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Prignitz Markt im Mittelalter
Lokales Prignitz Markt im Mittelalter
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00:17 27.07.2016
Die beiden Kerle interessierte sich wohl mehr für die Maid als für ihr Handwerk. Quelle: Kerstin Beck
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Perleberg

Samstagmittag im Perleberger Hagen: Trotz der Hitze kommen immer mehr Schaulustige, die sich das Spektakel auf dem Festplatz nicht entgehen lassen wollen, denn hier ist das Mittelalter angesagt. Zwei Pferde haben es besonders gut: Sie dürfen im Schatten grasen.

Innerhalb der „Zeltstadt“ herrscht reges Treiben, Geschrei und Musik sind zu hören, Händler preisen Waren an, dazu ertönt Waffengeklirr. Beim Näherkommen sind zwei bis auf die Zähne bewaffnete Ritter zu sehen, die natürlich um eine holde Maid kämpfen, die vermutlich um beide Helden zugleich bangt.

Dafür, dass die Jungfrau auch möglichst lange eine solche bleibt, gibt es eine handfeste Vorrichtung - einen eisernen Keuschheitsgürtel - der an einem Stand, wo auch andere perfide Folterinstrumente wie Hand- und Daumenquetsche vorgeführt werden, zu besichtigen ist. „Bitte binden Sie den Lesern aber keinen Bären auf, denn es ist nicht erwiesen, dass es so etwas überhaupt gegeben hat. Es gibt lediglich einen ledernen Grabfund aus Italien von 1511!“ heißt es weiter.

Und um am Leben zu bleiben, heißt es hier nun „fresset und saufet, so lange etwas hineingeht“, und da gibt es Würste, Geselchtes, Kringel und Fladen, Bier und Eis.

An einem anderen Stand betätigt eine andere junge Dame eine Wippdrechsel, zwei bärtige Kerle, die sich sicherlich auch bald um die Schöne streiten werden, schauen zu. Dieses Handwerk erreichte im Hochmittelalter seine Blüte, zur Verwendung kamen frische heimische Hölzer, die zu allen möglichen Gegenständen verarbeitet wurden. Einige Meter weiter wird mit flachen Holzstücken gewerkelt. Hier entstehen Daubenschälchen, die im Mittelalter als Teller und Schalen Verwendung fanden. Und ob es nicht ohnehin heiß genug ist: Unweit der „Wippe“ gibt es eine Feldschmiede, an der ein Meister seines Faches lediglich aus Holzkohle gefährliche lange Messer herstellt. „Das ist aber nix zum Karnickelschlachten“, kommentieren zwei interessierte Besucher das Geschehen. „Nein, viel gefährlicher, und deswegen dürfen Sie hier nur schauen, nicht kaufen“, entgegnet der Lupfer-Schmied Christian Kunert, der aus Bad Hersfeld angereist ist. „Das ist ein Sax, der von Bauern getragen werden durfte!“

Ob es ihn wirklich gab, ist fraglich, jedenfalls wird hier der eiserne Keuchheitsgürtel gezeigt. Quelle: Kerstin Beck

Viel ungefährlicher dagegen ist das mundgeblasene dünne Waldglas, leicht wie eine Feder, zerbrechlich, aber ungemein schön. Leider sind die Preise dementsprechend.

Erschwinglich dagegen ist ein von einem aus Freiberg angereisten Münzschmied, „der einzigen Stadt, die nicht von den Schweden im 30jährigen Krieg eingenommen wurde“, hergestellter Perleberg-Taler. Aber soweit sind wir ja noch gar nicht. Wir sind ja momentan noch im 12. bis 15. Jh., denn die Gruppe Gugelhupf erfreut die Gäste mit originalen Marienliedern aus dieser Zeit.

Bürgermeisterin Annett Jura ist mit ihrer Tochter gekommen. „Ich freue mich, dass hier zwei Leute dabei sind, ohne die das hier überhaupt nicht geht!“ – und die auch verkleidet sind: der eine ist der „Perleberger Roland“ alias Martin Tetschke aus Steinberg und die andere ist Sylvia Gotthild aus Weilburg an der Lahn, angetan in einem gotischen Gewand, die das schaulustige und gleichzeitig lehrreiche Treiben, zu dem sie übrigens viele fast echte „mittelalterliche“ Schausteller aus der Nähe von Prag heranholte, organisiert hat. Und warum überhaupt eine 777-Jahr-Feier? „Da wurde ich, als ich vor zwei Jahren im Wahlkampf war, von mehreren Bürgern gefragt, ob ich 2016 so etwas veranstalten würde“, erzählte Annett Jura dazu. „Und nun habe ich mein Versprechen gehalten und freue mich, dass das Fest für alle etwas bringt!“

Von Kerstin Beck

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