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Maler Harms Bellin zog es in die Prignitz

Der Mensch als Hauptthema seiner Bilder Maler Harms Bellin zog es in die Prignitz

Weil er in Hamburg keine Räume mehr für seine Bilder fand, zog es den Maler und Zeichner Harms Bellin nach Mankmuß in die Prignitz. In riesigen Scheunen stehen heute viele seiner meterhohen Bilder mit lebensgroßen Figuren, die in dem Werkgehöft auch der Öffentlichkeit zugänglich sind.

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Bilder über Bilder – Harms Bellin in einem seiner Ateliers in Mankmuß.

Quelle: Michael Beeskow

Mankmuß. Harms Bellin ist unermüdlich, seine Bilder gehen wie aus den Gezeiten hervor. Farbschicht für Farbschicht trägt er auf, mehr als zehn sind es bestimmt, ehe ein Bild sein Reifestadium erreicht. Harms Bellin verfolgt keinen fest gefügten Plan. Er geht nicht mit dem Skizzenblock durch die Welt. Die Umsetzung fein ausgearbeiteter Entwürfe – das ist nicht seine Sache. „Auch nach Modell habe ich schon lange nicht mehr gearbeitet. Das engt mich nur ein“, erklärt der Maler. „Alles kommt von mir.“

Wenn er Farbe auf die Leinwand aufträgt, beginnt er Dinge zu sehen. Vielleicht einen Hund, vielleicht ein anderes Tier, vor allem sieht er aber Menschen. Auf riesigen Leinwänden sind vor allem Körper, auf vielen Bildern ausschließlich. Alles Körper voller Kraft, voller Anspannung verschlungen – vielfach in Posen, die Betrachter für eindeutig halten.

Als seine Bilder im Wittenberger Kultur- und Festspielhaus hingen, gab es Proteste. Als vor zwei Jahren Arbeiten Bellins im Café Paradies in Perleberg hingen, sogar eine Anzeige wegen Pornografie. Der Vorwurf habe ihn überrascht, sagt er. „Das war eine gute Werbung.“ Aber gezielt oder planmäßig habe er diesen Effekt nicht hervorgerufen.

Wenn Harms Bellin seine Farben – es überwiegen warme, gedeckte, ja geradezu erdige Töne – auf den Leinwand aufträgt, dann sagte er sich manchmal: „Das ist ja furchbar, was ich da sehe. Kannst du das überhaupt malen?“ Doch Harms Bellin folgt unbeirrt dem, was aus der Tiefe kommt. Er sagt: „Wenn Form und Farbe eine unzertrennbare Einheit bilden, dann ist das es eine gelungene Arbeit.“

Harms Bellin mit Ursula  Kramm Konowalow

Harms Bellin mit Ursula Kramm Konowalow

Quelle: Michael Beeskow

Harms Bellin hat es sich nie einfach gemacht. Der Weg zur unsicheren Existenz als Künstler verlief nicht geradlinig. Der Vater, der in der Freizeit auch gern malte, habe ein großes Sicherheitsgefühl über ihn gestülpt. So nahm er eine Ausbildung zum Malergesellen auf, dann absolvierte er die Ausbildung zum Polizisten. „Ich wollte nicht zum Bund und ich wollte Sport treiben.“ Beides ermöglichte ihm die Polizei. Seine Vorliebe für kraftvolle Körper mag mit der eigenen Sportbegeisterung zu tun haben. Zwischen all seinen Bildern stehen auch Kraftsportgeräte.

Als eine Kollegen jubelten, nach abgeschlossener Ausbildung die Beamtenlaufbahn einschlagen zu können, jubelte der 24-Jährige: „Ich habe es geschafft.“ Der Abschied von der Polizei bescherte Harms Bellin ein großes Freiheitsgefühl. Er begann, Malerei an der Kunsthochschule in Hamburg zu studieren. Auf den Bildern seiner Studentenjahre tummeln sich noch stark abstrahierte Figuren. Harms Bellin setzte sich mit Meistern der Moderne wie Picasso auseinander aber auch mit Altmeistern wie Rembrandt. Nach dem Studium entstehen dann auch altmeisterliche Darstellungen, ehe Harms Bellin zu seinem Stil kraftvoller Körperwelten fand. Bilder mit lebensgroßen Figuren, deren Körperlichkeit den Betrachter anspringt.

Harms Bellin und Ursula Kramm Konowalow

Der Maler und Zeichner Harms Bellin wurde 1946 in Hamburg geboren, wo er auch aufwuchs. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Malergesellen später zum Polizisten.

Über ein Begabtenstipendium studierte er von 1970 bis 1976 Freie Malerei an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste. Die Professoren Hans Thiemann, Rudolf Hausner und Wilhelm M. Busch gehörten zu seinen Lehrern.

An Ausstellungen beteiligte er sich bereits während des Studiums in der Kieler Kunsthalle und auf Schloß Gottorf in Schleswig.

Nach Mankmuß kam Harms Bellin 1996, als er in dem Dorf einen Vierseitenhof erwarb. Seit 2002 ist der Ort in der Prignitz sein fester Wohnsitz.

Seit 2011 arbeitet er mit der Dichterin Ursula Kramm Konowalow zusammen. Druckfrisch liegt das Wandbuch „Melnache und Rondo“ vor, das wie ein Kalender gestaltet ist. 2012 bebilderte er den Lyrikband Mondkadenzen. Ein weiteres gemeinsames Werk ist der Prosaband Bogensprünge mit 14 Erzählungen (2013, Edition Märkische Lebensart).

Zusammen mit der Dichterin gründete er in Mankmuß die Künstlergemeinschaft „Galerie Erosa Werkgehöft Zweikünstler“, die auf die Verbreitung der Schönen Künste im ländlichen Raum zielt. Ganzjährig sind Bilder ausgestellt, es finden Performances statt.

Hamburg wurde für die großformatigen Bilder von Harms Bellin zu klein. „Ich suchte große Räume, wo, war mir egal“. Der Vierseitenhof in Mankmuß genau zwischen Hamburg und Berlin schien ihm ideal. Von 1996 an wurde das Dorf in der Gemeinde Karstädt mehr und mehr zum Lebensmittelpunkt. In den riesigen Scheunen stehen riesige Bilder . Eine Leiter ist ihm unentbehrlich wies eine Malutensilien. Formate von vier mal fünf Meter sind kaum zu transportieren und nur in Mankmuß zu sehen.

„Ich habe noch Ideen für 50 Jahre“, sagt Harms Bellin über seine Malerei, in denen er seine ganz eigene Sicht auf die Welt entwickelt. Der Mensch ist für Harms Bellin das Phänomen schlechthin – seine Existenz und seine Natur. „Dass wir überhaupt hier sind.“ Und so staunt er immer aufs Neue, wie aus den Farben seiner Bilder Menschen hervorkommen.

Von Michael Beeskow

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