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Prignitz Letzte Lernchance in Lindenberg
Lokales Prignitz Letzte Lernchance in Lindenberg
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00:18 18.04.2016
Mitarbeiterin Kathrin Maaß (l.) und Köchin Heidelore Bräu bereiten Mittagessen für rund 20 Schüler und die Mitarbeiter vor. Quelle: Andreas König
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Lindenberg

Ein bisschen ruhig geht es an der ehemaligen Schule in Lindenberg zu, doch das liegt nicht am fehlenden Temperament der Schüler. Die haben in der Regel mit der Schule, wie sie sie bisher kannten, wenig am Hut. Es sind sogenannte Schulverweigerer, also Mädchen und Jungen, die zum Lernen keine Lust mehr haben, die in Lindenberg unterrichtet werden sollen. „Beschult“ lautet der verwaltungsdeutsche Fachausdruck dafür und er drückt die Rechtslage hinter den Bemühungen um die Aufmerksamkeit der Schüler aus. Weil in Brandenburg wie in ganz Deutschland Schulpflicht herrscht, muss diese durchgesetzt werden. Für die Landkreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin übernimmt der Verein Pro Connections die Aufgabe, den Schulverweigerern zu ihrem Recht auf Unterricht zu verhelfen und gleichzeitig ihre Schulpflicht zu erfüllen.

Jugendämter weisen die Schüler zu

„Die Schüler werden von den Jugendämtern zugewiesen“, sagt Kathrin Maaß. Sie ist für die Büroarbeit in Lindenberg zuständig, fungiert aber praktisch als Mädchen für alles. Verantwortlich für das Projekt ist Annette Hayda, fachlich zuständig als Trägerschule ist die Rochowschule in Pritz­walk. Komplizierte Zuständigkeiten, von denen die Schüler wenig mitbekommen. „Es geht uns darum, sie wieder auf den Stand des Schulstoffs zu bringen, den sie eigentlich haben müssten“, sagt Kathrin Maaß.

Lehrer der Rochowschule erteilen den Unterricht

Den Unterricht erteilen Lehrer von der Rochowschule aus Pritz­walk. Unterstützt werden sie dabei von Erziehern, die wiederum für den Verein Pro Connections arbeiten. Der residierte bis vor einigen Jahren in Steffenshagen, doch die Bedingungen waren in Lindenberg einfach besser. Zumal die Gemeinde Groß Pankow die ehemalige Schule 2011 aufwendig sanieren ließ. Seitdem bietet das Gebäude gute Bedingungen, um verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche wieder zum Lernen zu motivieren.

Maximal acht Schüler in einer Klasse

„Maximal acht Schüler sind in einer Klasse“, berichtet Kathrin Maaß. Einem Lehrer steht mindestens ein Erzieher vom Verein Pro Connections zur Seite. So ist es auch möglich, bei Bedarf Einzelunterricht zu erteilen. „Viele Schüler haben innerlich aufgegeben, bevor sie zu uns kommen“, erklärt Kathrin Maaß. „Die müssen erst langsam an einen geregelten Schulalltag herangeführt werden.“

Lebenspraktische Kenntnisse sind gefragt

Neben dem Schulstoff nach Lehrplan wird in Lindenberg viel Wert auf die Vermittlung lebenspraktischer Kenntnisse gelegt. Das Essen wird beispielsweise jeden Tag frisch in der schuleigenen Küche zubereitet. Zwar ist die Küche das Reich von Heidelore Bräu, doch dürfen die Kinder und Jugendlichen beispielsweise den Nachtisch selbst zubereiten. Zum gemeinsamen Mittagessen kommen die Schüler im freundlich gestalteten Speisesaal zusammen, wo das Essen an einem Tisch ausgegeben wird.

Zwischen sechs Monaten und zwei Jahren Aufenthalt

Eine Mindestaufenthaltsdauer gibt es für die Schüler in Lindenberg nicht. „In der Regel sind sie mindestens ein halbes Jahr bei uns, manche auch zwei Jahre“, erklärt Annette Hayda. Die Kapazität der Einrichtung liegt bei maximal 28 Schülern, im Durchschnitt besuchen rund 20 Kinder und Jugendliche die Schule. Die meisten Jungen und Mädchen kommen per Bus nach Lindenberg, es gibt aber auch acht Internatsplätze.

Eltern müssen zustimmen

Die Eltern müssen übrigens zustimmen, wenn die Kinder in Lindenberg „beschult“ werden sollen. Wie hoch die Erfolgsquote ist, darüber gibt es wenig verlässliche Daten. „Manche Schüler bleiben auch nach dem Besuch unserer Einrichtung bei ihrer Verweigerungshaltung“, sagt Kathrin Maaß. Eine Rückmeldung darüber, wer die Schule erfolgreich abgeschlossen hat, gibt es nicht. „Aber manchmal hören wir von Ehemaligen, die es geschafft haben und freuen uns mit ihnen“, sagt Annett Hayda.

Von Andreas König

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