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Lokfahrt mit Schikanen

Am Simulator der Prignitzer Eisenbahn-Akademie lernen Lokführer, brenzlige Situationen zu meistern Lokfahrt mit Schikanen

In der Prignitz können Lokführer in einem Simulator brenzlige Situationen üben. Sie lernen dort, wie sie gefahrlos durch Nebelbänke gleiten oder andere gefährliche Situationen meistern. Aber nicht nur Lokführer können in den Simulator, er steht auch anderen offen.

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Virtuelle Bahnreise: Andreas Sasse auf dem Fahrerplatz des Simulators.

Quelle: Claudia Bihler

Pritzwalk. Wenn Jens Pohle will, dass die Lokführer in der Fahrkabine richtig ins Schwitzen kommen, dann stehen ihm alle Mittel dafür zur Verfügung: Er kann Nebelschwaden aufziehen lassen, ein unebenes Gleisbett als Schikane errichten, elektrische Leitungen abreißen und auf die Schienen hängen lassen oder sogar ein Fahrzeug auf einem Bahnübergang abstellen.

Jens Pohle ist kein Saboteur, der auf Eisenbahntrassen unterwegs ist. Er ist Trainer bei der Eisenbahnakademie Pritzwalk, die zur Eisenbahngesellschaft Potsdam (EGP) von Thomas Becken und Mathias Tenisson aus Putlitz gehört. Wenn Pohle den Lokfahrer vor derartige Herausforderungen stellt, dann kommt zum Glück niemand zu Schaden. Und so soll es auch in der Realität bleiben: Jens Pohle ist nämlich Trainer am Lokführer-Simulator in Wittenberge.

Für Profis und Private

Der Eisenbahnsimulator in Wittenberge steht vor allem für die Auszubildenden der Eisenbahnakademie in Pritzwalk und für die professionelle Nutzung zur Verfügung.

Aber auch externe und sogar private Interessenten haben die Chance, den Simulator stundenweise zu nutzen.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bahnakademie-prignitz.de/fahrsimulator.html.

Rund 120.000 Euro hat die Eisenbahnakademie investiert, um mit den künftigen Lokführern das üben zu können, was in der Realität nicht umzusetzen ist, erklärt Andreas Sasse, der Geschäftsführer der Eisenbahnakademie. „Am Simulator sollen Fahrunsicherheiten beseitigt und mehr Handlungssicherheit erzielt werden.“ Einmal im Jahr stellen sich alle Lokführer einer Überwachungsfahrt, und auch die Auszubildenden der Eisenbahnakademie müssen Probefahrten absolvieren. Dabei werden nicht nur die Strecken vom Trainer vorbereitet, die Schüler werden auch von Jens Pohle überwacht, der wie in der Realität mit den Fahrern im Funkkontakt steht.

An diesem Tag hat der Trainer eine einfache Tour vorbereitet. Zu Gast beim Schnupperkurs auf dem Wittenberger Bahnhofsgelände sind nämlich Schüler der umliegenden Schulen. Jens Pohle hat darauf verzichtet, dass die Fahrer regelmäßig das Pedal treten müssen, mit dem ihre Anwesenheit und Verfügbarkeit auf dem Führerstand überwacht wird. Die Jungs haben nur wenig Probleme, sich im Führerstand zurechtzufinden – so mancher hat bereits am heimischen Computer geübt.

Von Velchede nach Sachsendorf führt die simulierte zweigleisige Strecke. Bis sich die mehrere tausend PS starke E-Lokomotive in Bewegung setzt, vergehen einige Sekunden – zu schnell beschleunigen sollte der Lokomotivführer nicht, denn dann geraten die Waggons am Ende des Zuges ins Schleudern. Die Fahrgeräusche der Maschinen sind zu hören, langsam bewegt sich die Lok voran, kommt auf Touren und wird bis zu 160 Kilometer pro Stunde schnell.

Doch das erste Hindernis ist nicht weit: Tempo 30 wird auf dem kommenden Streckenabschnitt verlangt. Zu schnelles Fahren wird auf der Schiene strenger geahndet als auf der Straße. „Aber Lokführer haben ja auch ihren Fahrplan, da spielt das ohnehin keine Rolle“, sagt Andreas Sasse. Die Leistung der Lok muss nun auf null reduziert und dann die Bremse betätigt werden: Doch bis die Bremszylinder im hinteren Teil des Zuges richtig greifen, vergehen Sekunden.

„Zwei Kilometer“, schätzt Andreas Sasse, „ist der Bremsweg eines durchschnittlichen Zuges lang. Das hängt natürlich auch immer vom Gewicht ab“. Doch in der Realität haben die Lokführer die benötigte Bremskraft bereits vor der Fahrt über das Brems-Hundertstel schon ausgerechnet.

Nachdem die Langsamfahrstrecke vorbei ist, kann der Lokführer wegen der Bremsverzögerung auch nicht sofort wieder Gas geben, sondern muss ein paar Momente warten: „Im schlimmsten Fall droht eine Zugtrennung.“

Die Strecken, die Jens Pohle den Lokführern zum Üben programmiert, entsprechen realistischen Bedingungen. Zwei Stunden lang dauert eine Fahrt mit der elektronischen Lok. Die Übungsfahrt wird im Trainierzimmer nach strengen Kriterien ausgewertet. „Dabei bringt unser Trainer Pohle geballte Fachkompetenz mit: Er ist selbst Lokführer und weiß genau, wovon er spricht“, sagt Geschäftsführer Sasse.

Von Claudia Bihler

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