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Molkerei findet keinen Käufer

Lockstädt in der Prignitz Molkerei findet keinen Käufer

Seit 20 Jahren ist die Molkerei in Lockstädt dem Verfall preis gegeben. Auch bei einer Versteigerung fand sich jetzt kein Käufer für das Gebäude, in dem nach der Wende ein Repair-Service für Flugzeuge entstehen sollte. Dabei pulsierte dort einst das geschäftliche Leben.

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Früher herrschte an der alten Molkerei geschäftiges Treiben. Jetzt will sie niemand mehr haben.

Quelle: Michael Beeskow

Lockstädt. Das war´s wohl für die Molkerei in Lockstädt. Nach der Versteigerung am 4. Oktober im Amtsgericht Neuruppin sieht Ortsvorsteher Andreas Schmidt kaum noch Chancen für den Erhalt des markanten Backsteingebäudes. „Es hat sich kein Käufer gefunden. Nur die angrenzenden Flächen wurden versteigert.“ Ohne Nebenflächen hat das im Verfall begriffene Bauwerk im Prinzip kaum noch einem Wert für einen Interessenten.

Dabei hatten nach der Wende große Hoffnungen auf der Molkerei gelegen. Ein Unternehmer aus Schleswig-Holstein verkündete große Pläne und kaufte das Gebäude Anfang der 1990er Jahre der Gemeinde ab, das zu jener Zeit noch als Gemeindebüro genutzt wurde. Auf der linken Seite der Immobilie befand sich ein Lebensmittelverkauf und im Obergeschoss eine Wohnung mit Bad und Küche.

Investor und Geld verschwunden

Genau in der Mitte zwischen den Flughäfen in Hamburg und Berlin wollte der Investor verschiedene Einheiten von Flugzeugen einer Wartung unterziehen. 30 Mitarbeiter sollte seine Firma „Repair Service” beschäftigen.

Kredite flossen und die Arbeiten begannen. Doch über eine Entkernung des Molkereigebäudes kamen die Aktivitäten nicht hinaus. Wo der Investor und das Geld aus den Krediten abgeblieben sind – keiner weiß es. Die Bank hat daher jüngst die Zwangsversteigerung betrieben.

Fuhrwerke und später Lastwagen rollten von überall her an

Es bleibt nur die Erinnerung an die große Zeit der Molkerei. Das Backsteingebäude, das bis heute das Dorfbild prägt, wurde 1910 erbaut. Die „Genossenschafts-Molkerei Lockstädt“ existiert bereits seit 1893. Alle Landwirtschaftsbetriebe der Gegend brachten ihre Milch nach Lockstädt. Die Pferdefuhrwerke und später die Lastwagen rollten aus Mansfeld an, aus Laaske, Tacken, Seddin, Gülitz und sogar aus dem Burghof Putlitz, aus Sagast und Lütkendorf.

Die Ladungen mit Butter, Käse und Quark wurden mit Fahrzeugen zum Bahnhof in Laaske gebracht, von wo die Produkte bis nach Berlin gelangten. In den 1950er Jahren galt die Lockstädter Molkerei als der wichtigste Produktionsbetrieb für Milchprodukte im Kreis Pritz­walk. Zeitweilig wurde auch Eis am Stiel hergestellt. Als in den 1970er Jahren dann in Pritzwalk eine neue große Molkerei entstand, verlor der Betrieb in Lockstädt seine Bedeutung. Rohmilch wurde nur noch gesammelt und dann abgefahren.

Ruine an der Durchgangsstraße

Vom einstigen Produktionsbetrieb hat nur die daneben stehende Verwaltungsbaracke überlebt. Ein Partyservice nutzt das Gebäude, sogar einen idyllischen Teich mit einem Wasserrad legten die Eigentümer an. Für Lockstädt ist die gescheiterte Versteigerung besonders bitter, denn die Ruine unmittelbar an der Durchgangstraße von Wolfshagen nach Putlitz wird damit vorerst ein negatives Wahrzeichen für den Ort bleiben. Der schöne Dorfring mit der stattlichen Kirche, die gerade einen neuen Glockenstuhl bekommen hat, und auch die erst vor zwei Jahren erneuerte Straße am „Kuhberg“ werden von den Durchreisenden dagegen kaum wahrgenommen. Auf die Frage, wie es mit dem Molkereigebäude nun weitergeht, hat auch der Ortsbürgermeister Andreas Schmidt keine Antwort mehr.

Einzig der Partyservice hat hier überlebt

Einzig der Partyservice hat hier überlebt.

Quelle: Michael Beeskow

Von Michael Beeskow

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