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Prignitz Laufen für die Luft zum Atmen
Lokales Prignitz Laufen für die Luft zum Atmen
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00:34 21.05.2018
Mit viel Konsequenz sorgt Christine Braune dafür, dass sie ihre Krankheit im Griff behält. Dann ist auch Knuddeln mit Tochter Hanna öfter wieder möglich. Quelle: Claudia Bihler
Telschow-Weitgendorf

Im Februar vergangenen Jahres war für Christine Braune aus Telschow Weitgendorf noch alles frisch: Endlich hatte ein Ärzteteam in Hannover herausgefunden, was ihr wirklich fehlt: Das Kartagener Syndrom zwang sie mit immer neuen Erkältungsinfekten ins Bett – ihre Flimmerhärchen arbeiteten nicht, in ihren Bronchien und anderen Schleimhäuten nisteten sich Keime ein. Von Kindesbeinen an litt sie an Lungen- und Ohrenentzündungen, mehrere Operationen wurden nötig. Eine echte Odyssee von Arzt zu Arzt war die Folge – nicht immer fand sie ausreichend Gehör. „Und irgendwann habe ich aus Trotz angefangen, meine ständige Krankheit zu ignorieren.“

Dass sie heute selbst über den letzten Winter keinerlei Erkältungen hatte, geschweige denn an ausufernden Infekten litt, hat sie einer Diagnosesendung über einen Jungen, ihrer eigenen Beharrlichkeit und einem beherzten Arzt in Mecklenburg zu verdanken: Der hatte sie nach Hannover überwiesen, wo bei ihr das Kartagener Syndrom (auch: primäre ciliäre Dyskinesie) diagnostiziert wurde.

Viel Zeit und viel Verzicht

„Ich kann es noch gar nicht glauben“, sagt die Mutter einer neunjährigen Tochter. „Die Angst, dass es doch wieder zu einer Infektion kommt, habe ich natürlich dennoch immer im Kopf.“ Damit es nicht dazu kommt, muss Christine Braune viel Zeit investieren und auch viel Verzicht üben.

Dass sie beim Herbstspaziergang darauf achten muss, Blätterberge nicht mit den Füßen aufzuwirbeln, ist noch eines der Dinge, auf die sie am ehesten verzichten kann. Aber es sind die alltäglichen Dinge, die ihr Leben nach wie vor kompliziert machen: „Ich muss zum Beispiel die Spülmaschine erst vollständig abkühlen lassen, damit keine Dampfschwaden aufsteigen. Dem Rasensprenger im Garten aus dem Weg gehen, feuchtes Erdreich meiden. Oder eigentlich auch morgens und abends zwei verschiedene Zahnbürsten nutzen, damit die andere erst richtig abtrocknen kann.“

Unsichtbare Bedrohung

Sie nennt die unsichtbare Bedrohung , die sie meiden muss, „Pfützenkeime“ – resistente Keime, die dem gesunden Menschen nichts anhaben, ihr aber den nächsten Infekt bescheren könnten: „Ich muss Antibiotika-Nasenspray nutzen, damit sich Keime in meiner Nase nicht in die Lunge ausbreiten.“ Hinzu kommt tägliches Inhalieren: Einmal für die Nase, einmal für die Lunge. Dazu kommt regelmäßige Atemtherapie. Vor allem aber: potenzielle Ansteckungsgefahren meiden – wie den Kontakt zu erkälteten Personen oder auch das ganz alltägliche Händeschütteln zur Begrüßung: „Manche Leute fühlen sich dadurch vor den Kopf gestoßen“, stellt sie fest: „Dabei ist es gar nicht böse gemeint.“ Selbst Tochter Hanna musste lange auf übliche Mutter-Tochter-Knuddeleien verzichten, freut sich aber heute um so mehr, dass es ihrer Mutter besser geht. Die wägt heute ab: „Knuddelei muss eben doch manchmal sein.“

Seit ihrer Diagnose nahm Christin Braune über viele Monate hinweg niedrigdosierte Antibiotika. Derzeit darf sie – wegen ihres stabilen Zustandes – pausieren, damit die Mittel ihre Wirksamkeit behalten. „Aber spätestens im Herbst zur Erkältungszeit geht es wieder los.“ Die Alternative: „Wenn ich einen Infekt bekäme, müsste ich direkt ins Krankenhaus und an einen hochdosierten Antibiotikatropf.“

Fünf Kilometer in unter 30 Minuten

Dass sie bisher darauf verzichten konnte, macht sie glücklich – und aktiv. Als Joggerin ist sie ein paar Mal in der Woche unterwegs. Und nimmt auch an diversen Wettbewerben teil. In Schwerin konnte sie kürzlich sogar den ersten Platz beim Schlosslauf erreichen, und ihre Bestzeit über fünf Kilometer liegt nunmehr bei unter 30 Minuten. „Insgesamt plane ich rund zehn Läufe in diesem Jahr“, sagt sie.

Weil die Diagnose so schwierig ist – vor allem aber, weil ihre Krankheit auch bei Ärzten oft unbekannt ist, macht sie bei den Laufveranstaltungen inzwischen auf das Problem aufmerksam. Sie läuft im Trikot des Herstellers ihrer Inhalationsgeräte. Unter dem Motto „Spende Luft zum Atmen“ spendet der nämlich für jeden Läufer im Trikot zehn Euro an die Selbsthilfeverbände für das Kartagener Syndrom beziehungsweise für Mukoviszidose. „Meine Familienmitglieder laufen inzwischen ebenfalls in den Trikots.“

Engagement für andere

Und sie macht auch ansonsten immer wieder aufmerksam auf die oft unerkannte Krankheit mit ihrer hohen Dunkelziffer – etwa, wenn sie im Herbst bei der NDR-Sendung „Abenteuer Diagnose“ auftritt und ihren Weg durch die Arztpraxen schildert. Für mindestens eine Leidensgenossin war das Engagement Christine Braunes bereits hilfreich: Der mecklenburgische Arzt hat bei einer weiteren Patientin die Krankheit diagnostizieren und sie postwendend nach Hannover zu Spezialärzten schicken können.

Von Claudia Bihler

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