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Museum Pritzwalk nimmt Formen an

Ehemalige Tuchfabrik Museum Pritzwalk nimmt Formen an

Erst kurz vor Weihnachten ist klar geworden, wie die Räume des künftigen Regionalmuseums in der einstigen Pritzwalker Tuchfabrik bis ins Detail gestaltet werden. Vor allem die Statik beeinflusste die Bauarbeiten massiv. Parallel arbeitet Museumsleiterin Katja Rosenbaum an der Gestaltung der künftigen Ausstellung.

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Modernes Leben im historischen Ambiente: Die Wohnungen zur Straßenfront hin sind fast bezugsfertig.

Quelle: Beate Vogel

Pritzwalk. Erst seit Mitte Dezember ist endgültig klar, wie die Raumaufteilung im künftigen Regionalmuseum in der Pritzwalker Tuchfabrik im Detail aussehen wird. „Da hatten wir die letzte Bauberatung zur Gestaltung des Gebäudes“, berichtet Dietmar Sachs, der als Leiter des Geschäftsbereichs 2 unter anderem das Großprojekt Tuchfabrik betreut. Bisher lief alles „unter Vorbehalt“, war eine kühne Idee. Erst jetzt ist klar, wo welche Säule steht, wie die Räume mit Zwischenwänden aufgeteilt sind, wo die Brandmeldeanlage und die Kommunikationsanlagen installiert werden, wie Heizkörper eingebaut und wo Verkleidungen angebracht werden.

„Eine ganz große Herausforderung war die Statik“, sagt Sachs. Viele Dinge kamen da nämlich erst mitten im Baubetrieb zum Vorschein. „Wir waren fast an einem Punkt, an dem wir sagen mussten: Reißen wir alles raus und bauen es neu.“ Das wurde dann aber doch abgewendet. Um die großen Räume statisch abzusichern, wurden tragende Wände und Säulen eingezogen. Und selbst bei den Fundamenten gab es Überraschungen. „Die Arbeiten laufen unter Hochdruck“, so der Geschäftsbereichsleiter. Der Grund: Mit dem Jahreswechsel sollen die Wohnungen übergeben werden, die in der Gebäudefront entstanden sind. „Und alles, was Krach und Dreck macht, muss dann abgeschlossen sein.“

Die Computersimulation zeigt, wie die Ausstellungsräume einmal aussehen werden

Die Computersimulation zeigt, wie die Ausstellungsräume einmal aussehen werden.

Quelle: Stadt Pritzwalk

Parallel zu den Bauarbeiten – und auch zum laufenden Museumsbetrieb im Stadt- und Brauereimuseum Pritzwalk – macht sich die Museumsleiterin Katja Rosenbaum Gedanken, wie sie das künftige Regionalmuseum gestalten wird. Sachs und Rosenbaum erwarten vom neuen Standort, dass er eine überregionale Bedeutung nicht nur in industriegeschichtlicher Hinsicht erlangt. „Die entscheidende Frage war: Wollen wir eine Heimatstube oder ein Regionalmuseum?“, so Sachs.

Die Pritz­walker haben sich für die große Variante entschieden. Nicht zuletzt ist das Gebäude selbst ein einmaliges Ausstellungsstück. Schon jetzt wird daran gearbeitet, Kooperationen aufzubauen, zum Beispiel mit der Handwerkskammer und dem Netzwerk Kulturland Brandenburg, das sich im Themenjahr 2016 mit dem „Handwerk zwischen gestern und übermorgen“ befasst. Bis Ende 2017 sollen alle Bauarbeiten am Komplex abgeschlossen sein.

Ein einzigartiges Handwerksmuseum für Brandenburg

„Das Museum könnte für Brandenburg ein einzigartiges Handwerksmuseum werden“, sagt Dietmar Sachs. In dem Komplex sollen später Tagungen, Schulungen oder auch Sportveranstaltungen stattfinden. Im Innenhof des riesigen Industriebaus lässt sich schon gut erkennen, wo der verglaste Eingangsbereich entsteht: Hinter den hohen Scheiben, die den Vorbau bilden, sollen sich der Museumsshop, Treffpunkt, Garderobe, Schließfächer und Kaffeeautomaten befinden. Alle Etagen werden laut Sachs nicht nur mit modernster Sicherheitstechnik ausgestattet, sondern sollen auch energetisch auf dem neuesten Stand sein: „In den Decken werden LED-Lampen installiert, die sich über Präsenzmelder einschalten.“ Das bedeutet: Kommen Besucher, geht das Licht an, sind sie weg, schaltet es sich wieder aus.

