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Prignitz Neuer Wirbel um den „Dörpkrog“
Lokales Prignitz Neuer Wirbel um den „Dörpkrog“
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12:18 18.08.2017
Statt Wildgulasch, Knieperkohl und Havelzander gibt es jetzt seit gut einem Monat in Abbendorf nichts mehr. Quelle: Matthias Anke
Abbendorf

Der eine spricht von einer „Nacht- und Nebelaktion“, von ausgebauter und verschwundener Einrichtung. Die andere berichtet davon, dass sie einfach nur weg musste, es keine Perspektive mehr gab für sie. Am Ende nun bestehe kein direkter Kontakt mehr zwischen den Verantwortlichen dieses Gebäudes und dessen Pächterin, sondern nur noch über Rechtsanwälte. Die Rede ist vom Abbendorfer Landgasthaus „Dörpkrog an Diek“. Es steht seit bereits einem Monat leer. Schon wieder.

Unter den Abbendorfern dürfte damit erneut eine Zeit der Ungewissheit angebrochen sein, was nun aus diesem Traditionslokal als nächstes wird. Auch auf der Internetseite des noch jungen Dorfvereins, herausgegeben vom Vorsitzenden Norbert Endrullat, ist es vermerkt. Unter dem Punkt „Tourismus“ heißt es: „Abbendorf ist ein schöner Haltepunkt am Elbe-Radweg auf der Wegstrecke von Wittenberge nach Havelberg.“ Aber eben auch: „Die Betreiberin unserer Gaststätte ,Dörpkrog an Diek’ hat diese seit dem 10. Juli nicht mehr geöffnet.“

Der „Dörpkrog“ war schon einmal ein ganzes Jahr lang ohne Betreiber

Es war Eileen Müller, die dort in den Tagen vor Weihnachten 2016 als 24-Jährige voller Hoffnung und zur Freude vieler Einheimischer startete. „Ich musste da jetzt einfach raus“, erklärt sie. Das Gebäude stehe wohl zum Verkauf. Mehr wolle sie nicht sagen. Sie konzentriere sich nun lieber wieder voll und ganz auf ihre ursprüngliche Gaststätte „Sportboothafen Lenzen“. Die liegt etliche Kilometer flussabwärts, aber ebenso an diesem viel befahrenen Elbe-Radweg.

Bevor Eileen Müller nach Abbendorf kam, lag der „Dörpkrog“ ein Jahr in einem Dornröschenschlaf. Das Betreiberpaar Maika Srajer und Florian Völchner hatte wegen offenbar wirtschaftlichen Problemen aufgegeben. Davon berichtete in einem Porträt über Eileen Müller zuletzt auch das Fachblatt „Allgemeine Hotel- und Gastronomiezeitung“. Die junge Frau erklärte seinerzeit, sie habe erstmal die Ärmel hochkrempeln müssen: „Die Vorbesitzerin hat mir ein nicht gerade vorzeigbares Haus hinterlassen.“ Zeichnete sich da bereits ein Konflikt ab?

Maika Srajer, Tochter der ehemaligen Mitinhaberin Barbara Srajer, und ihr Lebensgefährte Florian Völchner als Koch übernahmen den „Dörpkrog“ 2010. In dem Jahr starb Barbara Srajer, die lange zuvor die gute Seele des Lokals war. Ihr Mann Jürgen Srajer aber war es, der das Gasthaus einst aufbaute und zu überregionaler Berühmtheit verhalf. Kaum eine „Grüne Woche“ verging in Berlin, an der nicht auch der Abbendorfer von sich Reden machte.

Jürgen Srajer, hier im Jahr 2004 als wandelnder Knieperkohl, verhalf der Gaststätte zu überregionaler Bekanntheit, vor allem auch auf der Grünen Woche in Berlin. Quelle: Archivfoto Michael Hübner

Und wo immer es um den Tourismus in der Prignitz ging, war sein „Dörpkrog“ dabei. Neben den Radfahrern sprach die Dorfgaststätte schließlich auch andere Ausflügler an wie Camper und Wohnmobilisten. Ausreichend Stell- und Zeltplätze und die entsprechenden Sanitäranlagen sind vorhanden.

Begonnen hatte alles nach der Wende. Srajer, der zuvor als Offizier bei der NVA Köche für die Grenztruppen ausbildete, erwarb das leerstehende Objekt und baute es aus.

Zwei Jahrzehnte später sollte es also an eine neue Generation übergeben werden. Ein Streichelzoo und ein Sinnespfad für Kinder standen auf dem Plan. Doch daraus wurde nichts. Nach dem Tod der Frau hatte sich Jürgen Srajer aus dem Geschäft zunehmend zurückgezogen. Mittlerweile ist er schon lange Rentner. Und Maika Srajer und Florian Völchner verließen die Region voriges Jahr. Sie betreiben seither ein Objekt auf Wangerooge, einer der östlichen Inseln Ostfrieslands. Über den neuen Leiter ­Völchner als gelernten Koch aus Brandenburg hieß es in der Lokalpresse vor Ort: „Ein paarmal hat er schon gemeinsam mit Familie seinen Urlaub auf Wangerooge verbracht. Jetzt freut er sich auf die Herausforderung, ganz auf der Insel Wangerooge zu leben und zu arbeiten.“

Am Telefon bestätigt Völchner der MAZ mit Blick auf Abbendorf: „Ja, die Gaststätte ist geschlossen. Zur Pächterin gibt es keinen Kontakt mehr.“ Alles weitere würde jetzt über den Rechtsweg geregelt. Dennoch sagt er bereits: „Wer die Gaststätte betreiben möchte, kann sich melden.“ Und: „Man kann das Gebäude aber auch gerne kaufen.“ Mehr gebe es nicht zu erklären.

Steht ein Verkauf an oder wird eine Neuverpachtung des „Dörpkrogs“ möglich? Bislang ist das unklar. Quelle: Matthias Anke

Im Ort indes hat derweil so manches Gerede die Runde gemacht. „Da stimmte auf beiden Seiten was nicht“, ist Dorfvereinschef Norbert Endrullat sicher: „Dabei hatten so einige Leute aus dem Ort ihre Hilfe angeboten.“

Ein Besitzerwechsel würde nun vielleicht neue Hoffnungen wecken – oder eine Neuverpachtung. Doch bis sich ein nächster Schritt oder gar eine Lösung abzeichnet, die eines Tages doch wieder an die ruhmreicheren Zeiten des „Dörpkrogs“ anschließt, wird noch viel Havelwasser hinterm Deich an Abbendorf vorbeifließen, um wenige Meter weiter die Elbe zu erreichen.

Von Matthias Anke

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