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Prignitz Museum der Industrialisierung im Aufbau
Lokales Prignitz Museum der Industrialisierung im Aufbau
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00:17 03.09.2016
Die dreifache Balkenkonstruktion war nötig, um dem Raum Stabilität zu geben, in dem künftig das Handwerksmuseum sein wird. Quelle: Atzenroth
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Pritzwalk

Sie ist fürwahr ein Gebäudekomplex mit viel Historie: Die alte Tuchfabrik Draeger in Pritz­­­­
walk steht gleich für mehrere Epochen der Stadtgeschichte, insbesondere natürlich die Industrialisierung der Stadt und den Aufstieg der Industriellenfamilie Quandt.

Das Hanseschiff thront über dem Eingangsbereich. Quelle: Atzenroth

Im Moment ist die Tuchfabrik die größte Baustelle der Stadt an der Dömnitz. Nach langen Jahren, in denen ein Großteil der Anlage leerstand, soll sie nun wieder voll genutzt werden können, als Bildungseinrichtung, als Wohnungskomplex und nicht zuletzt als Museum. Die Pläne dafür sind weit gediehen. Klappt alles so, wie sich die Verantwortlichen bei der Stadt Pritzwalk das vorstellen, dann wird hier im Frühjahr 2018 ein Museum eröffnet, das die Geschichte der Industrialisierung dokumentiert und dabei auch über den rein regionalen Rahmen hinausgeht – ein Plan, der der Stadt einen neuen Anziehungspunkt bescheren soll, zumal es ein Museum mit diesem Profil in ganz Norddeutschland nicht gibt. Teile der Ausstellung des bisherigen Stadt- und Brauereimuseums sollen darin aufgenommen werden, alter und neuer Museumsteil werden mit einer Brücke über die Dömnitz miteinander verbunden.

Die Pritzwalker Tuchfabrik. Quelle: Atzenroth

Damit einher geht eine komplett neue Museumskonzeption, die der neue Pritzwalker Museumsleiter Lars Schladitz am Dienstag im Pritz­walker Bildungs- und Kulturausschuss erstmals vorstellte. Die derzeitige Gestaltung des Stadt- und Brauereimuseums stammt noch von dem verstorbenen früheren Museumsleiter Rolf Rehberg und existiert in ihrer jetzigen Form mehr oder weniger seit dem Jahr 2002. Danach schnellten bis 2004 die Besucherzahlen auf etwa 5000 pro Jahr in die Höhe. Seitdem sind sie rückläufig und stagnieren zwischen 2000 und 3000 Besuchern pro Jahr. Auf dem bislang vorhandenen Platz konnte die Dauerausstellung nicht weiterentwickelt werden. „Alles ist sehr kompakt und dicht gestellt“, beschreibt Lars Schladitz den Ist-Zustand.

Beim Rundgang besichtigten die Ausschussmitglieder den multifunktionalen Versammlungsraum. Quelle: Atzenroth

Mit den neuen Möglichkeiten lässt es sich komplett anders disponieren. Standen dem Stadt- und Brauereimuseum bislang 400 Quadratmeter zur Verfügung, so kommen nun 1200 Quadratmeter Ausstellungsfläche hinzu – diese vervierfacht sich also insgesamt. „Der Platz ermöglicht eine interaktivere Ausstellung“, erklärte Schladitz. Eine Steigerung der Attraktivität verspricht sich Schladitz auch von einigen baulichen Besonderheiten. Zwischen den beiden Ausstellungsebenen in der Fabrik wird ein Treppenaufgang gebaut, der weitere Ausstellungsflächen beinhaltet. Der Aufgang führt zudem zu einer neuen und im Moment wohl einzigartigen Aussichtsplattform mit Blick auf die gesamte Pritz­walker Altstadt. Im Innenhof sollen künftig kleine Konzerte stattfinden können, und ein kleines Café am Eingang zum Verweilen ist auch vorgesehen.