Auch bei der künftigen Einrichtung der neuen Räume spielt die Statik eine entscheidende Rolle. „Durch die Statik werden die späteren Sektionen für die Ausstellung vorgegeben.“ Im Erdgeschoss soll vorwiegend die Industriegeschichte der Region dargestellt werden, schwebt Katja Rosenbaum vor. „Und auch die des Hauses natürlich, die der Familie Quandt.“ Sie will die Geschichte der Tuchfabrikation in Pritzwalk über die Jahrhunderte präsentieren – von der manuellen Ausführung über die Elektrifizierung bis hin zur Industrialisierung. „Mir schwebt vor, die Tuchproduktion von der Spinnerei bis zum fertigen Tuchballen zu zeigen“, sagt die Museumsleiterin. Exemplarisch möchte sie dazu Techniken vorstellen, wie sich diese entwickelt haben: vom Spinnwirtel zur Spinnmaschine. Auch die alten Druckmaschinen, die in Streckenthin über die Jahre in mühevoller Kleinarbeit wieder aufgebaut wurden, sollen im Erdgeschoss ihren Platz finden – allein schon wegen ihres Gewichts. Platz hat die Museumsleiterin mehr als genug: Die Ausstellungsfläche wird sich von jetzt 650 auf später etwa 2000 Quadratmeter verdreifachen.

Eine kleine Museumswerkstatt ist geplant

Bei aller überregionaler Bedeutung soll die Heimatverbundenheit, die Identität nicht zu kurz kommen. Das könne über die Museumspädagogik gefördert werden. Katja Rosenbaum will eine kleine Museumswerkstatt einrichten, in der die Kinder zum Beispiel wie vor 150 Jahren am Webstuhl weben, aber auch Papier schöpfen oder ein Buch binden können. Geschichte vermitteln können auch die vielen 8-Millimeter-Lehrfilme aus DDR-Zeiten, die Katja Rosenbaum im Magazin gefunden hat. Mit einem Projektor könnten Kinder und Jugendliche in die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern eintauchen. „Natürlich mit den entsprechenden Erklärungen dazu“, sagt die Museumsleiterin.

Mit dem Platzgewinn kann die Museumsleiterin auch die Ausstellung zur Pritzwalker Stadt- und Brauereigeschichte ganz neu aufstellen. Rosenbaum möchte nicht nur die Geschichte der Stadt selbst, sondern die der Ortsteile ausführlicher präsentieren. „Da hoffe ich auf die Mitarbeit der Bürger, zum Beispiel über Ortschroniken.“ Beleuchtet werden sollen dann auch die DDR-Geschichte und die jüdische Geschichte rund um Pritzwalk.

Riesige Dimensionen

Erbaut wurde der Industriekomplex Pritzwalker Tuchfabrik mit Um- und Anbauten von den Gebrüdern Draeger und später von der Familie Quandt in den Jahren 1865 bis 1940.

Die Kosten für den Um- und Ausbau der historischen Anlage belaufen sich nach jetzigen Stand auf rund acht Millionen Euro. Der dritte Bauabschnitt konnte nur dank einer großzügigen Spende der Unternehmerfamilie Quandt im Dezember 2014 ermöglicht werden. Diese betrug 1,5 Millionen Euro. Hinzu kam ein zinsloses Darlehen in gleicher Höhe, das Stefan Quandt gewährte.

Im Südflügel der ehemaligen Tuchfabrik entstehen die neuen Werkstätten und Schulungsräume der Bildungsgesellschaft Pritzwalk. Im Westflügel, der Straßenfront, werden in diesem Jahr die ersten Wohnungen bezogen. Der Nordflügel soll dann ab 2017 das neue Pritzwalker Regionalmuseum beherbergen.

Von Beate Vogel

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