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Meyenburg Prignitz-Apotheke feiert 225 Jahre
Lokales Prignitz Meyenburg Prignitz-Apotheke feiert 225 Jahre
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12:37 12.10.2018
Inhaber Jörg Amelung mit seinen Mitarbeiterinnen Andrea Hildebrandt (links) und Stefanie Schmalfeld. Quelle: Stephanie Fedders
Meyenburg

Der stete Wandel im Geschäftsleben hat auch in Meyenburg seine Spuren hinterlassen. Viele Läden haben die Einwohner eröffnen und auch wieder schließen sehen. Eine Institution hat sich jedoch über all die Jahre gehalten. Genauer gesagt, über die Jahrhunderte.

225 Jahre ist es her, dass sich in der Stadt am nördlichen Rand der Prignitz eine Apotheke niedergelassen hat. Eine Kopie der Urkunde, mit der der preußische König Friedrich Wilhelm II das „Privilegium zur Anlegung einer Apotheque“ dem „Kandidaten Pharmaciae“ Johannes Friedrich Petrus Koeppen erteilt hat, hängt heute an der Wand im Eingangsbereich.

Einen Bruchteil dieser langen Zeit, 15 Jahre, hat der jetzige Inhaber Jörg Amelung bislang miterlebt. Er übernahm die Apotheke am 1. Januar 2003 von Erika und Jürgen Bleissner. Ein Aushang an der Tür informiert die Kunden über das Jubiläum. Auf ein genaues Datum hat Amelung aber verzichtet. Obwohl die Geschichte der in Meyenburg tätigen Apotheker gut dokumentiert ist, kann der Tag der Eröffnung nicht mehr nachvollzogen werden. Noch bevor der bedauernswerte Koeppen seine ersten Kunden begrüßen konnte, wurde die gesamte Apothekeneinrichtung ein Raub der Flammen beim großen Stadtbrand am 30. August 1793.

Die Apotheke in Meyenburg

Die Geschichte des Apothekenwesens in Meyenburg hat Stadtchronist Ernst Witte aus Anlass des 200jährigen Jubiläums im Jahre 1993 zusammengefasst. Am 4. Mai 1992 eröffnete das Apotheker-Ehepaar Erika und Jürgen Bleissner die Apotheke in der Marktstraße 13, wo sie sich bis heute befindet.

Nach der Wende 1990 und der Privatisierung wurden zunächst die Räume in der Marktstraße 8, Ecke Kurze Straße genutzt.

Heute steht das Gebäude leer.

Ein Blick hinter die Kulissen in der Marktstraße 13 zeigt, dass sich Handarbeit und moderne Technik nicht ausschließen müssen. Gleich hinter dem Kassenbereich hat Apothekerin Stefanie Schmalfeld ihren Arbeitsplatz. Dort stellt die Meyenburgerin Salben, Kapseln oder Zäpfchen her. „Wir sind nach wie vor verpflichtet, Arzneien anzufertigen, wenn wir sie nicht vorrätig haben“, erklärt Jörg Amelung. Schmalfeld legt erst los, wenn das Rezept vorliegt. Auf Vorrat wird nicht produziert.

Ein paar Meter weiter ist das Reich des Kollegen Computer. Auf wenigen Metern Fläche hat Amelung ein vollautomatisches Warenlager einbauen lassen. Ein „technisches Wunderwerk“, sagt er nicht ohne Stolz, so etwas habe nur jede siebte Apotheke in Deutschland. In mehr als 30 Schubladen liegen Medikamente. Chaotisch eingelagert.

Blick in das automatische, computergesteuerte Warenlager. Quelle: Stephanie Fedders

Wo was liegt, weiß nur der Computer. Mit einem Saugnapf am Greifer hebt er die Packung aus der Schublade und wirft sie in das Ausgabefach. So bleibt den Mitarbeiterinnen mehr Zeit für die Kunden. Was nicht vorrätig ist, wird im Großhandel bestellt und nach drei Stunden bereits geliefert. Drei Kurierfahrer sind für die Prignitz-Apotheke im Einsatz.

Die typischen Aufbewahrungsflaschen aus braunem Glas und die grauen Gefäße mit lateinischer Schrift stehen auch noch in den Regalen. Sie sind aber nur noch Zierde, hübsch anzusehen, auch für die Kunden. Jörg Amelung kann sich daran erinnern, dass diese Ausstattung während seiner Praktikumszeit in Gebrauch war. greifen die Mitarbeiterinnen nur noch im Labor in den Schrank mit mehr als 100 Reagenzien – Chemie, aufbewahrt in kleinen Glasbehältern, die zur Prüfung der Grundsubstanzen dient, bevor diese zu Arzneien verarbeitet werden. Das antike Wasserbad und die Heilpflanze Phytolacca, eine Kermesbeere, die draußen im Garten blüht, sind ebenfalls Relikte aus einer früheren Zeit.

Hier war bis 1992 die Apotheke zuhause, in der Marktstraße 8 Quelle: Stephanie Fedders

Ein Wandel ist auch im Bereich Service zu merken. Amelung und sein Team beraten die Kunden heute verstärkt zu Medikamenten und ihren Wirkungen. Auch hier hilft der Computer mit Daten und zeigt an, wenn Patienten mehr als eine Arznei gleichzeitig einnehmen. Kaum geändert haben sich über die Jahre die typischen Krankheitsbilder. „Hoher Blutdruck, Diabetes und Cholesterin sind immer noch die Klassiker“, weiß Jörg Amelung.

Der 67-Jährige, der in Osterburg in der Altmark geboren wurde, bildet auch aus – Pharmazeutisch-technische Assistenten. Das Interesse an solch einem Ausbildungsplatz in Meyenburg hält sich aber in Grenzen. Nicht zuletzt, weil für die theoretische Ausbildung lange Wege zu den Schulen notwendig sind. Neben Stefanie Schmalfeld gehören derzeit Andrea Hildebrandt, Sabine Helm, Sabrina Hann und Doris Raschke zur Belegschaft. Im kommenden Jahr können sie wieder ein Jubiläum feiern. Dann steht der Chef seit 50 Jahren im Berufsleben. Und es werden wohl noch ein paar Jahre dazukommen. Einen Nachfolger hat Jörg Amelung noch nicht gefunden.

Von Stephanie Fedders

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