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Nagelwappen vor 100 Jahren geweiht

Ausstellung in Perleberg Nagelwappen vor 100 Jahren geweiht

Der Heimat im Krieg ist ein Vortrag zur Eröffnung der Perleberger Museumsnacht am Freitag, 30. Oktober, gewidmet. Es geht auch darum, wie die Perleberger den Ersten Weltkriegs erlebten. Zur Unterstützung von Kriegsopfern und Hinterbliebenen wurde 1915 ein Nagelwappen geweiht, in das Spender goldene, silberne oder eiserne Nägel schlugen.

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Frank Riedel stellt das „Eiserne Buch der Stadt Perleberg“ mit den Namen der Spender vor.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. Ein imposantes hölzernes Wappen fällt den Besuchern des Perleberger Stadt- und Regionalmuseum dieser Tage ins Auge. Doch nicht dessen Größe und aufwendige Verarbeitung sind das eigentlich Erstaunliche, sondern dessen Geschichte. Es ist ein Produkt des Ersten Weltkrieges, und vor allem mit der schrecklichen Seite des Kriegsgeschehens verbunden. In einer Sonderausstellung zur Machtübernahme der Hohenzollern in Brandenburg vor 600 Jahren ist das so genannte Nagelwappen präsentiert. Es ist das Wappen der Hohenzollern.

Die Nagelung des Wappens als Postkartenmotiv

Die Nagelung des Wappens als Postkartenmotiv.

Quelle: Beeskow

Wie Frank Riedel, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadt- und Regionalmuseum erklärt, kamen in den Kriegsjahren Unterstützungskassen auf. Mit den Geldern sollte Kriegsopfern und Hinterbliebenen ein gewisser Beistand geleistet werden. Öffentliche Nagelungen, ein Brauch aus Österreich und Ungarn, kam auch in Deutschland in Umlauf. Gut betuchte Bürger erwarben goldene, silberne oder eiserne Nägel und schlugen sie dann unter großer öffentlicher Anteilnahme in Säulen oder Statuen ein. Meist waren das wehrhafte Gestalten wie Rolande, verbreitet waren aber auch Statuen von dem Weltkriegsgeneral Paul von Hindenburg, der als großer Held galt.

Die Perleberger schlugen einen anderen Weg ein, sie ließen 1915 ein Hohenzollernwappen anfertigen. Möglicherweise auch im Zusammenhang mit dem Jubiläum 500 Jahre Hohenzollern in Brandenburg, das allerdings angesichts der Schrecken des Krieges kaum festlich begangen werden konnte. Ein Magdeburger Bildhauer entwarf das Wappen. Der Perleberger Bildhauer Wilhelm Rosenfeld verfeinerte den Entwurf und Tischlermeister Gustav Heinrichs aus Perleberg führte das Wappen aus.

Das Hohenzollernwappen mit 734 Nägeln

Das Hohenzollernwappen mit 734 Nägeln.

Quelle: Michael Beeskow

Am 14. November 1915 wurde das Wappen vor dem Perleberger Rathaus geweiht. Die in der Stadt stationierte Garnission nahm Aufstellung und eine große Menschenmenge füllte den Großen Markt. Anschließend erfolgte die Nagelung. Der Magistrat der Stadt, die Ritterschaft, Adlige aus der Prignitz sowie Handwerker aber auch Stubenmädchen schlugen einen Nagel nach dem anderen in das Wappen ein. „Das eiserne Buch der Stadt Perleberg“, das tatsächlich über einen Eisenbeschlag verfügt, enthält die Namen aller, die einen Nagel einschlugen: 734 Personen.

Frank Riedel erklärt, dass ein goldener Nagel 10 Mark, ein silberner 5 Mark und ein eiserner eine Mark kostete. „Das war damals viel Geld.“ Insgesamt erbrachte die Nagelung 3655 Mark, die in der Unterstützungskasse für Kriegsopfer und Hinterbliebene flossen. „Doch letztlich“, so schätzt der Wissenschaftler ein, „blieben die Erlöse dieser Nagelungen hinter den Erwartungen zurück.“

Die Heimat im Krieg war im Juni und Juli Thema einer Projektwoche mit Perleberger Gymnasiasten im Museum. Die Schüler befassten sich in diesem Zusammenhang mit der Geschichte des Nagelwappens. Sie sichteten aber auch alte Zeitungen und Berichte über das Leben in den Kriegsjahren. Eine Beobachtung, die sie dabei machten, war, dass die Todesanzeigen für Gefallene in der ersten Zeit noch deutlich hervorstachen, später füllten sie beinahe die ganze Zeitung.

Service : Zur Eröffnung der Perleberger Museumsnacht am Freitag, 30.Oktober, spricht Maik Reichel, Direktor für politische Bildung in Sachsen-Anhalt, ab 19 Uhr über das Projekt „Heimat im Krieg“ in dem Nachbarland. Darauf folgt die Überleitung zu den Kriegsjahren in Perleberg.

Von Michael Beeskow

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