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Prignitz Milchbauern leiden unter dem niedrigen Preis
Lokales Prignitz Milchbauern leiden unter dem niedrigen Preis
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00:17 27.06.2016
Andreas Kiekback, Vorstand der Agrargenossenschaft Mesendorf mit Sitz in Kuhbier, vor einem der Rinderställe. Quelle: Andreas König
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Kuhsdorf

Nein, bei den jüngsten Demonstrationen in Potsdam oder Berlin war er nicht dabei. Andreas Kiekback wüsste weder, was das bringen sollte noch hat er die Zeit dafür. Der 35-Jährige ist einer von zwei Vorständen der Agrargenossenschaft Mesendorf, die ihren Hauptsitz in Kuhsdorf hat. Wie fast alle Milchbauern leidet die Genossenschaft unter dem aktuell sehr niedrigen Milchpreis, aber bei Protesten dagegen war kein Vertreter dabei.

„In der Landwirtschaft redet man gern vom Schweinezyklus“, erklärt Gerd Rivinius, das zweite Vorstandsmitglied. Wenn die Preise für Schweinefleisch hoch sind, wird investiert, um mehr Fleisch zu erzeugen, was wiederum zeitverzögert den Preis drückt. „So ähnlich ist es mit dem Milchpreis auch, besonders nach dem Wegfall der Milchquote“, sagt Gerd Rivinius. Daher glauben die beiden Vorstände der Agrargenossenschaft Mesendorf auch nicht, dass kurzfristige beschlossene Hilfen an dem grundsätzlichen Problem der Überproduktion etwas ändern können, im Gegenteil. „Der Markt muss es richten und er wird das auch“, ist Andreas Kiekback überzeugt. Allerdings werden bei diesem Prozess Betriebe und damit Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben.

Die Agrargenossenschaft beschäftigt 16 Mitarbeiter

Die Agrargenossenschaft Mesendorf beschäftigt gegenwärtig 16 Mitarbeiter. Fünfeinhalb Stellen gibt es in der Tierproduktion. Mit 250 Milchkühen ist der Bestand weder klein noch groß zu nennen. 5600 Liter Milch am Tag geben die Milchkühe. Beliefert wird damit das Deutsche Milchkontor in Waren (Müritz).

„Unsere wirtschaftliche Lage ist angespannt, aber nicht prekär“, sagt Andreas Kiekbach. Das liege vor allem daran, dass Investitionen zurückgestellt wurden und Verluste in einem Bereich mit den Erlösen aus anderen Betriebsteilen ausgeglichen werden konnten. „Aber das geht natürlich auch nur, so lange beispielsweise in der Pflanzenproduktion Gewinne erwirtschaftet werden“, sagt Gerd Rivinius. Mit dem Roggenanbau in besonderer Qualität für die Firma Burger Knäcke hat man zwar eine Nische besetzt, doch dieses recht spezielle Produkt kann nicht in jedem Jahr die Verluste in anderen Geschäftszweigen kompensieren.

Überangebot an Milch

„Derzeit bekommen wir 20 Cent für den Liter Milch“, sagt Andreas Kiekback. „Wenn wir investieren wollten, müssten es wenigstens 32 bis 33 Cent sein. Und wenn dann auch eine gewisse Rendite herauskommen soll, wie sie ja nun einmal jedes Wirtschaftsunternehmen anstrebt auch um Rücklagen für schlechtere Zeiten bilden zu können, dann landet man schnell bei den 40 Cent.“ Doch davon sei der Markt wegen des Überangebots weit entfernt.

Christina Stettin, Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Prignitz, sieht das Hauptproblem bei der Vormachtstellung des Lebensmitteleinzelhandels. „Da müsste der Gesetzgeber ansetzen. Solche Hilfen, wie die 100 Millionen, die jetzt vom Bundeslandwirtschaftsminister gewährt werden, sind bestenfalls eine Art Sterbehilfe. In den Betrieben kommen höchstens ein paar tausend Euro an. Das genügt nicht.“

Die Zahl der Milchkühe in der Prignitz ist recht stabil

Trotz düsterer Zukunftsaussichten ist die Zahl der Milchkühe im Kreis noch relativ stabil. Im Jahr 2015 waren 20 205 Milchkühe in Prignitzer Betrieben vorhanden. Bestätigt sei bislang erst der Abgang von 150 Milchkühen in Tüchen. „Das ist das beste Beispiel“, sagt Andreas Kiekback. „Die Rinder sind zwar verkauft, aber nicht geschlachtet worden. Sie erzeugen jetzt eben Milch in Niedersachsen.“ Das löse das Problem nicht. Aus Sicht der Kuhsdorfer wäre der einzig sinnvolle Schritt, milcherzeugenden Landwirten den Ausstieg zu erleichtern.

„Den Rest erledigt dann der Markt“, sagt Andreas Kiekback. Für die Mesendorfer Genossenschaft sei eine Existenz ohne Milchvieh denkbar „Aber dann sicher nicht mehr mit der Zahl von Arbeitskräften“, ergänzt Gerd Rivinius.

Opfer wird es geben. Die Prignitzer Landwirte können nur hoffen, dass sie nicht darunter sind.

Von Andreas König

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