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Prignitz Mit einem halben Opel durch den Sand
Lokales Prignitz Mit einem halben Opel durch den Sand
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18:10 22.07.2016
Als die ersten Häuser in Ellershagen Ausbau entstanden, bestand die im Volksmund genannte „Stalinallee“ noch aus purem Sand. Quelle: Claudia Bihler
Ellershagen

Dort, wo heute einige schmucke Siedlerhäuser, zwei Wohnblocks und ein Armeegelände zu finden sind, dehnten sich vor 60 Jahren noch Felder bis an den Waldrand aus: Ellershagen Ausbau gab es damals, ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch nicht. Die Ereignisse des Krieges gingen dennoch nicht spurlos an Ellershagen vorbei: Das Gutshaus diente 1945 als Flüchtlingsunterkunft: Zwölf Familien waren nach den Wirren des Krieges hier untergebracht worden, 20 bis 25 Kinder tobten herum.

Die ehemaligen Gutsbesitzer wurden bald darauf von der sowjetischen Militäradministration enteignet, die dann die Ländereien für die Flüchtlinge als Siedlungsland zur Verfügung stellte.

„Jeder der Neuellershagener hat damals eine Hofstelle bekommen“, weiß Hans-Joachim Knablowski , der in Ellershagen geboren wurde. „Die Hofstellen wurden gleichmäßig aufgeteilt, jeder bekam ein Stück Land zum Bauen, Wald, Wiese, ein Stück Feld.“ Noch fünf Jahre sollte es dauern, bis Ellershagen Ausbau schließlich bewohnt war. 1948/1949 standen gerade mal fünf Fachwerkhäuser. „Damals bestand die Straße in den Ausbau nur aus Sand“, sagt Knablowski, „Pflaster gab es keins.“

Daniel Escher hieß der Mann, der nicht nur diesem Sandweg seinen Volksmundnamen geben soll, sondern auch ein ausgesprochenes Original war. „Dieser Daniel Escher besaß einen halben Opel, bei dem das Heck samt Kofferraum und Sitzbank noch intakt war. Mit ein paar Umbaumaßnahmen hat er den in eine Pferdekarre verwandelt“, erzählt Knablowski: „Dann hat er sein Pferd davor gespannt, und ist mit allen seinen Baumaterialien jeden Tag raus zur Baustelle gefahren.“

Im Ellershagener Gutshaus lebten nach dem Krieg bis zu zwölf Flüchtlingsfamilien. Quelle: Claudia Bihler

Schwarze Haare hatte Escher, war klein und untersetzt gewachsen, vor allem aber: Er ließ sich einen riesigen schwarzen Schnurrbart stehen. „Kurz, er sah aus wie Josef Stalin – weshalb er auch den Spitznamen Stalin bekam“, sagt der Ellershagener.

Nachdem eben dieser Escher mit seiner Opelkutsche einer der ersten Bauherrn im Ausbau war, dauerte es nicht lange und der Sandweg in Richtung Ackerfelde bekam seinen Namen: „Seither heißt die Strecke Stalinallee und Ellershagen Ausbau Stalinshöh“, weiß Knablowski, der heute in Brügge lebt.

Nachdem einige Häuser mehr gebaut worden waren, tauchten im Jahr 1959 plötzlich Vermesser im Ort auf. „Keiner wusste, um was es dabei ging“, sagt Knablowski. 1960 rückten die Baufahrzeuge an und dann wurde klar, was dort im Wald gebaut werden sollte. Die Volksarmee richtete dort einen Stützpunkt ein, auf dem die Luftfernaufklärung Nordwest der DDR den Luftraum in Richtung Westen und nach Norden bis zur dänischen Grenze überwachen sollte. Ein großer beweglicher Aufklärungsschirm stand dazu nur wenige hundert Meter weit vom großen Armeegelände zwischen Ellershagen und Ausbau. Das Gelände wurde in Betrieb genommen, nur die „Stalinallee“ blieb, was sie war: Ein Sandweg. Die Baumaßnahmen im Ellershagener Ausbau erregten natürlich auch die Aufmerksamkeit der westlichen Militärs.

„Wohl aufgrund des Potsdamer Abkommens hatten die westlichen Alliierten im Osten und die Sowjetarmee im Westen jeweils eine Militärverbindungsmission“, sagt Knablowski. Im Klartext bedeutete das: Westliche Militärs beobachteten Militäraktivitäten in Ostdeutschland, sowjetische Militärs das Militär im Westen.

Dann wurde in Ellershagen plötzlich ein riesiges Auto gesehen: „So ein richtiger Ami-Schlitten“, sagt Knablowski: „Riesengroß und mit Heckflossen. Die Amerikaner wollten natürlich wissen, was im Ausbau vor sich ging.“ Dabei zeigte sich rasch, dass das amerikanische Automobil den „Straßenverhältnissen“ von Ellershagen nicht gewachsen war: Das Auto blieb im Sand stecken. Zwar wollten seine Insassen den Wagen noch an einem Baum herausziehen. Doch zu spät, aus Richtung Wittstock und Ackerfelde kam ein Panzerspähwagen der Sowjets. Die Insassen verriegelten das Auto von innen – und wurden kurzerhand zur Kommandantur nach Wittstock abgeschleppt. „Später wurden sie wieder freigelassen, schließlich gab es die Mission ja auf Gegenseitigkeit“, sagt Knablowski. 1963/1964 schließlich bekam die Straße in den Ausbau einen Betonplattenbelag. Und der ist bis heute liegengeblieben.

Von Claudia Bihler

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