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Neuer Bürgermeister will mit allen reden

Groß Pankow Neuer Bürgermeister will mit allen reden

Auf Bürgernähe setzt der neue Bürgermeister von Groß Pankow, Marco Radloff. Der parteilose Politiker, der im April die Stichwahl gegen den langjährigen Amtsvorgänger Thomas Brandt gewonnen hatte, trat am Dienstag sein neues Amt im Rathaus an. Im MAZ-Interview verrät Marco Radloff, was er sich für die ersten 100 Tage und darüber hinaus vorgenommen hat.

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Der neue Groß Pankower Bürgermeister Marco Radloff (Wählergruppe Groß Pankow-Luggendorf). an seinem Schreibtisch.

Quelle: Andreas König

Groß Pankow. Vor mehr als vier Monaten wurde Marco Radloff zum Bürgermeister der Gemeinde Groß Pankow gewählt. Am Dienstag hatte er seinen ersten Arbeitstag im Rathaus. Im MAZ-Interview nennt er seine Ziele für die nächsten 100 Tage.


MAZ:
Herr Radloff, Sie mussten lange warten, bis sie Ihr neues Amt antreten konnten. Wie war der Empfang im Groß Pankower Rathaus?

Marco Radloff: Sehr gut. Bei bestem Wetter und Sonnenschein herrschte gute Stimmung. So kann es von mir aus die nächsten acht Jahre bleiben.

Was waren Ihre erste Amtshandlungen?

Radloff : Zunächst habe ich mich vorgestellt und in aller Kürze mit den Amtsleitern beraten. Erst einmal muss ich mich mit den Arbeitsabläufen vertraut machen.

Man gibt Politikern im Amt üblicherweise 100 Tage Schonfrist. Was wollen Sie in dieser Zeit erreichen?

Radloff: Oh, da gibt es so einiges. Wir stehen als Gemeinde vor sehr großen Herausforderungen und neuen Aufgaben, die es nun zu meistern gilt.

Welche Aufgaben sind das zum Beispiel?

Radloff: Als großes Problem sehe ich den öffentlichen Nahverkehr. Mit dem Fahrplanwechsel hat sich die Situation vieler vor allem älterer und behinderter Bürger in unserer Gemeinde dramatisch verschlechtert. Wir müssen alles dafür tun, um für die Menschen Verbesserungen zu erreichen.

Wo herrschen die größten Probleme im Busverkehr?

Radloff: Vor allem in den Orten unter 150 Einwohnern, die während der Ferien nicht einmal mehr einen Rufbus zur Verfügung haben, wie Retzin oder Rohlsdorf. Da muss dringend etwas geschehen. Auch eingeschränkt bewegliche Bürger, die beispielsweise zum Verein Drehscheibe nach Pritzwalk müssen, kommen dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr ohne Weiteres hin.

Rechnen Sie denn damit, dass der Landkreis noch etwas ändert?

Radloff: Sicher, die Ausschreibung ist erfolgt und die Verträge sind geschlossen, aber wenn das Resultat derart ungünstig für die Bürger ist wie hier, muss man einfach nachverhandeln.

Groß Pankow ist eine extrem weitläufige Gemeinde und mit 39 Ortsteilen stark zersiedelt. Wie wollen Sie als Bürgermeister Ihr Wahlversprechen einlösen und für alle Bürger da sein?

Radloff: Das ist sicher nicht einfach, aber wir müssen die Möglichkeiten nutzen, die wir haben. Für mich bedeutet das, mit den Ausschüssen und anderen Gremien zu den Bürgern zu kommen.

Heißt das, die Sitzungen finden künftig nicht mehr im Rathaus statt?

Radloff: Nein, das geht natürlich nicht. Aber das Ziel sollte es schon sein, Angelegenheiten, die die Bürger betreffen, auch bei ihnen zu beraten. Mir ist klar, dass das kaum immer möglich sein wird, zumal wir ja längst nicht in allen Ortsteilen gemeindeeigene Räume haben. Aber versuchen müssen wir das.

Werden Sie spezielle Bürgermeister-Sprechstunden in den Dörfern abhalten?

Radloff: Das ist erst einmal nicht vorgesehen, aber ich denke, wenn sich die Verwaltung öfter in den Orten blicken lässt, kann dabei schon vieles besprochen werden. Wenn sich die Anbindung der Dörfer weiter verschlechtert, muss die Verwaltung sich überlegen, wie sie darauf reagiert. In anderen Kommunen wie Wittstock gibt es ja bereits Beispiele für Bürgermobile. Gegenwärtig ist so etwas im Haushalt nicht darstellbar, aber mit solchen Gedanken beschäftige ich mich durchaus.

Wie geht es weiter mit der Deponie in Luggendorf?

Radloff: Offiziell hat der potenzielle Betreiber noch keinen Antrag zur Umnutzung beim Landesumweltamt eingereicht. Die Bürgerinitiative, die gegen die Deponiepläne ist, hat sich formiert und wird sicher tätig werden, wenn sich in der Richtung etwas tut.

Wie halten Sie es mit diesem Thema?

Radloff: Als Bürgermeister bin ich natürlich zur Neutralität verpflichtet. Aber wofür ich mich einsetzen kann und werde, ist eine möglichst umfangreiche Mitsprache der Bürger und der Gemeinde. Ausgleichsmaßnahmen müssen hier bei uns in Groß Pankow und Luggendorf umgesetzt werden und nicht etwa in der Lausitz.

Sie sprachen bereits das Verhältnis zum Landkreis an. Wie sehen Sie die gegenwärtigen Umzüge von Flüchtlingen in die Städte?

Radloff: Sehr kritisch. In unseren Dörfern wurden viele Anstrengungen unternommen, um diese Menschen zu integrieren. Jetzt, wo die Infrastruktur nicht mehr so gut ist, werden diese Menschen in die Städte umgesiedelt. Unsere Bewohner können das nicht so einfach. Daher muss der Kreis für die Daseinsvorsorge auch auf dem Land eintreten. Das betrifft im Übrigen auch die Kinderbetreuung.

Was meinen Sie damit?

Radloff: Wenn die Bemessungsgrenze, ab der die Elternbeiträge für die Kindereinrichtungen gestaffelt werden von derzeit 700 auf 1800 Euro im Monat angehoben werden soll, wird das mit erheblichen Einnahmeausfällen für unsere Gemeinde verbunden sein. Gegenwärtig haben wir eine Staffelung in 100-Euro-Schritten. Ich kann nichts Soziales daran erkennen, wenn jemand mit 1790 Euro genauso viel zahlen muss wie jemand, der nur Hartz IV bezieht.

Womit werden Sie sich in den nächsten Tagen beschäftigen?

Radloff: Neben auswärtigen Verpflichtungen wie den Sitzungen der Kreisarbeitsgemeinschaft ist in den nächsten Tagen und Wochen die Teambildung angesagt. Wenn ein neuer Chef kommt, braucht es einige Zeit zum Warmwerden.


Interview: Andreas König

Von Andreas König

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