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Meyenburg Kommune kann den See nicht kaufen
Lokales Prignitz Meyenburg Kommune kann den See nicht kaufen
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16:05 26.06.2018
Idyllisch: Die Menschen in der Region verstehen nicht, warum der Flachlandspeicher Sadenbeck womöglich zurückgebaut werden soll. Quelle: Beate Vogel
Halenbeck/Sadenbeck

Die Gemeinde Halenbeck-Rohlsdorf lehnt einen Kauf des Flachlandspeichers Sadenbeck ab. Das haben die Gemeindevertreter am Montagabend beschlossen – einstimmig. Das Finanzministerium des Landes Brandenburg hatte der Kommune im Mai mitgeteilt, dass kein Interesse am Erhalt des Gewässers besteht. Auch als Biotop sei der See nicht wertvoll, so die Auskunft. Die Alternativen aus Potsdamer Sicht: Die Gemeinde kauft den Speicher oder das Land baut ihn zurück.

Seitdem verhärten sich die Fronten. Die Menschen in der Region haben Angst, dass sie ihren Speicher verlieren. Sie sind wütend und können die Argumentation nicht nachvollziehen. Der 1986 angelegte Speicher ist für sie Naherholungsgebiet und Angelparadies. Warum das Land ihn zurückbauen will, können sie nicht verstehen.

Die Menschen sind aufgebracht

Einer dieser aufgebrachten Menschen ist Hans-Joachim Knablowski aus Brügge. Er ärgert sich maßlos über die Mitarbeiter in den Landesministerien: „Das ist doch keine politische Umgangsform“, sagt er. Würde der Speicher zurückgebaut, wäre das für ihn eine Zerstörung des ländlichen Raumes. Das Klima wandelt sich, das Land versteppt, sagt er: „Und wir haben hier in der Region viel zu wenig Oberflächenwasser.“ Solche Entscheidungen führen dazu, dass die Menschen immer verdrossener werden, findet er.

Erst 2014 hatte das Land den Flachlandspeicher Sadenbeck nebst Staumauer im Rahmen des Bodenordnungsverfahrens übernommen. Nun will es das Gewässer für 1,9 Millionen Euro zurückbauen. Ziel ist, über Jahre anfallende Kosten zu sparen. Der Wasser- und Bodenverband und der Landesanglerverband hatten gemeinsam eine Lösung angeboten: Der eine würde das Gewässer übernehmen und der andere es pflegen. Kaufen könnten sie es aber nicht. Der Kreisanglerverband Prignitz hat mittlerweile einen offenen Brief an Ministerpräsident Dietmar Woidke geschickt, in dem er um den Erhalt des Sadenbecker Speichers bittet.

Wegen der Höhe der Staumauer eine Talsperre

In die Gemarkung der Gemeinde Halenbeck-Rohlsdorf gehört laut Meyenburgs Amtsdirektor Matthias Habermann seit der Bodenneuordnung die gesamte Wasserfläche, die Staumauer dagegen fällt in die Gemarkung des Pritzwalker Ortsteiles Sadenbeck. Wegen der Höhe eben dieser Mauer wird das Gewässer als Talsperre eingestuft, erklärt Habermann: „So steht es im Brandenburgischen Wassergesetz.“

In Paragraf 94, Bau und Betrieb von Talsperren, ist festgelegt, dass ein Staugewässer als Talsperre gilt, wenn die Höhe des Absperrbauwerkes von der Sohle bis zur Krone mehr als fünf Meter beträgt oder das Speicherbecken mehr als eine Million Kubikmeter umfasst. Beides trifft zu. Damit sind höhere Auflagen verbunden, die keiner will. Da hilft es wohl auch nicht, dass der Wasserstand reduziert wurde und laut Hans-Joachim Knablowski nun bei etwa 800.000 Kubikmeter liegt.

Landkreis will keinen Rückbau

Die Kommunen Halenbeck-Rohlsdorf und Pritz­walk sahen sich im Mai unter Druck gesetzt, rasch eine Entscheidung zu treffen. Für ein Gewässer dieser Größe kann Halenbeck-Rohlsdorf indessen finanziell nicht aufkommen. Zumal das Land laut Meyenburgs Amtsdirektor Habermann darauf hingewiesen habe: „Wer das Gewässer übernimmt, soll sich Gedanken machen, dass er die Staumauer saniert und zurückbaut.“ Das soll 830.000 Euro kosten.

„Zu diesen Konditionen ist eine Übernahme für die Kommune nicht möglich“, erklärte Habermann nun noch einmal. Das sehen die Gemeindevertreter von Halenbeck-Rohlsdorf genauso. Primäres Ziel sollte sein, dass das Land sich zu seinem Eigentum bekennt.

Staatssekretärin bietet Gespräch an

Inzwischen gab es mehrere Treffen vor Ort. Anfang Juni hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Jan Redmann eingeladen. Zuletzt war vergangenen Samstag der blaue Robur-Bus von Brandenburg Aktuell am See. 200 Menschen hatten sich eingefunden, um für ihren Stausee zu kämpfen. Sabine Kramer, zweite Beigeordnete des Landkreises Prignitz, stellte sich vor der Kamera hinter die Bürger: „Wir sind dagegen, den See trocken zu legen.“ Für eine Übernahme seitens des Kreises sei kein Geld da.

Im RBB-Beitrag rückte Daniela Trochowski, Staatssekretärin im Finanzministerium, von der bisher harten Haltung ab: „Es gibt die Bereitschaft des Landes, einen anderen Weg zu gehen als den ursprünglich geplanten.“ Dazu solle es ein Treffen am 1. August geben. Amtsdirektor Habermann setzt keine großen Hoffnungen in den Termin.

Von Beate Vogel

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