dem Schutz von Eigentum eine höhere Bewertung beigemessen als der Verlegung einer Straße“, resümiert Frank Stubenrauch. Daraufhin sei dieses Projekt nicht weiter verfolgt worden.

Die Brücke vor dem Grundstück wurde laut Stubenrauch im Jahr 2015 geprüft und ist danach mit einer maximalen Belastung von 16 Tonnen ausgewiesen worden. „Auch wenn sie vielleicht optisch nicht überzeugt, aber diese Tonnage ist gesichert.“ Die Straße werde von der Kreisstraßenmeisterei normal unterhalten. Das Brückengeländer wurde zwar durch einen Baum beschädigt, „ist aber in einem Zustand, mit dem man leben kann“.

„Mittelfristig ist zu überlegen, wie die Brückendurchfahrt verbessert werden könnte“ – da stimme der Kreis der Auffassung der Familie zu. „Dazu gibt es mehrere Fragestellungen, mit denen sich auch die Kreisstraßenmeisterei beschäftigt“, so der Sprecher: Ist eines Sanierung bei so geringem Verkehrsaufkommen an Ort und Stelle sinnvoll? Würde sich dadurch die Verkehrssicherheit erhöhen oder nicht? Sollte man die Brücke eigentlich ganz sperren für den Fahrzeugverkehr? Ist eine Umleitung akzeptabel? Antworten stehen noch aus.

Von Beate Vogel

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