Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Meyenburg Geschichten aus der Bibel als Rezeptvorlage
Lokales Prignitz Meyenburg Geschichten aus der Bibel als Rezeptvorlage
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 28.02.2019
Unter der Leitung der Armenierin Elina Bator (l.) wird die gemeinsame Mahlzeit vorbereitet. Quelle: Kerstin Beck
Meyenburg

Es ist Sonntag, 11.30 Uhr. Der Gottesdienst im Meyenburger Pfarrhaus ist beendet, doch nach Hause streben nur wenige Besucher. Dafür sind noch einige Perleberger eingetroffen, denn es schließt sich etwas an, was auf unkonventionelle Weise Gemeinschaft schaffen soll: ein Mittagessen, das von allen Beteiligten auch vorbereitet wird.

Die Zutaten für das biblische Mahl liegen bereit, und eine Bibel gehört auch dazu. Quelle: Kerstin Beck

Antje und Anjum Khan aus Meyenburg sind von Anfang an – jetzt also das dritte Mal – mit dabei. „Weil es Spaß macht, unsere kirchliche Gemeinde stärkt, man immer neue Gesichter sieht und das Essen herrlich schmeckt“, zählt die Tierärztin ihre Beweggründe auf.

Daniel wird in die Löwengrube geworden

Es soll Tocoma (mit Hack gefüllte Weinblätter), einen Gemüsesalat, Hatchapuri (mit Käse gefülltes Fladenbrot), Joghurtcreme sowie als Nachspeise Halwa geben. Doch zunächst wird aus der Bibel gelesen. Leon Bator trägt die Geschichte von Daniel vor, der von seinen Feinden in die Löwengrube geworfen wurde, weil er seine Gebete an Gott und nicht an König Darius, wie es das Gesetz vorgeschrieben hatte, gerichtet hat – und dennoch den Kerker bei den Raubtieren unversehrt überlebte.

Gemeinsam wird nun in fröhlicher Runde gegessen - und die armenische Gerichte schmecken vorzüglich. Quelle: Kerstin Beck

„Vermutlich hat sich diese Geschichte in Armenien abgespielt, und so soll es heute auch armenische Gerichte geben“, ergänzte der aus Ostpreußen stammende Meyenburger. Und da Ehefrau Elina eine gebürtige Armenierin ist, wird authentisches Essen gekocht.

Täglich frische Gerichte

Eigentlich ist Elina Bator gelernte Schneiderin und Modedesignerin. „Aber für die Familie mache ich täglich frisch zubereitete Gerichte, zu denen es auch eine Suppe gibt, und am Abend wird oft ein Salat serviert“, erzählt die leidenschaftliche Köchin fröhlich.

Alles, was jetzt gebraucht wird, steht auf dem Tisch: Kartoffeln, Möhren, Rote Bete, Kidney-Bohnen, Sauerkraut, Weinblätter, Fleisch, Olivenöl, Mehl, Joghurt, Zucker, Nüsse – und vor allem Zwiebeln. Diese werden klein gehackt und angebraten, denn sie geben dem Salat seinen Pfiff.

Zu viel Mehl im Fladenteig

„Und dann müssen wir zuerst das Fleisch verwenden und zugleich das Halwa machen“, rät die in Baku geborene Ehefrau, die überall ihre Augen hat und allen Küchenhelfern gern ihre Kniffe verrät: „In das Hackfleisch kommt zuletzt ein bisschen Wasser - aber so eiskalt wie möglich!“

Inzwischen duftet es schon aus der Küche und bald ist klar, dass das Halwa etwas Sensationelles mit Suchtfaktor ist. Etwas schwierig gestalten sich die Fladen, denn Tochter Berit war mit dem Mehl etwas zu großzügig. Dennoch gelingt es, große, dünne Scheiben auszurollen, die mit einem Gemisch aus Weißkäse, Mozzarella, Schalotten und Eiern belegt, verschlossen und wiederum ausgerollt werden. Und dann ab in die mit einem Deckel versehene Pfanne. Längst ist nun der herrlich gelb-, orange-, rot-, hellbraun- und bordeauxfarbige Salat fertig, der definitiv auch die doppelte Anzahl Esser satt machen würde.

Wochenmarkt mit vielen Kräutern

Aus der großen Schale mit klein geschnittenem Obst bedient sich schon jetzt jeder, denn damit wird der Appetit auf das Kommende nur noch größer.

Auch die Unterhaltung kommt nicht zu kurz: Es geht ums Essen allgemein, um Armenien und die dortige Vielfalt an Obst, Gemüse und Gewürzen. „Dort gibt es auf den Märkten riesige Mengen an Petersilie, Sauerampfer, dunklem Basilikum, Thymian, Dill, Schnittlauch und anderen Kräutern – insbesondere Koriander. Das vermissen wir hier ungemein!“, erzählen die Bators, die auch eine Anekdote parat haben: „Als wir noch in Mecklenburg wohnten und uns frische Brennnesseln für unser Essen schnitten, wollten uns die Leute Geld geben, weil wir wohl kein Geld hätten, um uns etwas „Richtiges“ zu kaufen. Dabei sind Brennnesseln doch so gesund.“

Kochrunde benötigt Geschirr, Kochtöpfe und Besteck

Nach drei Stunden Arbeit ist alles fertig und wird in Schüsseln aufgetragen. Dann gibt es ein kurzes Gebet und nun wird nur noch geschwelgt. Die Frage an die Kinder, was denn besser schmecken würde, das Essen beim „Schotten“ oder das hier, wird eindeutig beantwortet. „Na, das hier doch!“

Gegen 16.30 Uhr – nach köstlicher Halwa und armenischem Kaffee – ist die sonntägliche erlebnisreiche Runde zu Ende. Doch es geht ja weiter: am 31. März sowie am 15. Mai. Und ganz zuletzt haben die Bators noch eine Bitte: „Wir brauchen unbedingt noch mehr Geschirr, Kochtöpfe und Bestecke. Wer zu viel davon hat, kann es gern an das Meyenburger Pfarrhaus spenden, denn es ist ja für einen guten Zweck.“ Und wer beim nächsten Mal dabeisein möchte, sollte sich anmelden: 033968/84 98 68 oder 01525/2 63 38 71.

Von Kerstin Beck

Mit dem Kinderkarneval startete der Meyenburger Carnevals Club am Samstag in die diesjährige Veranstaltungsreihe. Kindergeschichten standen bei den jungen Gästen im Vordergrund. Weitere Veranstaltungen folgen.

19.02.2019

Drei Insassen verletzten sich am Mittwochnachmittag bei einem Unfall zwischen Halenbeck-Rohlsdorf und Brügge. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei sind vor Ort. Erste Ermittlungen zur Unfallursache laufen.

09.02.2019

Krimiautorin Anja Feldhorst aus Krempendorf plant für eine Geschichte den perfekten Giftmord. Damit sie das auch richtig macht, holt sie sich Rat bei Kräuterfrau Cordula Schoenegge in Buddenhagen.

07.02.2019