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Offenere Diskussion in Pritzwalk gefordert

Auf den Spuren der Flüchtlinge Offenere Diskussion in Pritzwalk gefordert

Erst sahen die Gäste in der Bölzker Kirche einen Dokumentarfilm über Flüchtlinge und deren Odyssee nach Europa. Im Anschluss diskutierten sie mit Regisseurin Ellen Trapp über das Thema. Dabei wurde auch deutlich, dass die Pritzwalker mehr für dieses humanitäre Problem tun könnten. Die Prignitzer Nachbarstädte sind da weiter.

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Ellen Trapp (r.) im Gespräch mit ihren Zuhörern in der Bölzker Kirche. Quelle : Bernd Atzenroth

Bölzke. Dawit geht es inzwischen gut. Der junge Mann aus Eritrea hat mittlerweile in Deutschland ein wenig Fuß gefasst. Am 3. Oktober 2013 wäre dabei fast alles vorbei gewesen – Dawit gehörte zu den wenigen Überlebenden des ersten großen Flüchtlingsunglücks vor der italienischen Insel Lampedusa. An jenem Abend saß Ellen Trapp krank zu Hause vor dem Fernseher. „Ich wurde zum Nachrichtenjunkie“, erzählt sie. Die Filmemacherin hätte eigentlich selbst dort sein sollen, um zu berichten. Nun aber kam ihr sofort der Gedanke, sich auf die Spuren derjenigen zu machen, die die Lebensgefahr nicht von ihrem Vorhaben abhalten konnte. Zusammen mit ihrer Kollegin Natalie Amiri recherchierte sie alles in allem ein Jahr lang auf den abenteuerlichsten Wegen entlang der Flüchtlingsroute von Eritrea über Sudan, Ägypten und Libyen bis eben nach Lampedusa, um zu ergründen, warum Menschen wie Dawit alles aufgeben und sich auf eine gefährliche und mitunter monate- und jahrelange Reise begeben, auf der ihnen Menschenhandel, Folter, Gewalt, Korruption und Willkür auf Schritt und Tritt begegnen.

Menschen, die vielleicht auch in Pritzwalk ankommen können. Denn als am Freitag Ellen Trapp in der Bölzker Kirche ihren Film zeigte, kam das Gespräch auch auf die Situation in der Stadt an der Dömnitz, in der bislang erst fünf Wohnungen für Flüchtlinge und Asylbewerber zur Verfügung gestellt wurden, in denen etwa 20 Menschen leben. Zum Vergleich: In Perleberg sind es bereits 30, in Wittenberge sogar 45. Warum das so ist, bleibt auch im Dunkeln, denn die letzte Beratung der Stadtverordneten dazu war nicht-öffentlich. Deshalb konnte auch Hartmut Winkelmann (Linke) nicht wirklich dazu Auskunft geben, der neben Jörg Schilling (SPD) und Christa Pfeifer (Freie Wähler) der dritte Stadtverordnete unter den Veranstaltungsbesuchern war. Winkelmann kritisierte diese in der Stadt geübte Praxis scharf: „Man verhindert die Diskussion nicht dadurch, indem man nicht darüber redet, sondern erreicht eher das Gegenteil.“ Jedoch habe, so Winkelmann, „der stellvertretende Landrat ausdrücklich darum gebeten, dass man darüber spricht“. Winkelmann berichtet von vielen unschönen Gerüchten, die in Pritzwalk kursieren, und wünscht sich deshalb eine offene Diskussion. Dabei gebe es gerade in der Prignitz fast nur Asylbewerber mit einer sehr hohen Chance auf Anerkennung. Außerdem kämen viele im Familienverband – das klassische Klischee vom alleinreisenden Mann sei hier die absolute Ausnahme.

Hartmut Winkelmann

Hartmut Winkelmann

Quelle: Bernd Atzenroth

Das ist so, weil in der Prignitz die Flüchtlingsbetreuung ansonsten als vorbildlich gilt, hat doch der Kreis bislang trotz der gestiegenen Zahlen die Unterbringung in Wohnungen statt in Heimen durchgehalten. Wie lange das noch geht, ist aber offen. Landrat Torsten Uhe hatte im MAZ-Interview aber bereits geäußert, dass für dieses Jahr die Wohnungsunterbringung wohl gesichert ist. Entgegen den Gerüchten in der Stadt steht damit im Moment nicht die Einrichtung eines Asylbewerberheims in Pritz­walk zur Diskussion. Vorschläge der Stadt, die alte Polizeiwache für Flüchtlinge umzubauen, stoßen allein der hohen Kosten wegen beim Landkreis auf Skepsis (MAZ berichtete). Zu rechnen ist aber damit, dass Pritzwalk bei der Wohnungsunterbringung jetzt mehr in die Pflicht genommen wird.

Ellen Trapp, die selbst aus einem kleinen Dorf in der Eifel stammt, sieht Orte mit einer besseren Verkehrsinfrastruktur wie etwa Pritz-walk in der Pflicht. Denn eine Ansiedlung sei dort umso schwieriger, wo kein Bus mehr fahre. Auch sie weiß, dass bei der Flüchtlingsbetreuung es „im Moment vielerorts an allem fehlt“.

Von Bernd Atzenroth

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