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Meyenburg Wenn der Wolf durch die Heide streift
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00:38 19.05.2018
Ein Wolf steht in Thale (Sachsen-Anhalt) im Tierpark Hexentanzplatz in seinem Gehege. Quelle: DPA
Meyenburg/Jännersdorf

Lange hat Karsten Neumann mit den Achseln gezuckt, wenn er wieder einmal eine Geschichte über eine Wolfssichtung hörte: „Wie kann es sein, dass einer einen Wolf sieht, wenn er zweimal im Jahr zur Jagd in den Wald geht, während ich fast jeden Tag im Revier unterwegs bin und keinen sehe?“

Im Januar hatte der Wolfsbeauftragte im Bereich der Oberförsterei Bad Wilsnack und Revierförster im Revier Krempendorf dann Glück – und sah zum ersten Mal in seiner Försterlaufbahn mit eigenen Augen Wölfe in der Jännersdorfer Heide. Deutlich sind die grauen Tiere auf dem Handyvideo zu sehen, das Neumann vom Hochsitz aus gemacht hat.

Alttiere mit Jungwölfen gesichtet

Der Waldbesitzer – die Firma Blauwald aus Süddeutschland – hatte zur Jagd geblasen. Das habe die Wölfe vielleicht beunruhigt. „Zuerst sah ich einen, etwa 500 Meter entfernt. Nach einer Viertelstunde kamen zwei Wölfe bis auf 200 Meter auf mich zu“, erzählt Neumann, ein bisschen stolz.

Von da an sah der Revierförster überall immer mal wieder Wölfe: einmal zwei Alttiere mit drei Jungen, dann zwei Alttiere mit zwei Jungwölfen. Mal nachmittags, mal in der Nacht. Daraus könne man schließen, dass sich zwei Familienverbände in der Gegend aufhalten, meint der Förster.

Beobachten und Fakten sammeln

„Solche Sichtungen melden wir an die Naturschutzstation Zippelsförde“, erklärt Neumann. Auch Meldungen, die ihm von Privatleuten zugetragen werden, leitet er weiter. Denn das ist seine Aufgabe als Wolfsbeauftragter: beobachten und Fakten sammeln. Das tut er auch für den Jagdverband Pritz­walk. In Zippelsförde werden diese Daten für den Norden Brandenburgs zusammengetragen.

Schon lange weiß der Förster, dass in seinem Revier Wölfe unterwegs sind. Immer wieder stößt er auf Losung oder Trittspuren. Auch Risse werden erfasst, vor allem, wenn es Nutztiere sind. Alles wird dokumentiert, Kot schickt der Förster ein, damit die DNA bestimmt werden kann. „Leider bekommen wir dann nur spärlich Rückmeldungen“, bedauert Karsten Neumann.

Wolf bleibt ein Reizthema

Der Wolf (Canis Lupus) ist wegen seiner Verbreitung als Art nicht gefährdet. Die Art galt aber in großen Teilen Europas lange als ausgestorben.

Im Washingtoner Artenschutzabkommen ist der Wolf als gefährdete Tierart aufgeführt. Gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz steht der Wolf unter strengem Schutz und unterliegt außer in Sachsen nicht dem Jagdrecht. Dort wird er ganzjährig geschont.

Konflikte mit den Wölfen, die sich auch in Brandenburg nach und nach wieder ansiedeln, gibt es vor allem wegen der Nutztierrisse. Schutzmaßnahmen können dort Elektrozäune oder Herdenschutzhunde sein.

Wölfe können auch Menschen angreifen. Viele der dokumentierten Angriffe sind mit Tollwut zu begründen. Mitunter sind Hunde der Auslöser für aggressives Verhalten der Wölfe. Manche Ursachen für Angriffe durch Wölfe bleiben ungeklärt.

In der Kultur spielt der Wolf seit Jahrtausenden eine Rolle: Viele Indianerstämme verehren ihn als Totem, den Türken galt die Wölfin als Urmutter. In der Bibel wird der Wolf als gefährliche Bestie dargestellt. In der germanischen Mythologie verschlingt der Wolf zu Beginn der Götterdämmerung den Mond, später Odin.

Derzeit hält ein Schäfer aus Porep seine Herde in der Jännersdorfer Heide. „Er hat aber keine Anzeichen, dass die Wölfe zurzeit da sind“, sagt der Wolfsbeauftragte. Vor zehn Jahren hatte es die Herde von Hartwig Stockfisch arg erwischt: Mehrere Schafe wurden gerissen. Da waren Wölfe ganz neu in der Gegend. Inzwischen hat der Schäfer zwei große, weiße Herdenschutzhunde und elektrische Zäune (die MAZ berichtete).

„Die Hälfte der Wolfsangriffe geht auf Fehler oder Unzulänglichkeiten der Nutztierhalter zurück“, meint Revierförster Neumann. „Viele der Probleme sind hausgemacht.“ Freilich sieht auch Neumann die Gefahr dass der Wolf sich Schafe holt, weil er merkt, dass das viel bequemer ist, als Rehe zu jagen. „Man muss versuchen, alles nur Mögliche zur Abwehr zu tun.“

Entschädigungsverfahren müssen schneller gehen

Dass bei vielen Tierhaltern Frust oder gar Wut in Sachen Wolf aufkommt, kann Neumann zum Teil nachvollziehen: „Die Entschädigungsverfahren müssten viel schneller gehen, und bei Rissgutachten sollte man eher zugunsten des Landwirtes entscheiden.“ Wenn der aber bis zu einem halben Jahr auf eine Entscheidung warten muss, kommt schon mal Frust auf.

Der Krempendorfer Revierförster Karsten Neumann hält zur Dokumentation Wolfsfährten in der Jännersdorfer Heide fest. Quelle: Privat/Forst Brandenburg

Auch Jäger sollten ihr Verhalten nun umstellen, rät der Forstmann: In jüngster Zeit häufen sich Meldungen, wonach bei Drückjagden Hunde zu Schaden gekommen sind. „Wenn ich weiß, dass es hier Wölfe gibt, würde ich meinen Hund nicht zum Stöbern in den Wald schicken.“ Überhaupt sei es wenig ratsam, seinen Hund frei im Wald laufen zu lassen: „Vor allem in der Ranzzeit von Januar bis März und wenn wie jetzt die Jungtiere da sind.“ Da sehe der Wolf den Hund als Konkurrenten.

Schon zu DDR-Zeiten gab es Wölfe

Mitunter entpuppen sich Wolfssichtungen als Verwechslung, weiß der Förster. So gebe es eine Menge Mischlinge aus Schäferhund und Wolf: Der eine ist auf den Menschen geprägt, der andere ein Wildtier. „Das ist schwierig.“

Die jüngste Meldung, die bei dem Wolfsbeauftragten einging, ist gerade zwei Wochen alt: Auf einer Fläche zwischen Meyenburg und Frehne, auf der Rüben gelagert waren, glättete ein Landwirt den Untergrund Erde, als ihn ein Wolf beobachtete. Deutlich ist das Tier auf den Handyfotos zu sehen.

Angst, in den Wald zu gehen, hat Förster Neumann nicht: Schon zu DDR-Zeiten habe es Wolfsnachweise gegeben. „Wenn man einen Wolf sieht, ist es am besten, langsam den Rückzug anzutreten und dabei laute Geräusche zu machen“, rät er.

Neumann rät, nicht hinter vorgehaltener Hand, sondern offen mit dem Thema umzugehen: „Wir wissen doch noch gar nicht genau, wie viele Wölfe es gibt. Und nur so bekommen wir verlässliche Zahlen.“

Von Beate Vogel

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