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Prignitz Muscheln, Schnecken, Donnerkeile
Lokales Prignitz Muscheln, Schnecken, Donnerkeile
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00:17 27.04.2017
Ihr erstes Werk – den Zierteller aus Muscheln – hat Margot Rößler noch. Im Hintergrund zieren Mosaike die Wände in ihrem Elternhaus. Quelle: Claudia Bihler
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Seddin

An ihre Kindheit erinnert sich Margot Rößler noch gut: „Wir mussten immer Gummistiefel anziehen, dann ging es raus ins Grüne.“ Schnecken sammeln hieß es für die Rößlerkinder. Mal waren Karpfenteiche in der Region das Ziel, wenn sie abgelassen worden sind, da gab es Tellerschnecken. Und mal der Nordseekurort Sankt Peter-Ording, wo nicht nur Schnecken, sondern alle Muscheln gesammelt wurden, die dort zu finden waren. Daheim wurden die Schalentiere abgekocht, sorgfältig gereinigt und schließlich zu riesigen Mosaiken zusammengestellt, die bis heute das Seddiner Elternhaus Margot Rößlers zieren – so viele, dass sogar einmal ein Fernsehteam eine Reportage über sie drehte.

Wenn Margot Rößler zurückdenkt, ist sie sich sicher: „Mein Vater war besessen.“ Denn er hat nicht nur seine Kinder zu den Ausflügen in die Natur angestiftet. Auch Verwandte hat Rösler angesprochen, damit sie aus ihrem Urlaub Sammelobjekte mitbringen. „Selbst aus dem Westen haben wir zu DDR-Zeiten Päckchen mit Muscheln zugeschickt bekommen, dafür hat sich mein Vater dann häufiger mal mit einem kleinen Mosaik bei den Zusendern revanchiert.“

Der Sammler Kurt Rösler mit Frau und Katze. Die Liebe zum Meer hat er in seinen Bildern umgesetzt. Quelle: Claudia Bihler

Kurt Rößler, der aus der Ostsee-Region stammte, hatte an der Universität in Rostock studiert und hat später als Lehrer an der Wolfshagener Schule gearbeitet. Herzmuscheln hatte die Familie einmal von einem Ausflug an die Ostsee mitgebracht. Margot Rößler: „Damit hatte es eigentlich angefangen. Mit den Muscheln haben wir daheim einen Krug beklebt.“

Dass sich daraus eine echte Leidenschaft entwickeln würde, ahnte sie damals noch nicht. „Aber ich bin selbst auch recht kreativ veranlagt“, sagt sie und hat die neue Technik gleich während des Kunstunterrichts in der Schule genutzt: Nach der Vorlage eines handbemalten Ziertellers hat sie einen weiteren gefertigt – das Muster war auf diesem mit den Schätzen gestaltet, die die Familie von ihren Spaziergängen mitbrachte.

Mosaik mit Meeresschildkröte aus Miesmuscheln, Tellerschnecken und Donnerkeilen und vielen weiteren Arten. Quelle: Claudia Bihler

Erst nach der Wende und mit Beginn seines Ruhestandes hatte Kurt Rößler, der 2004 verstorben ist, viel Zeit für sein neues Hobby. Quadratmeter um Quadratmeter Mosaik entstanden in der kleinen Werkstatt, die er sich auf dem Dachboden des Hauses eingerichtet hatte. Bis heute stehen dort Muscheln und Schneckengehäuse sortiert und sorgfältig in Gefäße verpackt in Reih und Glied. Auf dem Tisch liegt das Werkzeug, als wenn er gerade seine Arbeit eingestellt hat.

„Ab und zu arbeite ich ja hier mit den Sachen noch“, sagt seine Tochter, „ich will zumindest dafür sorgen, dass das alles erhalten bleibt. Neue Bilder dagegen stelle ich nicht mehr her.“

In den Wohnzimmerschränken findet sich nicht nur eine umfangreiche Sammlung von Literatur über Schnecken und Muscheln, sondern auch eine Menge riesiger Schneckengehäuse, die heute selbst ein Fischer nur noch mit großem Glück finden würde. Auch sehr bizarre Exponate gibt es: Eine Schnecke, deren Gehäuse skelettförmig ist, Schnecken mit stachligen Gehäusen, einen kugeligen Stachelfisch. „Vieles davon dürfte man heute gar nicht mehr aus den Herkunftsländern ausführen“, sagt Margot Rößler – und meint damit die modernen Artenschutzbestimmungen, die den Export von bestimmten Muschel- und Schneckengehäusen in vielen Fällen streng reglementieren.

Grafisches Mosaik aus Kurt Röslers Werkstatt. Quelle: Claudia Bihler

Kurt Rößler hat sich die Natur zur Vorlage genommen und diese recht authentisch nachgebildet. Mal hat er aus schwarzen Mini-Miesmuscheln eine Meeresschildkröte gelegt, mal einen Grashüpfer aus Herzmuscheln. Auf anderen Mosaiken hat er vor allem Schnirkelschnecken verarbeitet – die kleinen bunt gestreiften, die in jedem Garten zu finden sind. Oder mit Donnerkeilen von der Ostsee strahlenförmige Muster auf geometrischen Bildern gelegt.

Verschwendet wurde nichts. Zerbrochene Schalen fanden auf den Bildern ihren Verwendungszweck als Hintergrund der Hauptmuster.

Gesammelt hat Kurt Rößler jedoch nicht nur Schalentiere, sagt seine Tochter schmunzelnd: „Egal von was, wenn er drei Teile einer Sache zusammen hatte, wurde daraus eine Sammlung.“ Playmobil-Figuren und Burgen, kleine Plastikspielfiguren. Oder auch Modelle von Dinosauriern und urzeitlichen Fröschen. Dann gibt es da noch die eine Wand im Haus, an der hängen viele von Hand gesägte Sperrholz-Märchenfiguren. Denn auch die Laubsäge-Kunststücke seiner Kinder hat Rößler in Ehren gehalten.

Von Claudia Bihler

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