Etwa an dieser Stelle wird der Übergang vom neuen zum alten Museum entstehen. Quelle: Atzenroth

Allerdings wird auch der Platzbedarf im Museum ein anderer sein. Im Eingangsbereich zum neuen Museum wird sich künftig ein riesiges Bild befinden, das eine Dampfmaschine zeigt, wie sie dereinst hier zur Produktion benutzt wurde. Das Original dazu steht im Industriemuseum Chemnitz. Ein etwas kleineres Modell wird dann auch angeschafft, um die Produktion praktisch demonstrieren zu können. Sie soll mit Pressluft betrieben werden. Auch weitere historische Maschinen zur Textilproduktion, an denen ganz praktisch nachvollzogen werden kann, wie dereinst hier Uniformen und anderes Tuch produziert worden sind, werden für das neue Museum angeschafft. Schladitz, Wolfgang Simon, Vorsitzender der Pritzwalker Gesellschaft für Heimatgeschichte, Museumsmitarbeiter Hans-Joachim Wallert und Dietmar Sachs, Leiter des Geschäftsbereichs 2 in der Pritz­walker Stadtverwaltung, sind in ganz Deutschland unterwegs und besichtigen vergleichbare Museen und Einrichtungen. Der Ausschuss sprach sich dafür aus, dass im Haushalt für kommendes Jahr für den Erwerb, Transport, Auf- und Abbau sowie die Lagerung solcher Maschinen bis zur Fertigstellung der Museumsräume Ende 2017 Geld bereitgestellt werden. Eine entsprechende Vorlage dazu wird es demnächst geben.

Das Museum soll an die Bedeutung der Tuchfabrik erinnern. Quelle: Atzenroth

Noch aber ist alles im Bau. Bis Ende des Jahres soll die Außenhülle möglichst fertig sein, danach geht es bis Ende 2017 mit der Innengestaltung weiter. Bei einer Ortsbegehung konnten sich die Mitglieder des städtischen Ausschusses für Bildung und Kultur am Dienstag an mancher Stelle allenfalls vorstellen, wie es hier einmal später sein wird. Ein zentraler Teil ist bislang nicht einmal überdacht. Hier soll einmal der Maschinenpark stehen. Im Erdgeschoss soll auch Museumspädagogik stattfinden. Und zudem ist geplant, hier Teile der Museumsdruckerei aus dem sieben Kilometer entfernten Streckenthin unterzubringen. Dokumentiert werden auch Umwelt- und Verkehrsgeschichte.

An den Fensterhöhlen ergeben sich noch ungewohnte Durchblicke. Quelle: Atzenroth

In der zweiten Etage der Fabrik wird ein denkmalgeschützter Lagerraum ein schönes Ambiente für die (Tuch-)Handwerksausstellung schaffen. Wallert kümmert sich darum, die Exponate zusammenzubekommen. „Die Halle ist offen, das wollen wir auch so belassen“, sagt Schladitz. Die Balkenkonstruktion musste aus Gründen der Statik dreifach verstärkt werden. Der Raum wird auch geprägt durch die Originalfenster, vor die moderne Glasfenster gesetzt worden sind. Auf derselben Etage befindet sich auch ein multifunktional nutzbarer Raum, der von der Bildungsgesellschaft und dem Museum gemeinsam genutzt werden kann.

Da mittlerweile auch eine Vereinbarung mit den Kunstfreunden Pritzwalk erzielt wurde, wird, so sieht es Sachs, rund um die Tuchfabrik ein neues kulturelles Zentrum für die Stadt entstehen – die Kunstfreunde erhalten im bisherigen Foyer des alten Museums Platz.

W
eitere Exponate, die Handwerk und Industrialisierung dokumentieren, sind gesucht. Wer dazu etwas beitragen kann, setze sich mit Lars Schladitz oder Hans-Joachim Wallert in Verbindung, Tel.  03395/30 28 02.

Von der Tuchfabrik hat man einen tollen Blick auf die Pritzwalker Altstadt – die geplante Aussichtsplattform dürfte also attraktiv werden. Quelle: Atzenroth

Von Bernd Atzenroth

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