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Prignitz Lindenberger wird zu Plakatmotiv
Lokales Prignitz Lindenberger wird zu Plakatmotiv
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15:31 22.04.2016
Andy Schmidt gleich im Doppelpack: In Berlins Mitte kann man ihn häufiger auf dem Ankündigungsplakat bewundern. Quelle: Atzenroth
Lindenberg

In manchen Ecken von Berlin kommt man derzeit nicht an Andy Schmidt vorbei. Der junge Mann ist auf einem Veranstaltungsplakat für eine Ausstellung zu sehen, die derzeit mitten in der Hauptstadt im Direktorenhaus läuft. Von einem alten Sofa aus prostet er vor einem Lagerfeuer seinem Gegenüber zu. Fotografiert hat ihn Djamila Grossman. Sie hatte sich für ihre Projekt „Tausend Morgen“ etwa zwei Jahre lang in Lindenberg aufgehalten und dabei den ganzen Ort und seine Bewohner dokumentiert. „Djamila fand das ganz gut in unserem Dorf“, weiß Andy Schmidt. Auch am Mittwoch war sie noch mal dort gewesen.

Andy Schmidt erinnerte sich daran, wie das jetzt ausgewählte Motiv entstanden ist. „Ich habe bei mir im Garten ein Lagerfeuer gemacht.“ An der Feuerstelle steht die alte Couch, und anstatt einfach nur dort zu sitzen, kam die Idee zu einer Fotosession. Er freut sich, was daraus geworden ist – ein wenig Stolz klingt auch durch.

Schon vor etwa einem Jahr hatte die 33-jährige Fotografin die Ergebnisse des Fotoprojekts in der Lindenberger Kirche gezeigt. Und es war bei der Ausstellungseröffnung damals offensichtlich, dass sie sich gegenseitig liebgewonnen hatten, die Lindenberger Djamila Grossman und umgekehrt. Die Bilder zeigen die Menschen und den Ort ziemlich ungeschminkt und aus einer Perspektive, die für die Lindenberger selbst neu war – in der sie sich aber wiederfanden.

Über Djamila Grossman und die neue Ausstellung

Djamila Grossman hat neun Jahre lang in den USA gelebt, dort studiert und gearbeitet, unter anderem bei der New York Times. Seit dreieinhalb Jahren ist die gebürtige Berlinerin wieder in Deutschland und arbeitet für Zeit, Stern, Spiegel und Brigitte. Mit einem Stipendium der Freien Universität Berlin ausgestattet, kam die 33-Jährige vor gut zwei Jahren erstmals in die Prignitz. Ursprünglich ging es um die Dokumentation des demografischen Wandels in Brandenburg. Das Ausgangsthema ließ sie schnell fallen. „Das ist kein Dorf, dem alle den Rücken kehren”, hat sie erfahren, „ich habe schon gespürt, dass auch viel Hoffnung da ist.”

Die Ausstellung ist bis zum 1. Mai in Berlin im Direktorenhaus, Am Krögel 2, unweit des Nikolaiviertels zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 12 bis 19 Uhr, am Wochenende von 11 bis 19 Uhr. Am Sonnabend, 30. April, findet ab 19 Uhr eine Finissage statt. Weitere Infos unter www.donotfeedthekrokodil.de.

Nunmehr zeigt Djamila Grossman einen Teil der Bilder im Rahmen einer größeren Ausstellung der 2. Postgraduiertenklasse der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin mit vielen anderen Künstlern, die den Namen „Don’t feed the Krokodil“ (zu deutsch: „Füttern Sie nicht das Krokodil“) trägt. Dabei sind einige der Bilder zum Einsatz gekommen, die auch schon in Lindenberg zu sehen waren – etwa das mit Andy Schmidt –, aber auch andere, die erst danach bei weiteren Besuchen in Lindenberg entstanden sind. Die Lindenberg-Bilder sind damit erstmals in Berlin zu sehen. Die Ausstellung lohnt auch deswegen, weil auch die anderen jungen Fotokünstler mit vielen ähnlichen interessanten Schauen vertreten sind. Alle haben wie Djamila Grossman über zwei Jahre hinweg Projekte entwickelt, in denen sie sich mit ganz persönlichen Themen auseinandersetzen. Die Arbeiten schlagen einen Bogen von Sehnsucht und Spurensuche über Heimweh, Sex und der Banalität des Alltags bis hin zu imaginären Landschaften und dem Unfassbaren. Die Fotografinnen und Fotografen kommen aus Argentinien, der Schweiz, Israel, USA, Frankreich und Deutschland. Auch den Ausstellungskatalog ziert übrigens eines der Bilder von Djamila Grossman.

Weitere Bilder in der Ausstellung Quelle: Bernd Atzenroth

Die Begegnung mit Lindenberg hatte Djamila Grossman fasziniert. „Es versucht nichts zu sein, was es nicht ist”, sagt sie mit hörbarer Sympathie über den Ort, den sie seit Beginn ihres Projekts regelmäßig besucht. So will sie sich nicht nur im Schönen verlieren, sondern das Alltägliche auf ihre eigene Art herausfiltern. Ihre natürliche Art hat es ihr sicher erleichtert, mit den Lindenbergern in Kontakt zu kommen. Im Gespräch bei der Ausstellungseröffnung scheint es fast so, dass sie die häufigen Besuche in Lindenberg jetzt vermisst – angesichts eines vollen Terminkalenders schafft sie es aber nur selten, in die Prignitz zu kommen.

Mit dem ein oder anderen gibt es nun ein Wiedersehen in Berlin. Ob auch mit Andy Schmidt, ist noch nicht ganz sicher. Der 27-jährige Geflügelverlader ist unter Woche bundesweit unterwegs und freut sich auf seine ruhigen Wochenenden im Dorf. Ob er es schafft, die neue Ausstellung zu besichtigen, weiß er noch nicht. Eine Einladung von Djamila Grossman hat er bekommen und er will es auch unbedingt schaffen.

Und wenn nicht, dann freut er sich auf das nächste Treffen in Lindenberg: „Wenn sie das nächste Mal nach Lindenberg kommt, dann trinken wir ein Bier.“

Ausstellungseröffnung in Berlin. Quelle: Atzenroth

Von Bernd Atzenroth

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