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Notvorrat ja, Hamsterkäufe nein

Pritzwalk Notvorrat ja, Hamsterkäufe nein

Mit ihrer Empfehlung, Vorräte für Katastrophen und andere Ereignisse anzulegen, hat die Bundesregierung Staub aufgewirbelt. In den Einzelhandelsgeschäften der Region ist indes nichts von Hamster- oder gar Panikkäufen zu spüren. Dennoch sollte man für schwere Zeiten Vorräte im Haus haben, raten die Katastrophenschützer.

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Heike Heinke-Schmidt (l.) ist die neue Geschäftsleiterin des Real-Marktes in Pritzwalk. Vor dem Konservenregal steht sie mit Claudia Schlutt, Teamleiterin Lebensmittel.

Quelle: Andreas König

Pritzwalk/Perleberg. Wenn Erich Schlotthauer ehrlich ist, muss er seine eigenen Notvorräte zu Hause demnächst einmal aufstocken. Ob er gleich die jüngst von der Bundesregierung empfohlenen zehn Tage überbrücken kann, sei dahingestellt, sagt der oberste Katastrophenschützer im Landkreis Prignitz. Im Entwurf eines neuen Sicherheitskonzeptes ruft die Bundesregierung die Bevölkerung ausdrücklich dazu auf, Vorräte an Lebensmitteln, Trinkwasser, Medikamenten und anderer lebenswichtiger Ausrüstung anzulegen. Das regt die Bürger zwar auf, aber nicht weiter zum Handeln an.

„Nein, Hamsterkäufe irgendwelcher Art kann ich bei uns nicht feststellen“, sagt Bärbel Schröder vom gleichnamigen Edeka-Markt in der Pritzwalker Marktstraße. Und auch in den großen Verbrauchermärkten ist von Kunden auf Vorratstour wenig zu entdecken. „Eingekauft wird genau so viel wie immer“, sagt Doreen Barnebeck, Assistentin der Geschäftsführung im Ruppiner Einkaufszentrum Reiz in Neuruppin. Und bei den Kunden des Pritz­walker Realmarktes hat Geschäftsleiterin Heike Schmidt-Heinke ebenfalls keine außergewöhnlich großen Einkäufe von Konserven, Trinkwasser und anderen Waren gesehen, die auf der Empfehlungsliste der Bundesregierung stehen. Ist also alles nur heiße Luft?

Strenges Vorratsregime in der DDR

„Die Regel, dass man einen häuslichen Vorrat an den notwendigsten Dingen anlegen soll, ist uralt, gilt aber noch immer“, sagt Erich Schlotthauer. Der Sachbereichsleiter Brand- und Katastrophenschutz hat zahlreiche Einsätze unterschiedlichster Art hinter sich. „Ob nun wirklich die Terrorgefahr im Mittelpunkt der Überlegungen stand, weiß ich nicht, aber schon ein längerer Stromausfall bringt unsere moderne Zivilisation an ihre Grenzen“, sagt der Perleberger. Dass es in der Zivilverteidigung er DDR ein strenges Regime gab, was das Anlegen von Vorräten, deren Lagerung und kontinuierliche Wälzung angeht, war sicher auch dem kalten Krieg geschuldet, aber in Notsituationen war erst einmal das da, was die Menschen dringend brauchten: Lebensmittel, Trinkwasser, Medikamente und Kraftstoff.

Wie sieht es damit heutzutage aus? Die Landkreise verfügen nicht über eigene Notreserven, sagt Erich Schlotthauer. „Das gab es früher. Heute setzt man darauf, dass die Leute sich selbst bevorraten. Allerdings arbeiten wir seit 2006 an Konzepten, wie die Stromversorgung im Falle eines längeren Ausfalls sichergestellt werden kann.“

Trinkwasser für zehn Tage

Ähnlich sieht es im Landkreis Ostprignitz-Ruppin aus. Er hält „keine eigenen Lebensmittel- und Trinkwasserreserven vor. Im Landkreis besteht die Möglichkeit der Lebensmittelversorgung über mehrere notstromversorgte Verbrauchermärkte. Die Trinkwasserversorgung wird durch notstromversorgte Wasserwerke sichergestellt.“, sagt Christian Damm, Büroleiter des Ostprignitz-Ruppiner Landrats. Mindestens 24 Stunden lang sollen die Märkte mit Notstrom betrieben werden können.

Gleichfalls sinnvoll scheint der Ratschlag, Trinkwasserreserven für zehn Tage im Haus zu haben. Sowohl die Prignitz als auch der Nachbarkreis verfügen weder über eigene Trinkwasserreserven noch über Aufbereitungsanlagen. „Der Kreis würde in solchen Fällen auf die Bundeswehr und das technische Hilfswerk zurückgreifen“, sagt Erich Schlotthauer, und fast gleich lautet die Antwort von Christian Damm. Ebenfalls nicht vorhanden ist eine Kraftstoffreserve in beiden Kreisen. In Ostprignitz-Ruppin existiert darüber hinaus keine notstromversorgte Tankstelle, so dass der kreiseigene Fuhrpark im Katastrophenfall direkt von Mineralölspeditionen versorgt würde.

Selbstversorgung wie beim Campingausflug

Selbst das Land Brandenburg besitzt keine eignen Notreserven, wie Wolfgang Brandt, Sprecher des Innenministeriums, der MAZ sagt. „Wir üben aber auf Stabs- und Leitungsebene das Zusammenspiel im Katastrophenfall mit den Nachbarländern“, versichert der Sprecher. Vor allem für den Fall eines großen Stromausfalls (Blackout) sei vorgesorgt. Es gibt eine Broschüre dazu vom Land. Eigene Vorräte besitze hingegen nur der Bund.

„Die Bürger machen nichts falsch, wenn sie sich vorstellen, sie unternehmen einen längeren Campingausflug mit Selbstversorgung. Dann benötigt man zumindest Nahrung und Getränke, Wasser, eine Kochgelegenheit und ein batteriebetriebenes Radio“, lautet der Tipp von OPR-Sprecher Christian Damm. Erich Schlotthauer genügt die Erinnerung an den Dezember 2010. Damals waren die Gemeinden entlang der Elbe fast drei Tage ohne Strom – über die Weihnachtsfeiertage. „Aber die Menschen sind klargekommen. Vorräte anlegen ist ein alter Hut. Man muss bloß immer mal wieder daran denken“, sagt Erich Schlotthauer.

Von Andreas König

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