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Mit der Drahtbürste an die Jahn-Büste

Denkmalschutz auf Pritzwalker Art Mit der Drahtbürste an die Jahn-Büste

Fast könnte man es für ein Barbarossa-Denkmal halten: Seit dieser Woche glänzt das Antlitz von Turnvater Friedrich Ludwig Jahn am Denkmal im Pritzwalker Hagen wieder in schönem kupferrot. Auch der Sockel, der das Denkmal umfasst, ist neu. Hand angelegt haben die Bauhofmitarbeiter Klaus Machner und Kevin Eggert. Weitere Denkmäler sollen folgen.

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Klaus Machner (l.) richtet zusammen mit Kevin Eggert das Jahn-Denkmal im Hagen her.

Quelle: Andreas König

Pritzwalk. Unter dem dunklen Blätterdach des Pritzwalker Hagens lodert der wallende Bart von Turnvater Jahn geradezu. Das kupferne Relief erstrahlt – vom Grünspan befreit – wieder in alter Frische. Das hat der in Lanz (Prignitz) geborene Vater des modernen Volkssports vor allem Klaus Machner zu verdanken. Der 63-Jährige ist selbst eine Art Urgestein im Pritzwalker Bauhof. Seit nunmehr 49 Jahren steht er in denn Diensten der Stadt Pritzwalk.

„Das Denkmal war total von Grünspan bedeckt“, erzählt Klaus Machner. Er nahm sich die Kupferplatte vor und bearbeitete sie mit Bohrmaschine und Drahtbürste. „Das hat bestimmt drei, vier Stunden gedauert“, sagt er. Aber das Ergebnis kann sich sehen und lässt die Mühe vergessen lassen. Die Arbeit im angewandten Denkmalschutz beschränkte sich übrigens nicht nur auf das eigentliche Relief. Auch der Steinsockel und die Umfassung mussten erneuert werden.“

Die Platte, auf der das Denkmal steht, sieht zwar aus wie ein Fundament, aber sie umschließt eigentlich nur die Feldsteine, auf denen das eigentliche Denkmal steht“, sagt Klaus Machner. So fungiert die rosa Sockelplatte als eine Art Ringanker.

Während Turnvater Jahn also bereits die Ehre eines restaurierten Antlitzes zuteil wurde, harrt das Denkmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Pritzwalker noch der Erneuerung. Das heißt, angefangen haben Klaus Machner und seine Kollegen bereits. „Das Denkmal befindet sich in einem schlechten Zustand“, sagt Klaus Machner. Vor allem die Fugen, die seinerzeit aus Mergel gefertigt wurden, hätten sich im Laufe der Jahre in Humus umgewandelt.

„Dadurch wachsen Gras und andere Pflanzen zwischen den Steinen. Das macht das Ganze dann noch instabiler“, sagt Klaus Machner. Die vordringlichste Aufgabe sei es nun, den Denkmalkorpus so wasserdicht wie irgend möglich zu bekommen. Denn eindringendes Waser ist das eigentliche Übel. Es wäscht nicht nur die Fugen aus, sondern entfaltet im Winter bei Frost eine zerstörerische Kraft, in dem es die Steine auseinander treibt. Doch mit dem Abdichten allein ist es auf Dauer nicht getan. auch die kreisrunde Platte, auf der das eigentliche Denkmal steht, zeigt bereits Risse. Genau so sieht es bei den Treppen aus, die zum Denkmal hinführen. Hinzu kommt ein Absinken des Denkmals, so dass ein Gefälle entsteht, das zur Mitte verläuft, also genau dort hin, wo das Wasser nicht entlangfließen soll. „Drei vier Monate“ werde es nach Schätzungen von Klaus Machner bestimmt dauern, bis alles wieder einigermaßen hergerichtet ist. Zu tun wäre sicher noch mehr. Die Inschriften auf den Tafeln mit den Namen der Gefallenen sind nur noch schwer zu lesen.

Denkmäler brauchen Schutz

Kriegerdenkmäler gibt es fast in jedem Dorf. In der Regel sind es Mahnmale, die an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnern.

Zuständig für die Pflege sind in der Regel die Kommunen. Wenn es sich um echte Grabstätten handelt, hilft manchmal der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. In jedem Herbst werden in seinem Auftrag Spenden gesammelt.

Der Denkmalschutz, also die untere Denkmalbehörde, ist in der Regel nicht für Denkmäler im Wortsinn zuständig, sondern für Baudenkmäler aller Art. Allerdings können auch Denkmale unter Denkmalschutz stehen.

Doch im Gebiet der Stadt Pritzwalk und ihren Ortsteilen warten noch weiter Denkmäler darauf, aufgearbeitet zu werden. Dazu zählt unter anderem das Denkmal gegenüber dem sowjetischen Ehrendfriedhof.

Das Kriegerdenkmal in Streckenthin hingegen haben die Mitarbeiter des Bauhofs bereits gesichert. Auch dieses Gedenkstätte war aus den Fugen geraten.

Einige Rätsel bleiben auch nach der Restaurierung. So ziert statt des üblichen Adlers zum Beispiel ein liegender Löwe die Denkmalspitze. Auch die Helme der gefallenen Soldaten sehen auf den ersten Blick nicht aus wie militärische Kopfbedeckung aus dem Ersten Weltkrieg.

Von Andreas König

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