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Prignitz Museum statt Dachboden
Lokales Prignitz Museum statt Dachboden
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02:15 19.03.2017
Gut intakt ist das ausgestopfte Pärchen von Rabenkrähen aus dem Unterricht der Schule geblieben. Quelle: Claudia Bihler
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Stepenitz

Fotografien der Sportvereine und der Feuerwehr, Bilddokumente aus der Landwirtschaft, vom Frauentag und des ehemaligen Gasthofs stehen neben traditionellen Handwerks- und Haushaltsgeräten, landwirtschaftliche Werkzeuge schmücken die Wände. Auf dem Tisch steht das Kaffeeservice eines Stepenitzer Paares, das seine silberne Hochzeit feierte. Das Röhrenradio und dazu ein alter Fernseher, die heute im kleinen Stepenitzer Heimatmuseum zu finden sind, standen ursprünglich einmal im Gasthof Peters, wie historische Aufnahmen zeigen. Fernseher und Radio hat der Stepenitzer Ortsvorsteher Martin Kruse für das Museum zur Verfügung gestellt: „Damit man sehen kann, wie es früher einmal ausgesehen hat.“

Museum als Familienalbum

Doch nicht nur der Ortsvorsteher hat seine Erinnerungsstücke ins Museum gebracht: Waffeleisen oder Wäschemangel, Butterfass und Holzwaschmaschine waren in den unterschiedlichsten Stepenitzer Haushalten in Betrieb, bevor ihre Besitzer irgendwann einmal beschlossen haben, ihre Schätze ans Museum zu geben, statt sie auf dem Speicher einzumotten.

Familienfotos von Stepenitzer Männern, die während des Krieges auf Heimaturlaub von der Front nach Hause kamen. Quelle: Claudia Bihler

So gleicht das Museum ein bisschen einem Familienalbum – und genauso wird es auch genutzt: „Immer wieder kommen die Leute und holen sich den Schlüssel bei mir ab“, sagt Kruse. „Sie finden sich hier im Museum wieder.“

Irgendwann soll die Ausstellung, die sich in einem Nebengebäude der ehemaligen Schulturnturnhalle befindet, umgestaltet werden. Platz muss vor allem für die zahlreichen Fotografien geschaffen werden. Zumal Kruse inzwischen eine weitere Sammelaktion gestartet hat: Die Stepenitzer sind aufgerufen, Bilder des dörflichen Lebens zur Verfügung zu stellen. „Die Fotos bekommen sie auch zurück“, sagt Kruse. „Denn ich lasse sie bei einer Fotografin in Bad Wilsnack digitalisieren und retuschieren.“ Einige Sammlungen hat er auf diese Weise schon zusammengestellt – etwa die Porträts von Soldaten, die während des Krieges auf Heimaturlaub waren: „Damals mussten sie natürlich immer fotografiert werden.“

Blick ins frühere Schülerleben

Neben diesen Zeitdokumenten ist das kleine Museum aber im Besitz einer ganz speziellen Sammlung. Hatte Stepenitz noch bis in die 1990er Jahre eine eigene Schule – zunächst war es eine vollständige Schule für Schüler und Schülerinnen bis zum ersten Schulabschluss, später wurde sie zur Grundschule umgewandelt, bis sie 1998 dann den Betrieb einstellen musste. Den ehemaligen Unterrichtsmitteln ist ihr Alter zwar teilweise anzusehen, wie etwa dem ausgestopften Fischreiher. Dennoch ermöglichen sie den Museumsbesuchern einen umfassenden Einblick ins frühere Schülerleben – inklusive der Glasgefäße mit Tierpräparaten in Formaldehyd, mit denen die Entwicklungsstadien von Fröschen oder Küken den ehemaligen Schülern veranschaulicht wurden.

Die Landwirtschaft hat viel Bedeutung für den Ort und wird im Museum entsprechend gewürdigt. Quelle: Claudia Bihler

Den größten Schatz aus der Schulgeschichte von Stepenitz zeigt der Ortsvorsteher nur persönlich vor. Das alte Klassenbuch wurde von den Lehrkräften bereits im Jahr 1939 begonnen und reicht dann bis in die Nachkriegszeit.

Die Lehrpläne unterschieden sich gar nicht so sehr von den heutigen, zumindest , was die Fächer deutsch, Heimatkunde und Mathe betrifft – allerdings wurde viel Wert aufs Kopfrechnen gelegt.

Stunde Null auch im Kalssenbuch

Stand in den ersten Jahren immer auch Sport auf dem Stundenplan, oft wurde Völkerball gespielt, fielen die Sportstunden dann zu Kriegszeiten häufig aus. Das gleiche galt für Musik oder Nadelarbeiten. Kruse: „Die Männer waren zu der Zeit im Krieg.“ Dann bricht das Klassenbuch ab, exakt am 14. April 1945.

Unterrichtsmaterialien für die ehemalige Dorfschule. Quelle: Claudia Bihler

Mehrere Monate gibt es nach der deutschen Kapitulation keine Eintragungen mehr, dann nehmen Lehrkräfte ihre Buchführung am 4. Oktober 1945 wieder auf. Kruse: „Ich denke, daran kann man sehen, dass sich zu diesem Zeitpunkt in Stepenitz die Verhältnisse so weit geordnet hatten, dass ein ordentlicher Unterricht wieder möglich wurde.“ Dass sich dies nach der Wende änderte ist die eine Seite. Die andere ist, dass die Stepenitzer Einwohnerzahlen bisher recht stabil blieben. Kruse: „So stabil, dass sich unsere private Kita, in der regelmäßig etwa 20 Kinder betreut werden, über regen Zuspruch freuen kann.“

Von Claudia Bihler

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