Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Luggendorfer fürchten um Lebensqualität

Nach mehr als 20 Jahren Kiestransporten Luggendorfer fürchten um Lebensqualität

Mehr als 20 Jahre lang haben Horst Kitzmann und die übrigen Einwohner von Luggendorf die Transporte zur Kiesgrube geduldig ertragen. Seit 2013 war Ruhe. Jetzt wehren sie sich gegen Pläne, den Tagebau in eine Bauschuttdeponie umzuwandeln. Sie fürchten den Verlust von Lebensqualität und einen Wertverfall ihrer Häuser und Grundstücke.

Voriger Artikel
Vehlow: Ja zur Hallensanierung
Nächster Artikel
Bad Wilsnack: Werkzeugklau bei Kellereinbruch

Horst Kitzmann vor einer der Kiesgrubenwände. Niederschläge waschen sie aus.

Quelle: Andreas König

Luggendorf. Am schlimmsten war das Scheppern der leeren Lkw. Horst Kitzmann aus Luggendorf wohnt Luftlinie 300 Meter entfernt von der inzwischen stillgelegten Kiesgrube. Seit ungefähr drei Jahren herrscht relative Ruhe in der Grube und ihrer Umgebung, der Kiesabbau ist beendet. Seit 2013 herrscht Ruhe. Noch, muss man sagen, denn die PS Kieswerke mit Sitz in Groß Buchholz bei Perleberg planen, in der stillgelegten Kiesgrube eine Deponie für Bauschutt einzurichten (MAZ berichtete). Das geht nicht nur den Luggendorfern gegen den Strich. Auch Einwohner von Groß Pankow und der umliegenden Orte machen gegen dieses Vorhaben mobil. Zu den schärfsten Kritikern gehört der 59-jährige Unternehmer Horst Kitzmann.

Loch an Loch – die Straße zur Kiesgrube Luggendorf

Loch an Loch – die Straße zur Kiesgrube Luggendorf.

Quelle: Andreas König

„Die Kiesgrube war nach der Wende notwendig“, sagt der Landmaschinenhandwerksmeister. „Es wurde so viel gebaut, und dafür brauchte man natürlich den Kies.“ Daher hatten die Luggendorfer die Kiesförderung und alle ihre Nebenwirkungen geduldig ertragen. „Eines der größten Probleme waren die mangelhaften Zuwegungen“, sagt Horst Kitzmann. Im Grunde führen zwei mit Wohlwollen als Straßen zu bezeichnenden Wege zur Grube. Den einen, den die Luggendorfer nach seinem Verwendungszweck Kiesweg nennen, ist zu großen Teilen ein Plattenweg, der in Richtung Karolinenholz in einen mehr schlecht als recht geflickten Feldweg übergeht. „Zu den besten Zeiten der Kiesgrube fuhren alle fünf Minuten Kieslaster durch das Dorf, Tag und Nacht“, erinnert sich Horst Kitzmann. Die Einwohner selbst profitierten relativ wenig von der Grube. „Immerhin hatten ein paar Leute dort Arbeit“, räumt Horst Kitzmann ein. Umso mehr beunruhigen ihn und die anderen Einwohner des 36-Seelen-Ortes die Pläne der Deponiebetreiber. „Zwar haben die von nur zwei Lkw pro Stunde gesprochen, aber ich weiß ja aus Erfahrung, wie so etwas ausarten kann“, sagt Horst Kitzmann. Den Beteuerungen der Betreiber, Planer und Behörden traut er nicht über den Weg. „Wir befürchten alle den Verlust von Lebensqualität“, sagt er. Deponie ist Deponie. Die Grundstückspreise werden fallen, und die angekündigten Kontrollen vielleicht einmal im Jahr, wenn es gut kommt, reichen nicht aus.“

Seiner Ansicht nach müssten die Luggendorfer von der Ausbeutung ihrer Bodenschätze auch irgendeinen Nutzen haben. „Der versprochene Straßenbau reicht nicht, das muss die Firma schon deswegen machen, weil sie die Transporte sonst vergessen kann“, sagt er.

Die Botschaft des  Schildes ist eindeutig

Die Botschaft des Schildes ist eindeutig.

Quelle: Andreas König

Der Erinnerung vieler Luggendorfer nach wurde all die Jahre ein sogenannter Kiespfennig erhoben und angeführt. Das Geld, das sich ihrer Schätzung nach auf 1,5 bis 2 Millionen Euro summieren dürfte, soll der Rekultivierung dienen und muss doch irgendwo sein, fragten einige in der Einwohnerversammlung am 21. April. „Einen Kiespfennig als Abgabe für die Rekultivierung von Tagebauen gibt es so nicht“, sagt Torsten Schroschk Er ist Abteilungsleiter für Rohstoffe, Energie und Service beim Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg in Cottbus. „Diesen auch Feld- und Förderabgabe genannten Beitrag muss das Unternehmen für die Nutzung der Kiesgrube an das Land Brandenburg zahlen. Das Bergamt ist zwar für die Erhebung zuständig, aber das Geld kommt dem Landeshaushalt zugute“, sagt Torsten Schroschk. Anders verhalte es sich mit der Sicherheitsleistung. Das ist eine Art Kaution für den Fall, dass der Betreiber in die Insolvenz gehe. Für die Kiesgrube Luggendorf müsse Natur rekultiviert werden. „Doch das kann irgendwo im Land Brandenburg passieren, wenn die Nachnutzung als Deponie genehmigt wird“, sagt der Fachmann.

Der Kies ist weg und Kohle oder andere Vergünstigungen bekommen die Luggendorfer nicht zu sehen. So etwas hat sich Horst Kitzmann schon gedacht. Er will daher mit allen Mitteln gegen die Deponie kämpfen. „Am besten wäre es, man gibt der Natur die Grube zurück“, sagt er.

Von Andreas König

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg