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Letzte Ausfahrt für BMW-Oldies: Krams

Werkstatt widmet sich alten Schätzchen Letzte Ausfahrt für BMW-Oldies: Krams

Vom Motorradservice zur Oldtimerwerkstatt – so ließe sich die Entwicklung des Ein-Mann-Betriebes von Rainer Still in Krams zusammenfassen. Dabei hat der 61-Jährige sich stets den gleichen Maschinen gewidmet. Doch auch die sind eben in die Jahre gekommen.

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Rainer Still mit einer typischen Vertreterin seines Spezialgebietes. Die Maschinen sind inzwischen mindestens 20 Jahre alt.

Quelle: Alexander Beckmann

Krams. Es ist weder zu übersehen noch zu überhören: Die Motorradsaison nimmt Fahrt auf. Einzeln oder in ganzen Gruppen, mal bullernd, mal hochtourig jaulend sind die Maschinen unterwegs. Doch ausgerechnet da, wo es in dieser Hinsicht wohl noch am ruhigsten zugeht, findet sich die einzige Motorradwerkstatt im Altkreis Kyritz: In Krams bei Kunow widmet sich Rainer Still seit 1993 den Zweirädern.

Aber nur ganz speziellen. Der 61-Jährige hat sich von Anfang an nicht nur einer bestimmten Marke – nämlich BMW, sondern auch noch einer ganz speziellen Unterart verschrieben. Sogenannte Boxer-Motoren müssen es sein, und zwar solche mit je nur zwei Ventilen pro Zylinder. Von 1969 bis 1996 wurden die gebaut. Eine aussterbende Art.

Spezialist für alte Schätzchen

Rainer Still hat jetzt zum Saisonstart trotzdem gut zu tun. Seine Erklärung: „Bis zur Küste gibt’s keinen, der sich mit den alten Maschinen noch auskennt. Im September oder so sind sie alle mindestens 20 Jahre alt.“ Für ein Motorrad ist das ein stolzes Alter. Doch die Maschinen haben nach wie vor ihre Fans. Etwa die Hälfte von Stills Kunden kommt über gut 100 Kilometer aus Berlin bis nach Krams.

In Berlin hatte der Experte vor über 30 Jahren begonnen, sich mit Motorrädern zu beschäftigen. Ursprünglich habe er als Vermessungsingenieur gearbeitet, berichtet Rainer Still. Die Motorräder seien bloß ein Hobby gewesen. Aus dem gelegentlichen Handel mit Gebrauchtteilen sei schnell ein richtiges Geschäft mit mehreren Mitarbeitern geworden. Still legte ein Maschinenbaustudium nach. Anfang der 90er Jahre entschloss er sich, kürzer zu treten und eröffnete den Ein-Mann-Betrieb in Krams: „Ich mache seit 20 Jahren keine Werbung mehr.“

Das Motorrad als Drittfahrzeug

Auch für die Motorräder haben sich die Zeiten geändert. Einst alltägliches Fortbewegungsmittel, werden sie mehr und mehr zu Liebhaberstücken. „Ich denke, der Durchschnittskunde ist so um die 50. Das Motorrad ist in der Regel das Zweit- oder Drittfahrzeug in der Familie“, schätzt Rainer Still ein.

Früher seien die Leute zweimal im Jahr zur Inspektion gekommen und alle zwei Jahre zum Tüv. „Heute kommen sie nur noch alle zwei Jahre zum Tüv und fragen dann mal nach einer Inspektion. Die Maschinen gehen halt immer mehr weg vom Gebrauchsmotorrad hin zum Liebhaberstück“, erzählt der Fachmann. So ein Liebhaberstück will aber natürlich auch gepflegt werden. Gerade die Ersatzteilbeschaffung wird mit dem Alter der Maschine immer anspruchsvoller. Genau hier hat Rainer Still seine Marktlücke gefunden: Er ist einer von denen, die kaum etwas wegwerfen. „Ich hab seit über 30 Jahren Teile von den Maschinen gesammelt. Vieles davon gibt es woanders gar nicht mehr.“ Still ist überzeugt, dass der Teilehandel Potenzial hat. „Das geht jetzt ins Internet.“ Den gesamten Bestand zu katalogisieren und für den Online-Vertrieb vorzubereiten, dürfte allerdings noch ganz schön Arbeit machen. Erst einmal steht jetzt der Start der Motorradsaison an.

Mitglied in der freiwilligen Feuerwehr

Auch sonst ist Rainer Still in Krams durchaus aktiv. Er arbeitet im Ortsbeirat mit und wurde erst kürzlich Mitglied in der freiwilligen Feuerwehr. „Die hatten hier das Problem, dass sie mal nicht zum Einsatz kamen, weil sie keinen hatten, der das Fahrzeug fahren konnte.“ Still will nun einspringen. Noch wartet er auf den ersten Einsatz.

Längst ist der Motorradexperte ein echter Kramser. „Das Einzige, das fehlt, ist ein Nachfolger“, sagt Still.

Von Alexander Beckmann

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