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Lokführer mit Leib und Seele – und selbständig

Michael Hintz aus Wittenberge Lokführer mit Leib und Seele – und selbständig

Michael Hintz aus Wittenberge (Prignitz) ist mit Leib und Seele Eisenbahner. Er hat es besonders gut getroffen, findet der 54-Jährige: Seit 20 Jahren arbeitet er als selbständiger Lokführer. Wenn Not am Mann ist, wird er angerufen und springt ein – sogar bei der Deutschen Bahn. Dabei bleibt er bescheiden: „Ich fahre doch bloß hin und her.“

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In seinem Element: Michael Hintz mit dem alten T-2-Triebwagen der Prignitzer Eisenbahngesellschaft PEG.

Quelle: Beate Vogel

Wittenberge. Mittwoch Neustrelitz, Donnerstag Wismar, Freitag Wittenberge, Samstag Karstädt. Michael Hintz kommt in einer Woche ganz schön herum. Sein Arbeitsplatz ist der Führerstand in Dieselloks. Hintz ist seit gut 20 Jahren selbständiger Lokführer – und er liebt seinen Beruf.

Während seine Berufskollegen in der Regel nach einem festen Einsatzplan und nur für ein einziges Unternehmen arbeiten, ist der 54-jährige Wittenberger sein eigener Herr. Immer, wenn auf einer Strecke Not am Mann ist, bekommt er einen Anruf. Dann fährt Hintz unterschiedliche Dieselloks für die verschiedenen Unternehmen – zum Beispiel die Deutsche Bahn AG, die Eisenbahngesellschaft Potsdam, die Rennsteigbahn oder den Wismut-Nachfolger Starkenberger Baustoffwerke.

Selten geworden

Selten geworden: Diesellok der Baureihe 110, die ehemals von der Deutschen Reichsbahn gebaut wurden.

Quelle: Privat

Probleme, die diversen Modelle zu bedienen, hat der 54-Jährige nicht, sagt er. „Ich fahre vor allem ehemalige DDR-Lokomotiven, die V 100 oder V 180.“ Und auch der Streckenbetrieb, den er übernimmt, könnte unterschiedlicher nicht sein: Hintz ist in Berlin im DB-Netz gefahren, aber auch auf eher einsamen Nebenstrecken in den Weiten Brandenburgs oder Mecklenburg-Vorpommerns. Mal transportiert er Waren von A nach B, mal rangiert er, selten fährt er Personenzüge. Meist übernimmt er Rangierarbeiten.

Einmal hat Hintz sogar einen sogenannten Sprengzug nach Güstrow gefahren. Das hört sich gefährlicher an als es ist: Der Sprengzug verteilt links und rechts der Strecke Pflanzenschutzmittel oder Dünger. 2009 fuhr der heute 54-Jährige mit drei Triebwagen und 210 Jugendlichen von Schwerin aus zum europäischen Jugendtag der apostolischen Kirche in Düsseldorf. Inzwischen ist er in der Branche so gut bekannt, dass er keine Werbung mehr machen muss: „Die Unternehmen rufen allein an, wenn sie mich brauchen.“ Auch deshalb, weil sie oft keinen anderen haben.

Alles begann mit der PEG

Als junger Mann hatte Hintz ganz andere Träume: „Ich wollte was mit Tieren machen, so wie der Gzimek.“ Es folgte eine Schlosserlehre und später die Ausbildung zum Lokführer am Reichsbahnstandort Wittenberge. Ab 1987 fuhr er in der Prignitz Personenzüge. Dann kam es für alle anders: 1990 eröffnete Hintz in der Elbestadt ein Modelleisenbahngeschäft, das er bis heute betreibt. „Nebenbei habe ich dann angefangen, auf den Strecken der Prignitzer Eisenbahngesellschaft PEG von Thomas Becken zu helfen.“ Hintz legte noch einmal die Prüfung ab, bot Lotsendienste an und war bald „streckenkundiger Lokführer“. Und er erwarb die Lizenz zum Zugleitbetrieb. „Irgendwann haben mich immer mehr Bahnunternehmen angefordert“, erinnert er sich.

Neben dem Streckenbetrieb widmet sich der Wittenberger besonders gern den Eisenbahnliebhabern. Zusammen mit dem Autor Dirk Endisch veranstaltet Hintz Fan-Sonderfahrten zum Beispiel im alten roten Schienenbus der PEG, dem T-2-Triebwagen. Dann wird an stillgelegten Bahnhöfen wie dem in Putlitz gehalten, wo die Bahnfans Fotos aus jedem Winkel machen können. Und im mollig-warmen Triebwagen genießt die Eisenbahnergemeinde eine deftige Gulaschsuppe. Sogar ein Chinese hat die Erlebnisfahrt gebucht.

Eine der ersten Strecken, die Hintz für die  Putlitzer Eisenbahngesellschaft fuhr, war die zwischen Putlitz und Pritzwalk

Eine der ersten Strecken, die Hintz für die Putlitzer Eisenbahngesellschaft fuhr, war die zwischen Putlitz und Pritzwalk.

Quelle: Privat

Wie harte Arbeit sieht das nicht aus, was Lokführer Hintz da mit viel Leidenschaft macht: „Ich fahre doch bloß hin und her.“ Sogar für Kamerateams haben Hintz und sein Triebwagen schon posiert . Das sei aber ein bisschen anstrengend gewesen, bis die richtige Einstellung im Kasten war.

„Das Grundprinzip der Eisenbahn ist, dass sie verbindet und nicht trennt“, sagt der Wittenberger. Die Bahn biete den Menschen zwar viele Möglichkeiten, doch das Individuelle werde leider bevorzugt, spielt Hintz aufs Auto an: „Jeder will unabhängig sein.“ Dabei vermittle die Bahn wichtige Tugenden. Etwa: „Man muss pünktlich sein.“ Ohnehin würde Hintz seinen Beruf jetzt nicht mehr missen wollen: „Es ist abwechslungsreich und so schön, wenn ich nicht jeden Tag auf derselben Strecke bin.“

Von Beate Vogel

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