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Nur noch im Urlaub zurück nach Spanien

Pritzwalk: Daniela Aguilar aus Valencia möchte in der Prignitz Fuß fassen Nur noch im Urlaub zurück nach Spanien

Trotz abgeschlossenen Studiums ist es in Spanien schwer, einen Job zu finden. Das hat auch Daniela Aguilar aus Valencia erfahren müssen. Darum hat sie sich dafür entschieden, nach Deutschland zu gehen. In Pritzwalk tritt sie sie jetzt eine Ausbildungsstelle bei der Sparkasse an. Das Interesse daran beruht auf Gegenseitigkeit.

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In Pritzwalk angekommen: Daniela Aguilar (l.) an ihrem neuen Arbeitsplatz mit der Leiterin der Pritzwalker Filiale der Sparkasse Prignitz, Gisela Schwarz.

Quelle: Foto: Bernd Atzenroth

Pritzwalk. Das Wetter in Deutschland macht der jungen Frau schon noch ein wenig Sorgen. Daniela Aguilar aus dem sonnenverwöhnten Valencia hat seit dem 6. Juli den sehr durchwachsenen Sommer in Pritzwalk mitbekommen und nun eine ungefähre Ahnung davon, was in den nächsten Monaten auf sie zukommen könnte. „Im Winter, ich weiß nicht“, sagt sie mit einem skeptischen Gesichtsausdruck, „aber kein Problem, dann kaufe ich einen großen Mantel.“

Die künftige Auszubildende bei der Sparkasse Prignitz und ihre Ausbildungsbetreuerin Manuela Kurz lachen zusammen über das vermeintliche Problem. Aber die kleine Episode zeigt auch deutlich, dass die 22-jährige Spanierin fest gewillt ist, in Deutschland anzukommen. Sie hat sich ganz dezidiert für Pritzwalk entschieden. „In Spanien gibt es im Moment keine Arbeit für junge Leute, deshalb bin ich hier“, erklärt sie. Dabei hat sie eine komplette Hochschulausbildung. Nach dem Abitur hat sie in ihrer Heimatstadt ein Studium in Management und öffentlicher Verwaltung absolviert. Danach hat sie sich für ihre weitere Berufsbildung direkt nach Deutschland beworben, „weil hier die größten Chancen sind“. Ob bei Wohnungssuche oder bei anderen Problemchen – Hilfe ist ihr bei ihrem neuen Arbeitgeber gewiss.

Gefragt, ob sie Heimweh hat, muss man ihr das Wort erst einmal erklären. Sie schreibt es wie alle neuen Wörter, die sie noch nicht kennt, in eine rote Kladde, um sie dann am Abend zu lernen. Als sie das Wort begriffen hat, wird klar: Heimweh hat sie im Moment wohl nicht. In ihr Heimatland Spanien will sie natürlich auch künftig reisen, „aber nur auf Urlaub“, wie sie mit Nachdruck sagt. Die Welt ist ja auch klein geworden. Valencia ist nur zweieinhalb Flugstunden von Deutschland entfernt, und per Skype hat sie täglich Kontakt mit ihren Eltern und ihrem Freund _ da kommt Heimweh gar nicht auf.

Am kommenden Montag beginnt sie nun ihre dreijährige Banklehre bei der Sparkasse Prignitz. Die Entscheidung für Pritz-walk hat sie bislang nicht bereut: „Ich bin sehr zufrieden mit Deutschland. Die Leute sind nett“, erzählt sie. Und diese Entscheidung will sie nicht nur für ihre dreijährige Ausbildungszeit verstanden wissen, sondern auch darüber hinaus. So wird ihr Freund im Dezember zu ihr ziehen und dann versuchen, eine Stelle als Lkw- oder Busfahrer zu bekommen.

Auch bei der Sparkasse Prignitz wird die Einstellung der Frau aus Spanien mit einer langfristigen Perspektive gesehen. Man hatte im Zeichen des Fachkräftemangels bei der Suche nach Auszubildenden die Fühler in Richtung europäisches Ausland ausgestreckt. „Eigentlich wollten wir sogar zwei haben“, bekannte Sparkassenvorstand André Wormstädt. „Junge Erwachsene aus anderen EU-Staaten haben es aufgrund der Jugendarbeitslosigkeit schwer, einen Job zu finden und suchen daher nach Ausbildungsplätzen in anderen Staaten wie Deutschland“, erklärte der Sparkassenchef. Weil es daran also ein gegenseitiges Interesse gibt, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit das Programm Mobipro-EU aufgelegt, das diese Form der beruflichen Mobilität unterstützen soll. Dieses Programm sei auch Thema bei der IHK gewesen. Bei der Sparkasse hatte sich die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Elfi Ga­briel darum gekümmert. „Wir haben unsere Bereitschaft signalisiert, uns dieser Thematik stellen zu wollen, und das schon vor Monaten“, erklärte Wormstädt.

Dabei hat man genau darauf geachtet, dass die Bewerber auch wirklich Bankkaufmann oder -frau werden wollen. „Wir haben Bewerbungen gesichtet und geschaut, ob es zu dem passt, was wir uns vorstellen“, so Wormstädt weiter. Und das bedeutet: Der Bewerber aus einem anderen EU-Land muss sich in der Ausbildung exakt denselben Anforderungen stellen wie deutsche Bewerber, „da machen wir keine Abstriche“.

Dass die Wahl auf Daniela Aguilar fiel, bedeutet also auch: Die Sparkassenchefs sind davon überzeugt, dass sie den Anforderungen gerecht werden kann. Aber um sie überhaupt kennenzulernen, haben sie ihr erst mal einen Praktikumsvertrag über einen Monat angeboten. Seit dem 6. Juli kann Daniela Aguilar schon Sparkassenluft schnuppern und hat dabei bereits einige Abteilungen durchlaufen. So war sie beim Öffentlichkeitsarbeiter Michael Böwe, und zuletzt arbeitete sie in der Geschäftsstelle an der Rostocker Straße. Deren Leiterin Gisela Schwarz und Michael Böwe zeigten sich sehr angetan von der jungen Frau, die in kürzester Zeit ihre sprachlichen Fähigkeiten bereits erheblich verbessert hat. Ihr Wochenprogramm ist dabei stramm. Denn montags und samstags nimmt sie mit sieben anderen spanischen Auszubildenden, die unter anderem das Hotelfach und Mechatroniker lernen, in der Prignitz an einem Deutschkurs im Perleberger Hennings Hof teil. So blieb noch nicht viel Zeit, um Deutschland näher kennenzulernen. Das will sie nachholen: „Vielleicht machen wir bald mal einen Tagesausflug nach Hamburg.“

Daniela Aguilar plant bereits jetzt, zusätzlich anspruchsvollere Deutschkurse zu belegen. Außerdem wünscht sie sich noch mehr Kontakt mit Einheimischen, um im Gespräch ihre Deutschkenntnisse vertiefen zu können. Da ist die Sparkasse schon eine gute Schule, denn nur wenige Mitarbeiter sind hier des Spanischen mächtig. So kann sie nicht auf eine andere Sprache als Deutsch ausweichen. Das will sie auch nicht: „Lieber nicht Spanisch, sondern wirklich Deutsch“, lautet ihr Credo. Ihr rotes Notizbuch füllt sich dabei langsam mit nützlichen Vokabeln. Diese Kenntnisse wird sie brauchen, um sich den neuen Anforderungen stellen zu können. Denn schon bald steht ein Grundkurs zur Banklehre an der Akademie in Potsdam an und dann der Besuch der Berufsschule.

Von Bernd Atzenroth

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