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Prignitz Nach „Xavier“ fünf Wochen ohne Telefon
Lokales Prignitz Nach „Xavier“ fünf Wochen ohne Telefon
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00:19 16.11.2017
Wochenlang war das Festnetztelefon auf dem Pferdehof stumm. Quelle: Fariba Nilchian
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Königsbusch

Königsbusch ist genau das, was der Volksmund als „JWD“ bezeichnet – der Hof ist wirklich „janz weit draußen“. Zwischen Putlitz und Kärstadt geht ein kleiner Stichweg von der ebenfalls kleinen Landstraße ab und führt noch einige Kilometer vorbei an Wald und Wiesen, bis der Besucher gut durchgeschüttelt bei Dörte Kolkmeyer vor dem Haus steht. Vielleicht ein bisschen zu viel Offroad-Abenteuer für die Techniker von der Telekom. Dörte Kolkmeyers Pferdebetrieb musste nach dem Sturm Xavier in diesem Jahr bereits das zweite Mal fünf Wochen lang ohne Festnetzanschluss auskommen.

Dörte Kolkmeyer Quelle: Fariba Nilchian

Oberirdische Leitungen sind ein neuralgischer Punkt in der Versorgung. Es ist schwer, die Schneisen entlang jeder Leitung in einer Breite frei zu halten, dass herabfallende Äste keine Schäden verursachen können. Das weiß auch Dörte Kolkmeyer, die vor mehr als zwanzig Jahren in diese abgelegene Gegend gezogen ist und schon viele Netzausfälle erlebt hat. „Ich habe am Nachmittag des Sturms gleich bei der Telekom den Schaden gemeldet und sogar die Mastnummer angegeben, an dem er entstanden ist.“ Die Leitung, die auf Holzmasten entlang des Waldweges zu ihren Hof führt, war durch einen umgestürzten Baum zertrennt worden.

Einer von über 4000 Schäden an oberirdischen Leitungen, die laut Telekom in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern durch den Sturm Xavier verursacht wurden. Eine Mammutaufgabe, auch für einen Riesen wie die Telekom. So war Dörte Kolkmeyer auch erstaunt, dass ihr bei dem ersten Telefonat mit der Service-Hotline am Tag des Sturmes eine Fehlerbehebung für den nächsten Tag zugesagt wurde – in der Rückschau der Anfang einer telefonischen Odyssee.

Schadensbehebung nach Prioritäten

In den folgenden drei Wochen hat Kolkmeyer an jedem Werktag bei der Telekom angerufen. „Dann konnte ich irgendwann nicht mehr. Jedes Mal ein neuer Servicemitarbeiter, jedes Mal wieder die ganze Geschichte von vorne.“ Es gab mehrere Terminabsprachen, die nicht eingehalten wurden. Einmal war ein Techniker vor Ort, dem aber die entsprechende Ausstattung fehlte, um den Schaden zu beheben.

Die Beseitigung solch großflächiger Schäden wird laut Telekom „nach bestimmten Prioritätsmerkmalen, wie Einwohnerzahl, öffentliche Einrichtungen, Ämter wie Polizei, Feuerwehr, Krankenhäuser oder wichtige Berufsgruppen, wie zum Beispiel Ärzte“ vorgenommen. Ein Vorgehen, das sicherlich sinnvoll ist. Doch wie behelfen sich gewerbliche Nutzer, wenn über lange Zeit der Draht zu allen geschäftlichen Verbindungen abreißt. Dörte Kolkmeyer ist sowohl mit ihrer Pferdepension, aber auch als Reitlehrerin und Hufpflegerin auf ihren Festnetzanschluss angewiesen. Im abgelegenen Königsbusch gibt es nur sporadisch Handyempfang, und der ist auch noch wetterabhängig. Kolkmeyer: „Die Situation ist nach ein paar Wochen wirklich existenzbedrohend geworden, ich konnte keine neuen Termine mehr machen.“

Keine Erstattung der Grundgebühr

Geschätzt war es der „siebzehnte Mitarbeiter der Hotline, der dann Erbarmen mit mir hatte“, erinnert sich die Reitlehrerin. Er empfahl ihr, sich mit einer kostenlosen „Data Comfort Free“ Karte von der Telekom zu behelfen. In den folgenden Wochen konnte sie damit an Orten mit Handy-Empfang ins Internet. An ihrem Wohnort, dem Königsbusch, hieß das draußen vor der Tür, also unwirtlich, „Comfort Free eben“, scherzt Kolkmeyer. Eine Erstattung der Grundgebühr von 34 Euro monatlich wurde ihr von der Telekom nicht angeboten, auch nicht bei den vorherigen Störungen, die ihren Anschluss bereits fünf Wochen im Juni und Juli sowie eine Woche im September lahmlegten.

Auf eine Nachfrage der MAZ am Nachmittag des vergangenen Donnerstags ging dann plötzlich alles ganz schnell. Schon am nächsten Vormittag war ein Techniker vor Ort, um die Leitung zu reparieren, und schon zu Mittag war der Pferdebetrieb wieder über das Festnetz erreichbar. „Schade, dass die Telekom nicht früher telekommuniziert hat“, schlussfolgert Dörte Kolkmeyer. „Wenn man weiß, wann mit einer Reparatur zu rechnen ist und wie man sich in der Zwischenzeit behilft, wäre alles einfacher.“

Von Fariba Nilchian

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