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Munitionsräumer bohren fast 60.000 Löcher

Breese Munitionsräumer bohren fast 60.000 Löcher

In Breese (Prignitz) muss mit viel Aufwand die Deichbaustelle nach möglichen Weltkriegsbomben abgesucht werden. Erst vor wenigen Monaten sind in der Nähe 12 Bomben gesprengt worden. Jetzt bohren Experten rund 60.000 in die Erde, um das Gelände untersuchen zu können.

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Oftmals legen die Mitarbeiter der Munitionsbergungsfirmen alte Bombentrichter frei, die vom Luftangriff 1945 herrühren.

Quelle: Andreas König

Breese. Wie ein Tagebau sieht die Landschaft hinter dem Breeser Ortsrand in Richtung Wittenberge aus. Von den vielen Bäumen, die dort einst standen künden allenfalls noch dicke Stubben im Erdreich, und auch die müssen raus.

Geräumt wird auf zwei Teilflächen

„Wir müssen die Baustelle für den künftigen Deich absuchen und eventuell vorhandene Fliegerbomben räumen – durch Sprengung“, sagt Gerd Fleischhauer, Truppführer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Polizei. Er überwacht die Munitionsräumung auf zwei Teilflächen, die sich links und rechts der bereits beräumten Deichtrasse erstrecken. Gleich zwei Firmen wurden beauftragt,die todbringenden Überbleibsel des Zweiten Weltkrieges im Boden ausfindig zu machen.

Arbeiten dauern voraussichtlich bis März 2017

„Voraussichtlich bis März nächsten Jahres wird es dauern, die Räumstelle zu sondieren und zu untersuchen“, sagt Gerd Fleischhauer. Voraussetzung ist allerdings, dass die Munitionsbergungsfirmen das gesamte Areal vollständig absuchen. Ziel ist es, etwaige Abweichungen des natürlichen Magnetfeldes der Erde zu finden – sogenannte Anomalien. Sie deuten darauf hin, dass sich Eisen oder Eisenverbindungen im Boden befinden, was wiederum ein Indiz dafür sein kann, dass sich Fliegerbomben im Breeser Boden befinden. Bereits Ende März waren auf einer Fläche von 2,4 Hektar zwölf Bomben (eigentlich elf und ein Teilstück) zur Detonation gebracht worden.

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Zwölf Fliegerbomben sind am Donnerstag in Breese gesprengt worden. Zuvor hatte die Polizei alle Anwohner eines Sperrkreises evakuiert. Gegen 13.30 Uhr wurden die Sprengsätze gezündet. Die spektakuläre Aktion verlief ohne Zwischenfälle erfolgreich, wie der Kampfmittelbeseitigungsdienst konstatierte.

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Bäume mussten aus Sicherheitsgründen weichen

Etwas ähnliches, wenn auch möglicherweise in einer anderen Größenordnung, dürfte dem Dorf vor den Toren Wittenberges noch einmal bevorstehen. Doch zunächst gilt es, die riesige Fläche zu roden und anschließen zu untersuchen. „Die Bäume müssen leider alle weg, das geht schon aus Sicherheitsgründen gar nicht anders“, erklärt Gerd Fleischhauer. Wegen der schieren Ausdehnung wurden inzwischen gleich zwei Firmen verpflichtet, die Deichbaustelle und die angrenzenden Streifen zu untersuchen. In Richtung Ort bildet der kümmerliche Rest des einstigen Breeser Waldes die Begrenzung – und der Breeser Badesee.

Auf dem Grund des Badesees muss nicht gesucht werden

Dem einst idyllisch von Wald umkränzten Gewässer sind die Munitionsräumer bereits von der Sportplatzseite aus nahe gekommen. Nun wird wohl auch der Zaun fallen, der die Bade- von der Baustelle abgrenzt. „Wenigstens muss nicht auch noch unter Wasser nach Bomben gesucht werden. Der Baggersee war 1945 noch nicht da. Daher können wir davon ausgehen, dass sich darin oder darunter keine Bomben befinden“, sagt der Kampfmittelexperte. Allerdings wird wohl auch der letzte Baum fallen, der den badenden bisher noch Sichtschutz bietet. Für den nötigen Kahlschlag wurde ein forstwirtschaftliches Unternehmen aus der Lausitz gebunden. Selbst die Fäll- und Rodungsarbeiten geschahen unter Aufsicht der Räumexperten.

Wenn Splitter in den Bäumen stecken, ist es zu spät

Naturfreunden tut es in der Seele weh, wenn sie die Sandwüste und Kraterlandschaft sehen, wo einst Wald war. „Aber es sind umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen geplant“, sagt Gerd Fleischhauer. Er sieht die Dinge praktisch und weist auf folgenden Aspekt hin: „Selbst wenn man einige Bäume hätte stehen lassen können, ist es für die Besitzer besser, dass unbeschädigte Holz zu vermarkten. Wenn erst einmal Bombensplitter drinstecken, ist das nicht mehr so leicht möglich.“

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Ein neuer Deich soll Breese vor Hochwasser schützen. Doch bevor er gebaut werden kann, muss die Baustelle von Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg befreit werden. Zwei Firmen setzten insgesamt 59 000 Bohrungen, um das Gelände zu sondieren. Die Arbeiten enden höchstwahrscheinlich mit einer Sprengung der Blindgänger im März 2017.

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59.000-Mal muss in die Erde gebohrt werden

Die Räumstelle ist in einen östlichen – ortsnahen – und westlichen in Richtung Wittenberge gelegene Abschnitt aufgeteilt. Den östlichen Abschnitt „beackert“ die Firma Heinrich Hirdes aus Teltow, für die Westseite ist die Firma Röhll aus Brandenburg an der Havel verantwortlich. Alle 1,89 Meter werden sechs Meter tiefe Löcher in die Erde gebohrt, in die die Leerrohre kommen. Die dienen wiederum dafür, die Messsonden herunterzulassen. 59.000-Mal muss das passieren. Was die Männer bis jetzt gefunden haben, sind wilde Deponien aus verschiedenen Jahrzehnten. Eine sieht aus wie ein Schrottplatz, eine andere wie eine Wohlstandsmüllkippe. „Wir müssen jetzt bohren, wer weiß, wie lange das Wetter hält“, sagt Räumstellenleiter Daniel Stolz von der Firma Hirdes. Grundwasseranstieg oder Bodenfrost könnten für Verzögerungen sorgen.

Von Andreas König

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