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Prignitz Noch mehr Windräder sollen möglich sein
Lokales Prignitz Noch mehr Windräder sollen möglich sein
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16:16 17.08.2017
Windenergieanlagen an der Bundesstraße 103 zwischen Gerdshagen und Rapshagen. Quelle: Beate Vogel
Gerdshagen

Seit Jahren klagen die Anwohner der Gemeinde Gerdshagen über die hohe Belastung durch die nahen Windräder. Nun sollen weitere hinzukommen dürfen: Mit dem zweiten Entwurf des Regionalplans Prignitz-Oberhavel – „Freiraum und Windenergie“ sind die Gerdshagener deshalb mehr als unzufrieden. Dabei stehen die Windenergieanlagen in den Ortsteilen der kleinen Gemeinde bereits dichter an den Häusern als in vielen anderen Kommunen der Prignitz.

Bürgermeister Robert Gemmel fürchtet, dass die Gerdshagener Ortsteile irgendwann komplett umzingelt sind von Windrädern. Deshalb sprachen sie sich in ihrer kritischen Stellungnahme zum Planentwurf gegen die Ausweisung der Windeignungsgebiete aus. „Die Regionale Planungsgemeinschaft widerspricht ihren eigenen Kriterien“, so Gemmel.

Verschlechterung gegenüber dem ersten Entwurf

Der Bürgermeister ärgert sich vor allem darüber, dass der vorliegende zweite Entwurf eine Verschlechterung gegenüber dem ersten darstellt: Das im ersten Entwurf enthaltene Gebiet Nummer 5 „Gerdshagen“ hatte sich deutlich kleiner dargestellt. „Darin war auch vorgesehen, dass die Flächen an der B 103 nicht weiter in Richtung Ortslage heranrücken sollten.“ Dort stehen zwar schon Windräder, eine Erweiterung oder neue Bebauung wäre laut Gemmel dann aber nicht möglich gewesen.

19 Windräder stehen im Eignungsgebiet Nummer 5 „Falkenhagen-Gerdshagen-Rapshagen“, fünf weitere außerhalb. Die Standorte sind zwischen 750 und 1000 Meter von der Wohnbebauung entfernt. Der Abkehr von einem grundsätzlichen Mindestabstand von 1000 Metern in dem Entwurf stimmen die Gerdshagener nicht zu. Denn dass bereits jetzt Grenzwerte für Schall und Schatten bei Anlagen von unter 1000 Metern Abstand überschritten werden, sei nachgewiesen worden.

Zugunsten der Windenergienutzung

Bei der Festlegung künftiger Eignungsgebiete ist zu prüfen, ob der Windenergienutzung genug Raum verbleibt, erklärt die Regionale Planungsgemeinschaft auf ihrer Homepage. Hierfür wird ein Kriterienkatalog berücksichtigt – etwa die Ausgrenzung „harter Tabubereiche“ wie Siedlungsflächen oder Naturschutzgebiete. Eine Rolle spielen auch das Windpotenzial oder die Nähe zur Netzinfrastruktur. Ist das Verhältnis zu „ungünstig“, sind die Auswahlkriterien zu überprüfen und im Einzelfall zugunsten der Windenergienutzung zu ändern. Fällt die Prüfung „positiv“ aus, werden die Eignungsgebiete festgesetzt.

Der Abstand zwischen Wohnhäusern und Windrädern soll nach den Kriterien der Planungsgemeinschaft bei 1000 Metern liegen. Bis zu 750 Metern gilt als „weicher Tabubereich“.

Zwischen Eignungsgebieten sollen fünf Kilometer liegen. Da wegen bereits bestehender Windparks dieser Wert häufig unterschritten wird, kann das Kriterium nicht immer eingehalten wegen, da gilt Bestandsschutz.

Zusätzlich zum Eignungsgebiet 5 liegt in der Gemarkung das Gebiet Nummer 45. Die südlich der A 24 gelegene Fläche ist mit zehn Anlagen bebaut, zwei weitere liegen an der Peripherie. Nun soll es nach Südosten hin erweitert werden. Die Bedenken der Gemeinde Gerdshagen seien laut Gemmel, dass diese Ausweisung eben nicht den Kriterien der Regionalplanung entspricht: Weil die bisherigen, bereits bebauten Eignungsgebiete nur 1,2 Kilometer voneinander entfernt sind und die Gemarkung ohnehin „wahrnehmbar vorbelastet“ ist, bleibe bei den Gebieten 5 und 45 „der Fünf-Kilometer-Mindestabstand zwischen benachbart gelegenen Eignungsgebieten für Windenergienutzung unberücksichtigt“, heißt es im Planentwurf, den die Gerdshagener ganz klar ablehnen. Im Klartext: Weil in der Gemarkung Gerdshagen sowieso schon enorm viele Windkraftanlagen stehen, macht es nichts, wenn noch welche dazu kommen. „Fakt ist, dass wir große Bedenken dagegen haben, die Gebiete noch weiter zu verdichten“, betont Bürgermeister Gemmel.

Hohe Netzentgelte sind ein Kritikpunkt

Allgemein sei die Akzeptanz der Windenergie in der Bevölkerung gering, argumentiert die Gemeinde in ihrer nun beschlossenen Stellungnahme. Neben der Belastung, die die Menschen in unmittelbarer Nähe empfänden, sind die hohen Netzengelte in der Region ein Kritikpunkt. Ein Vorschlag ist, dass Ausgleichszahlungen an die Gemeinde gehen könnten und damit der Allgemeinheit zugute kämen.

Von Beate Vogel

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