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Neues Zuhause in der Bonbonfabrik

Wittenberge Neues Zuhause in der Bonbonfabrik

Das erste städtische SOS-Kinderdorf Brandenburgs soll in der ehemaligen Wittenberger Bonbonfabrik im Jahnschulviertel entstehen. Wittenberge wird damit neben Leipzig und Hamburg Standort dieser neuen Form der Unterbringung von „Sozialweisen“. 5,5 Millionen Euro kostet die Investition insgesamt, 20 Arbeitsplätze sollen entstehen.

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Daniel Krause Pongratz (l.) und Oliver Hermann erläutern die Pläne zum Umbau der alten Bonbonfabrik zum urbanen SOS-Kinderdorf.

Quelle: Andreas König

Wittenberge. Hamburg, Leipzig und Wittenberge. Das sind die Standorte für eine neue Art von SOS-Kinderdörfern. Statt Kinder aus problematischen Familienverhältnissen wie bisher in eigens geschaffenen dorfähnlichen Siedlungen auf der grünen Wiese unterzubringen, geht der große soziale Träger nun ganz neue Wege.

Für Kinderdorffamilien wird viel Platz benötigt

In Wittenberge, wo das SOS-Kinderdorf Prignitz seinen Hauptsitz hat, sollen Wohnungen für vier Kinderdorffamilien geschaffen werden. Darüber informierten am Freitag Einrichtungsleiter Daniel Krause-Pongratz und Bürgermeister Oliver Hermann. „Dafür braucht man relativ viel Platz“, erläuterte der promovierte Sozialwissenschaftler Krause-Pongratz. Während sich auf den ersten Blick passende Gebäude immer wieder als ungeeignet erwiesen, fand er in unmittelbarer Nähe seiner Wirkungsstätte gleich mehrere passende Häuser. Herzstück ist die ehemalige Bonbonfabrik „Eduard Witt und Söhne“ in der Schillerstraße 1. Als Bonbonfabrik kennen das Haus zwar nur noch alte Wittenberger, aber „der Name passt natürlich für unsere Zwecke sehr gut“, erklärt Krause-Pongratz, der manchmal schon von „Schokoladenfabrik“ spricht, wobei er natürlich Roman und Film „Charlie und die Schokoladenfabrik“ im Sinn hat.

Insgesamt entstehen 20 Arbeitsplätze

Zu einer Kinderdorffamilie gehören bis zu sechs Kinder, die dem Träger von der Jugendhilfe benannt werden müssen. Dazu kommt eine Kinderdorfmutter oder ein Kinderdorfvater, 14 pädagogische Fachkräfte, Verwaltung, Hauswirtschaft und Bereichsleitung – insgesamt 20 zusätzliche Arbeitsplätze sollen bei SOS in Wittenberge entstehen. Neben den vier Wohnungen für die Kinderdorffamilien mit jeweils 100 Quadratmetern Fläche sind zwei Einliegerwohnungen vorgesehen. „Darin können entweder Jugendliche in der Verselbstständigungsphase untergebracht werden oder aber Eltern auf Besuch“, erläutert der Leiter.

2020 sollen Wohnungen bezogen werden

Während der Bedarf in den eingangs genannten Großstädten auf der Hand zu liegen scheint, mussten die Wittenberger SOS-Mitarbeiter beim Bundesvorstand von SOS-Kinderdorf in München einige Bedenken ausräumen. Vor allem die Investitionssumme von rund 4,5 Millionen Euro für den Umbau und einer weiteren Millionen für die Ausstattung des Kinderdorfs sorgten für manches Stirnrunzeln. Doch das gut vorbereitete Konzept, die günstige Lage der Häuser in unmittelbarer Nähe zur Jahnschule, dem Bürger- und dem Familienzentrum, und nicht zuletzt die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und gaben den Ausschlag. „Wir wollen bis Jahresende die Planung abschließen und dann in den Jahren 2018 und 2019 bauen“, sagt Daniel Krause-Pongratz. Bezogen werden könnte das Kinderdorf Anfang 2020.

Noch vor zehn Jahren herrschte 80 Prozent Leerstand

„Wir sind froh, dass wir gemeinsam mit dem SOS-Kinderdorf nicht nur eine soziale Einrichtung gewinnen, die Arbeitsplätze schafft, sondern auch städtebaulich einen großen Schritt vorankommen“, sagte Bürgermeister Oliver Hermann. „Noch vor zehn Jahren herrschte im Quartier ein Leerstand von 80 Prozent. Das hat sich zum positiven verändert“, freute sich das Stadtoberhaupt. Bund und Land fördern die Arbeiten aus dem Programm Stadtumbau Ost mit einer Million Euro.

Kinderdorfmütter und -väter müssen qualifiziert sein

Von außen wird man die drei Häuser Schillerstraße 1 und 2 sowie Bürgermeister-Jahn-Straße 16 weiterhin als getrennte Gebäude mit unterschiedlich gegliederten Fassaden wahrnehmen. Die Kinderdorfwohnungen werden zwar über separate Eingänge verfügen, sollen aber Zugang zum gemeinsam genutzten Innenhof haben. „Die große Aufgabe wird es sein, geeignete Personen als Kinderdorfmütter oder -väter zu gewinnen“, blickt Daniel Krause-Pongratz voraus. Zwar sei die Anstellung gut bezahlt, doch würden erhebliche Anforderungen an Qualifikation und Eignung gestellt.

Von Andreas König

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