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Prignitz Milchquote macht Produzenten zu schaffen
Lokales Prignitz Milchquote macht Produzenten zu schaffen
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00:17 04.07.2016
Glückliche Kühe: In den offenen Ställen können die Tiere frei herumlaufen. Quelle: Beate Vogel
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Giesenhagen

Dreimal hat die Agrargenossenschaft Gerdshagen (Amt Meyenburg) die Milchviehställe auf dem Hof in Giesenhagen modernisieren lassen. „Alles mit Fördermitteln der Europäischen Union“, sagte Geschäftsführer Frank Spitzner. Jetzt, so scheint es, lohnt sich die Milchviehhaltung kaum mehr. Mit der Abschaffung der Milchquote im vergangenen Jahr sind die Preise bekanntlich so gefallen, dass sie die Kosten der Produzenten nicht mehr decken. Das Geld ist verbrannt.

In Giesenhagen stehen im Schnitt 250 Milchkühe, mit den Jungrindern sind es rund 550 Tiere. Die Agrargenossenschaft betreibt außerdem Ackerbau und unterhält seit 2013 eine Biogasanlage mit einer Leistung von 370 Kilowatt. 2007, 2012 und 2014 hat die Agrargenossenschaft je einen Stall im Sinne des Tierwohls umgebaut: „Die Kühe liegen jetzt auf Tiefliegeboxen, das Stallklima wurde verbessert, indem wir die Seitenwände herausgenommen und Jalousien eingebaut haben.“ Und es gibt Kuhbürsten: Stationen, an denen sich das Vieh von einer rotierenden Borste den Rücken kraulen lassen kann. „Sie haben auch eine Dusche, da stellen sie sich gern drunter, vor allem, wenn es richtig heiß ist“, erklärt der 49-Jährige.

Vor der Abschaffung der Milchquote hieß es, „die Milch soll eine Stütze sein für die Landwirte in der Prignitz“, erzählt Frank Spitzner. Weil die Böden so mager sind. „Die Milchproduktion machte in unserem Betrieb mal mehr als 40 Prozent des Umsatzes aus, jetzt sind es aufgrund des Milchpreises nicht mal mehr 20 Prozent.“ Für den 49-Jährigen ist klar: „Wir hätten schon keine Milchkühe mehr, wenn die Biogasanlage nicht Gülle und Mist bräuchte.“ Seit 2012 gebe es im Erneuerbare-Energien-Gesetz den „Maisdeckel“ für Biogasanlagen, der besagt laut Spitzner, dass mindestens 60 Prozent der Biomasse aus Gülle und Mist kommen müssen. Ein Teufelskreis.

„Unser Minus wäre noch größer, wenn wir kein Milchvieh hätten“, erklärt der Chef der Agrargenossenschaft. Dann müsste der Betrieb Mist und Gülle importieren. „Das ist aber nicht so einfach von heute auf morgen. Es dauert lange, bis dafür die Genehmigung durch ist.“ Immerhin haben die Gerdshagener bisher noch niemanden entlassen. 18 Kollegen arbeiten an den Standorten Giesenhagen, Gerdshagen und Grabow-Buckow. „Aber unsere Verbindlichkeiten wachsen von Tag zu Tag.“

Pro Kuh wird zurzeit ein Minus von mindestens 1000 Euro eingefahren. Dieses Minus gleichen die Erlöse aus der Biogasanlage und aus dem Ackerbau aufgrund der schlechten Preise nicht aus. Derzeit bekommen die Gerdshagener laut Spitzner 20 Cent pro Liter Milch. „40 Cent bräuchten wir.“ Die Betriebe in der Landwirtschaft würden gern mehr Lohn zahlen, aber aufgrund der Lage sei das nicht möglich, meint der 49-Jährige. Gerade gab es wieder eine Versammlung der Milcherzeugergemeinschaft „Nordpool“, der die Agrargenossenschaft angehört. „Wir waren mal 28, jetzt sind es 20. Innerhalb eines Jahres haben acht Betriebe aufgegeben.“

„Die verfehlte Politik hat dazu beigetragen, dass viele Firmen kaputtgehen“, sagt Frank Spitzner. Vor zwei Tagen habe er das erste Mal gehört, dass Molkereien Milch suchen. Die Talsohle sollte eigentlich erreicht sein, „aber wir müssen ja auch wieder raus“. Die Überzeugung des Bauernverbandes von der offenen Milchproduktion teilt der Gerdshagener nicht: „Die Agrarminister der Länder sind sich einig, dass die Milchproduktion gedrosselt werden sollte.“ Auch die Ausgleichszahlungen hält Spitzner für Augenwischerei. Das seien für den einzelnen Betrieb 1400 Euro: „Was bringt das?“ Damit sei das Problem ja nicht gelöst. Betroffen von der Krise seien im Übrigen nicht nur Milchbauern. Auch Landhändler und Landmaschinenhändler leiden, werden ihre Maschinen nicht los, weil keiner investieren kann. Die Ursache der Krise müsse aus seiner Sicht bekämpft werden, und die sei die Überproduktion der Milch.

Für Frank Spitzner ist klar: Die Politik hat versagt. Die Krise habe sich schon 2014 angedeutet. Aus seiner Sicht muss die Politik für soziale Bedingungen in der Landwirtschaft sorgen: „Wo bleibt denn sonst die soziale Marktwirtschaft?“ Im Vergleich dazu hat es bei der Banken- und Automobilkrise nur Monate gedauert, bis die Politik Hilfen beschlossen hat. „In der Landwirtschaft dauert das zwei Jahre, bis dahin ist alles kaputt.“

Von Beate Vogel

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