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Prignitz Nachwuchssorgen plagen Prignitzer Handwerk
Lokales Prignitz Nachwuchssorgen plagen Prignitzer Handwerk
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19:04 08.11.2017
Stellten „Die Werkstatt“ in Glöwen vor: (v.r.): Andreas Schock und Raik Grutza im Gespräch mit Ralph Bührig und Brita Meißner. Quelle: Andreas König
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Pritzwalk

Handwerk hat zwar noch immer den sprichwörtlichen goldenen Boden, doch ist der immer schwieriger zu bestellen. So in etwa lautet das Fazit eines Prignitzbesuchs, den die Führungsriege der Handwerkskammer Potsdam am Mittwoch absolvierte. Von neun Unternehmen, die ursprünglich besichtigt werden sollten traf der „Vorstand vor Ort“, wie die Reihe heißt, letztlich sieben an. Der Präsident der Handwerkskammer Potsdam, der Pritz­walker Unternehmer Robert Wüst, besuchte die Bauschlosserei Schramm in Pröttlin und die Elektrofirma Elmont Laaslich (Karstädt) sowie den Heizungsbaubetrieb Sieling in Lenzen.

Bürokratischer Aufwand ist hoch

„Die Prignitzer Unternehmen zeigten sich im großen und ganzen zufrieden“, sagte Robert Wüst bei der Auswertung in Pritzwalk. „Aber fast alle finden den bürokratischen Aufwand, der ihnen mit der Archivierungs- und Dokumentationspflicht und vielen anderen Vorschriften auferlegt wird, als zu hoch“, sagte Robert Wüst.

Kontrastprogramm zwischen Gumtow und Glöwen

Ralph Bührig, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer und das Vorstandsmitglied Brita Meißner sahen sich beim Informationstechniker Ralf Sodemann in Gumtow und im Autopark „Die Werkstatt“ in Glöwen um und erlebten ein „Kontrastprogramm“, wie Brita Meißner einschätzte. Der Informationstechniker aus Gumtow habe sich mit Großkunden wie Telekom und Vodafone im Rücken sehr gut entwickelt, sei im gesamten Norden von Berlin aktiv und habe ein modernes Auftragsmanagement mit elektronischer Übermittlung an die Mitarbeiter entwickelt.

Schwierige Bedingungen im Autopark

Raik Grutza und Andreas Schock vom Autopark „Die Werkstatt“ in Glöwen haben hingegen mit schwierigeren Bedingungen zu kämpfen. „Die Halle hier war der ehemalige Speiseraum mit Offiziersmesse von der Nationalen Volksarmee“, berichtete Raik Grutza den Gästen von der Handwerkskammer. Sie haben in den zurückliegenden acht Jahren viel in Technik investiert, aber in das Gebäude selbst wollen und können die Geschäftspartner noch kaum Geld stecken, da es ihnen nicht gehört. „Wir haben ein Vorkaufsrecht, müssen aber noch zwei Jahre warten“, erklärte Andreas Schock. Der Besitzer hat das Zweckgebäude von der Treuhand erworben und muss es zehn Jahre behalten, um der sonst fälligen Spekulationssteuer zu entgehen. Fünf Mitarbeiter hat „Die Werkstatt“, wobei sie sich vor allem auf die Reparatur von Fahrzeugen spezialisiert hat. Gelegentlich wird auch mal ein Oldtimer aufgearbeitet, aber der Aufwand ist zu hoch, als dass solche Arbeiten mehr als ein Nischengeschäft wären.

Mitarbeiter sind nicht leicht zu finden

„Schwierig ist es, Mitarbeiter zu finden“, beklagte Raik Grutza. „In acht Jahren hatten wir einen Praktikanten, der wirklich gut war. Ansonsten haben die jungen Leute kaum noch einen Praxisbezug. Sie können nicht feilen oder schleifen, doch nur per Computer kann man kein Auto reparieren“, ergänzt Andreas Schock. Apropos: Die Interneverbindung sei in Glöwen trotz des vor Jahren erfolgten Ausbaus schlecht, auch die Mobilfunkversorgung lasse zu wünschen übrig. Alles in allem finden die beiden Unternehmer die Unterstützung durch die Handwerkskammer gut, doch würden sie sich mehr Werbung in den Schulen wünschen. „Das trifft sich gut“, sagte Kirsten Gmirek, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Prignitz. „Wir sind jedes Jahr in Glöwen an der Schule und stellen unsere Betriebe vor.“

Familientradition seit 1889

Wenn auch viele Firmen von Nachwuchssorgen geplagt werden, gibt es doch auch schöne Beispiele für eine lange Familientradition. In Putlitz etwa hat der Bäckermeister Michael Gramentz die Familienbäckerei übernommen. „Den Betrieb gibt es seit 1889 in fünfter Generation“, berichtetet das Handwerkskammer-Vorstandsmitglied Dörte Thie. Allerdings müsse sich das Familienunternehmen der starken Konkurrenz durch Discounter erwehren, die mittlerweile selbst im Markt aufgebackenes Brot, Brötchen und manches mehr verkaufen. Alles in allem sei das Handwerk in der Prignitz sehr lebendig, schätzten die Vorstandsmitglieder ein.

Von Andreas König

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